Großer Erfolg mit Udo Bönstrup 20-Jähriger Hendrik Nitsch stellt Rentner auf Youtube dar

Von David Sarkar

Hendrik Nitsch kann von Videos und Auftritten gut leben. Foto: PRHendrik Nitsch kann von Videos und Auftritten gut leben. Foto: PR

Reckenfeld. Ein Smartphone, einen DSL-Anschluss und einen ausgeprägten Sinn für schrägen Humor – es braucht nicht viel, damit aus dem 20-jährigen Hendrik Nitsch der Rentner Udo Bönstrup wird. Ob hohe Zigarettenpreise, Hausfrauen im Straßenverkehr oder Parfümgestank in der Drogerie – Udo regt sich über alles auf und belustigt damit seit einem Jahr seine Fans im Internet. Rund 150000 sind es bisher, alleine auf Facebook.

Geplant war der Udo-Hype nicht: „Das ist vor einem Jahr völlig unfreiwillig entstanden. Ein Freund filmte mich heimlich unter dem Tisch, als ich einen Rentner imitierte, stellte das online, und ich hatte die Kacke am Dampfen“, erzählt Hendrik Nitsch. Der 20-Jährige sitzt in der Bäckerei Verspohl in seiner Heimat Reckenfeld. Ein kleiner Marktplatz, eine Apotheke, ein Italiener, eine Bankfiliale und eine Post. Tiefste westfälische Provinz, 23 Kilometer entfernt von Münster. „Diese Bäckerei ist der einzige Ort, wo man sich hier wirklich treffen kann“, sagt er, trinkt einen Schluck Kaffee und zuppelt an seinem grauen Kapuzenpullover herum. Zu den Videos mit Udo Bönstrup geht‘s hier.

Wenn, dann Cordhose

Von einer Sekunde auf die andere könnte aus Hendrik Udo werden, denn eine Verkleidung braucht der Westfale nicht: „Weil das alles so spontan war, habe ich von Anfang an auf ein Kostüm verzichtet. Jetzt brauche ich das auch nicht mehr zu machen“, erklärt Hendrik. Hätte Udo ein Outfit, dann „würde er wohl eine Cordhose tragen, ein hässlich kariertes Hemd von C&A und so einen grünen Hut mit einer Feder dran.“ Inspiriert ist der Web-2.0-Rentner durch Hendriks Opa, einen 70-jährigen Ex-Oberstabsfeldwebel mit rauem Ton in der Stimme. Den hat sich der Enkel abgeguckt und verfeinert. Hendrik würde Udo allerdings noch etwas älter einschätzen: „Die alten westfälischen Opas rollen das „R“ noch so richtig schön, das macht meiner nicht“, sagt er. (Weiterlesen: Hier geht es zu weiteren Stars des Video-Portals YouTube)

Woher kommt dieses weitverbreitete Bild vom ewig nörgelnden Rentner? Hendrik hat eine Vermutung: „Man wird älter, es kommt viel Neues dazu, man kommt nicht mehr mit allem mit, zum Beispiel jetzt mit den ganzen Smartphones. Das macht unzufrieden“, sagt er. Er merkt das an seiner Oma. Wenn er ihr mitteilt, dass er mit seinem Smartphone ein Foto von ihr gemacht habe, frage sie oft erstaunt: „Das geht?“

Vater hält die Kamera

Doch Oma Nitsch beweist Humor und tritt auch schon mal in den Videos ihres Enkels auf. Mittlerweile wird sie in Greven sogar auf der Straße angesprochen. Auch Hendriks Vater steht voll hinter der Comedy seines Sohnes. „Mein Vater ist der Erste, der bei Facebook auf ‚Gefällt mir‘ klickt, der findet das geil. Manchmal hält er auch die Kamera“, erzählt Hendrik. Nur seiner Mutter bleibe distanziert. Sie fände die Clips zwar lustig, doch eine richtige Meinung habe er noch nicht von ihr gehört: „Sie sagt eher: ‚Mach lieber was Vernünftiges!‘“

Auf das Vernünftigwerden muss seine Mutter noch etwas warten, denn derzeit konzentriert sich der Blondschopf ganz auf die Medienarbeit, hinter der mehr steckt, als nur lustige Videos zu drehen. Um mehr Fans zu haben, spielt der 20-Jährige auf der gesamten Web-2.0-Klaviatur. Auf der Fotoplattform Instagram postet er Bilder von sich und seinen Freunden, über den Kurzmitteilungsdienst Twitter promotet er neue Videos , die dann wiederum auf Facebook und Youtube zu sehen sind.

Doch Hendrik ist nicht nur im Netz anzutreffen, sondern immer öfter auch als Promigast in Diskotheken. Besonders gerne tritt er im „Index“ im nahe gelegenen Schüttorf auf. Mit 14 Jahren feierte er hier seine erste Party – mit gefälschtem Ausweis und einem cleveren Trick: Von der Steuermarke ihrer Zigarettenschachteln schnitten er und seine Kumpels die Zahlen aus und klebten sie auf ihre Ausweise. „Das war sehr viel Fummelarbeit, aber es klappte, weil die Zahlen auf der Schachtel optisch identisch mit den Zahlen auf den Ausweisen waren“, erinnert sich Hendrik lachend.

Privat feiern wird schwieriger

Als Jugendlicher stand er oft auf der Tanzfläche, guckte sehnsüchtig auf die große Bühne und fragte sich: „Wie schaffe ich es da oben drauf?“ Heute steht er oft oben, und rund 7000 Partygäste jubeln ihm in der 5000-Quadratmeter-Disco zu, auf einer eigens für ihn veranstalteten „Udo-Party“. Zum wirklichen Feiern kommt Hendrik heute nicht mehr dorthin. Immer wieder kommen Leute auf ihn zu, wollen Fotos und Autogramme oder einfach nur in seiner Nähe sein. „Das macht mir großen Spaß, und ich unterhalte mich gerne mit meinen Fans und mache auch gerne Fotos. Das ist kein Problem für mich“ erzählt er.

Die berufliche Präsenz auf Partys bringt es jedoch mit sich, dass auch das rein private Feiern immer schwieriger wird. Mittlerweile fast bundesweit. „Wenn ich auf Partys gehe, kommen schon oft Leute zu mir und sagen: ‚Mach doch mal den Udo!‘ Ich sage dann aber auch ganz klar, dass ich privat da bin und einfach nur feiern will“, erzählt er. Besonders skurril war die Begegnung mit einem jungen Mädchen. In einer Disco stand sie auf einmal vor ihm, fasste ihm in den Schritt und sagte: „Komm doch mal mit raus!“. Das ging Hendrik zu weit: „Das fand ich richtig krass und respektlos. Ich habe mich den ganzen Abend noch gefragt, wie man sowas machen kann.“

Keine Lust auf Youtube

Von den Werbeeinnahmen bei Youtube und seinen Partygagen kann Hendrik mittlerweile gut leben. Er genießt seinen Erfolg und seine Unabhängigkeit. Eine Zusammenarbeit mit dem jüngst durch seine dubiosen Knebelverträge in die Schlagzeilen geratenen Youtube-Netzwerk „Mediakraft Networks“ (vermarkten unter anderem die erfolgreichen Youtuber „Y-Titty“ und „Die Lochis“), kann sich der Internet-Star nicht vorstellen: „Ich würde die Rechte an allen meinen Videos verlieren und hätte den Druck, jede Woche aufwendige Videos ins Netz zu stellen. Außerdem müsste ich einen großen Teil meiner Einnahmen abgeben. Das ist ein Sauverein“, sagt Hendrik. Und auch Udo wäre davon sicher nicht begeistert.