„Countdown zum Untergang“ ZDFinfo dokumentiert das lange Ende des Zweiten Weltkriegs



Osnabrück. Im nächsten Jahr jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 70. Mal. Den Reigen der filmischen Aufarbeitung eröffnet ZDFinfo an diesem Dienstag mit der beeindruckenden Dokumentationsreihe „Countdown zum Untergang: Das lange Ende des Zweiten Weltkrieges“, die ab August 1944 jedem Monat bis zur Potsdamer Konferenz im Juli 1945 eine dreiviertelstündige Folge widmet.

Eine historische Wegmarke zu setzen ist immer ein willkürlicher Akt – doch kaum jemand dürfte daran Anstoß nehmen, dass der Filmautor Michael Kloft den Beginn des letzten Kapitels des Zweiten Weltkriegs auf den August 1944 datiert. „Zwischen Sommer 1944 und Frühjahr 1945 sind mehr Soldaten und Zivilisten gestorben als in den fünf Kriegsjahren zuvor“, sagt Kloft.

Dass der Krieg für das Deutsche Reich nicht mehr zu gewinnen war, stand nach der Schlacht von Stalingrad fest. Doch auf dem Weg in den Abgrund eskalierten Hitler und sein Gefolge noch einige Male, zuletzt im März 1945, als der Diktator anordnete, den heranrückenden Alliierten nur ein Land mit einer völlig zerstörten Infrastruktur zu hinterlassen . Der Führer hatte sein Volk aufgegeben, nachdem er es sieben Monate zuvor noch einmal in ungeahntem Maß an die Kandare genommen hatte.

„Dieses Attentat führt zu einer massiven Verschärfung der Diktatur“, sagt der Historiker Sönke Neitzel in der ersten Folge über den August 1944. Mit „dieses Attentat“ ist natürlich der gescheiterte Bombenanschlag auf Adolf Hitler am 20. Juli gemeint.

Die Dokumentationsreihe setzt in der Betrachtung der Lage in Deutschland genau hier ein: in dem Moment, in dem es laut Historiker Neitzel „die Partei schafft, das Volk in einen eisernen Griff zu nehmen“. Wie die Nazi-Führung mit Verschwörern umgeht, zeigt der Umgang mit den Widerstandskämpfern um Claus Schenk Graf Stauffenberg. In Schauprozessen verurteilt der Volksgerichtshof mehr als 100 beteiligte Mitwisser zum Tod. Teil eins der Dokumentation lässt die personifizierte Rechtsbeugung Roland Freisler einmal mehr ausführlich zu Wort kommen, und das heißt im Fall des Volksgerichtshof-Präsidenten bekanntermaßen: brüllen.

Beeindruckend ist der Auftritt der im vergangenen Jahr verstorbenen Clarita von Trott zu Solz, deren Mann Adam zu den Verschwörern gehörte und am 15. August von Freisler zum Tod durch den Strang verurteilt wurde. Die Witwe berichtet, wie sie verzweifelt versuchte, Zugang zum Gerichtssaal zu bekommen, was ihr jedoch verwehrt wurde. „Was ich mir da eigentlich vorgestellt habe, weiß ich heute auch nicht mehr. Ich hätte meinen Mann ja nur stören und bedrücken können.“

Währenddessen bricht in Frankreich der Widerstand gegen die Invasion der Alliierten zusammen, auch in Italien marschieren die Gegner des Deutschen Reiches weiter nach Norden, und die Ostfront bricht auf der ganzen Strecke zusammen.

„Die Gleichzeitigkeit der Ereignisse in einer Monatsschau zu dokumentieren ist der Aufhänger dieser neuen Reihe“, sagt Filmautor Michael Kloft. Dem ersten Teil seiner Dokumentation gelingt dieses Anliegen gut. Überall ist Eskalation, das Deutsche Reich liegt zwar längst am Boden, doch von Kapitulation kann noch immer keine Rede sein. Hitler tut das, was er am besten kann: Er ignoriert den Ernst der Lage und brüllt dem Volk entgegen, er wolle die verkommenen Subjekte in den eigenen Reihen samt und sonders ausrotten.

Neben dem deutschen Sönke Neitzel kommt auch der bedeutende britische Militär-Historiker Antony Beevor ausführlich zu Wort, wodurch die Dokumentation natürlich gewinnt. Die Produktion von „Spiegel TV Geschichte“ unterscheidet sich wie üblich deutlich und sehr angenehm von dem Historienfernsehen Guido Knopps . Keine Überdramatisierung, keine prominenten Zeitzeugen, die nur ob ihrer Prominenz und nicht ihrer Kenntnis der Sache interviewt werden.

Wenn die weiteren Beiträge zu 70 Jahren Kriegsende auf ähnlichem Niveau produziert werden wie diese Dokumentation, dürfte sich niemand darüber beschweren, dass der Nationalsozialismus medial überrepräsentiert ist. Am Ende zählt nun einmal die Qualität.

ZDFinfo zeigt die ersten drei Teile von „Countdown zum Untergang: Das lange Ende des Zweiten Weltkrieges“ am 30. Dezember ab 21.45 Uhr. Die weiteren Filme werden ab dem 11. Februar ausgestrahlt. Alle Folgen sind nach der Ausstrahlung in der Mediathek des ZDF zu sehen.


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