ARD-Dokumentation zum „Medicus“ Medizin des Mittelalters: „Kräuter, Kruzifixe, Quacksalber“

Nicht sonderlich vertrauenserweckend: Der Mittelalterexperte Rory McCreadie sortiert das Operationsbesteck eines fahrenden Baders und Chirurgen. Foto: MDR/TANGRAM International GmbHNicht sonderlich vertrauenserweckend: Der Mittelalterexperte Rory McCreadie sortiert das Operationsbesteck eines fahrenden Baders und Chirurgen. Foto: MDR/TANGRAM International GmbH

Osnabrück. „Der Medicus“ ist ein Spielfilm. Die Medizin im Mittelalter beleuchtet am Dienstag die nachfolgende ARD-Dokumentation „Kräuter, Kruzifixe, Quacksalber“.

Wenn man ein Historiendrama wie den „Medicus“ sieht, fragt man sich oft: Was stimmt denn jetzt darin? War Medizin im Mittelalter wirklich so wie dort gezeigt? Die Dokumentation von Hannes Schuler hilft weiter.

Allerdings kann er in einer halben Stunde nicht wirklich in die Tiefe gehen, denn „das Mittelalter“ ist ein weiter Zeitraum, und außerdem war es nicht überall gleich. Im Wesentlichen setzt Schuler auf Informationen aus dem medizinhistorischen Museum in Berlin. Der dortige Direktor erklärt etwa, was die Vier-Säfte-Theorie war und was sie mit dem viel geliebten „Aderlass“ zu tun hat. Bei einem Besuch in Córdoba zeigt Schuler, wie viel weiter damals die islamische Medizin war und dass wir wesentliche Erkenntnisse gerade dem toleranten Islam verdanken.

Positiv zu vermerken ist, dass nur selten die Rede vom „finsteren Mittelalter“ ist, auch wenn die Ausschnitte aus dem „Medicus“ finster wirken. Ein moderner Arzt nennt die Bader unbefangen „Kollegen“, und alte Therapien wie das Aufsetzen von Blutegeln werden heute genauso (wieder) praktiziert wie klösterliche Kräuterkunde. „Die Ärzte damals haben nicht gewusst, warum etwas wirkt, aber sie haben sehr fein beobachtet, was wirkt“, sagt der „Kollege“ anerkennend. Nur unters Messer sollte man sich damals besser nicht begeben.


Kräuter, Kruzifixe, Quacksalber - ARD, Dienstag, 30. Dezember, 21.45 Uhr

Wertung: 4 von 6 Sternen


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