Ableger von „In aller Freundschaft“ Operation Vorabend: Heilen „Die jungen Ärzte“ die ARD?

Von Cornelia Wystrichowski

Meine Nachrichten

Um das Thema Medien Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Näher an der „Schwarzwaldklinik“ als an „Emergency Room“ angesiedelt sind die Folgen des Weißkittel-Ablegers „Die jungen Ärzte“, der eng mit den älteren Docs von „In aller Freundschaft“ verknüpft ist. Foto: ARD/Tom SchulzeNäher an der „Schwarzwaldklinik“ als an „Emergency Room“ angesiedelt sind die Folgen des Weißkittel-Ablegers „Die jungen Ärzte“, der eng mit den älteren Docs von „In aller Freundschaft“ verknüpft ist. Foto: ARD/Tom Schulze

Berlin. Es ist eine Operation am offenen Herzen: Der ARD-Vorabend kränkelt chronisch, jetzt soll ihn ein Ableger der populären Arztserie „In aller Freundschaft“ kurieren: Die Mediziner-Soap „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“.

Im Mittelpunkt steht ein Held aus der Mutterserie: Niklas Ahrend (Roy Peter Link) spielt seit 2012 den Lebensretter an der Leipziger Sachsenklinik, jetzt wechselt er als Oberarzt nach Erfurt, wo die neue Serie angesiedelt ist. Dort leitet der smarte Doc ein Team von Assistenzärzten, deren Alltag als Berufsanfänger im Mittelpunkt des Geschehens steht – die Handlung des neuen Mull-Formats kurz gefasst: Schöne junge Menschen retten Leben.

Dramatik im Operationssaal, Intrigen im Schwesternzimmer: Die Serie kommt zwar etwas jünger daher als das Original, mit ihrer konventionellen Art ist sie jedoch näher an der „Schwarzwaldklinik“ als an „Emergency Room“ angesiedelt. In der Auftaktfolge muss sich der neue Medizinmann in Erfurt gleich mal mit einer Herz-OP bei seinem alten Mentor bewähren, was ihm natürlich bravourös gelingt, und er wird mit den neuen Kollegen wie dem arroganten Matteo Moreau (Mike Adler) konfrontiert.

Das Originalformat „In aller Freundschaft“ läuft seit 1998 im Ersten, im Schnitt locken die biederen Geschichten fünfeinhalb Millionen Weißkittel-Freunde ins ARD-Programm am Dienstagabend. Dabei ist der Marktanteil mit acht Prozent auch beim jungen Publikum relativ ansehnlich. Nun dient „IaF“ als Stammzellenspender für „Die jungen Ärzte“, ein Format, auf das der Sender so große Hoffnungen setzt, dass er gleich mal 42 Folgen eingeplant hat. Die alte Leipziger und die neue Erfurter Serie sollen eng miteinander verzahnt sein, betont ARD-Vorabendkoordinator Frank Beckmann, Stars des Stammformats wie Schwester Arzu (Arzu Bazman) werden im Ableger Gastauftritte haben, um die Zuschauer zum Spin-off zu lotsen.

„Der Vorabend ist die wohl schwierigste Zeitzone im deutschen Fernsehmarkt“, klagte ARD-Programmdirektor Volker Herres jüngst. Die neue Krankenhaus-Saga ist nur ein Teil der Operation Vorabend, mit der das Erste wieder mehr Publikum in die Programmschiene vor der „Tagessschau“ locken will, als dies zuletzt mit der Schmunzelkrimi-Offensive (Dachmarke: „Heiter bis tödlich“) gelang. Weitere Eingriffe: Die bisherige Daily Soap „Verbotene Liebe“ läuft künftig als wöchentliche Serie, mit Jörg Pilawas „Quizduell“ gibt es wieder eine tägliche Rateshow, außerdem stehen die neuen Krimiserien „Rentnercops“ und „Unter Gaunern“ in den Startlöchern.

„In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“ ist übrigens nicht das einzige neue Krankenhausformat, auch das ZDF setzt derzeit auf die Halbgötter in Weiß: Nach dem erfolgreichen Start von „Dr. Klein“ mit „Tatort“-Star ChrisTine Urspruch als kleinwüchsiger Kinderärztin sind bei den Mainzern im Januar mit „Bettys Diagnose“ und „Sibel & Max“ gleich zwei weitere Arztserien hinzugekommen, die einen recht erfolgreichen Start hingelegt haben. Dabei schien die neue Blütezeit des Genres nach dem Ende internationaler Erfolge wie „Emergency Room“, „Scrubs“ oder „Dr. House“ gerade erst vorbei. Aber Totgesagte leben ja bekanntlich länger.

In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte, ARD, Donnerstag, 22. Januar, 18.50 Uhr.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN