Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl „Tatort“ heute aus München: „Das verkaufte Lächeln“



Osnabrück. Der „Tatort“ kommt heute aus München: „Das verkaufte Lächeln“ mit Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl ist eine der stärksten Folgen des Jahres.

Zwischen den Jahren steht den meisten Menschen der Sinn nach Ruhe, Einkehr und ein bisschen innerem Frieden. Wer diese Gefühlslage gerade in sich verspürt, sollte am Sonntag vielleicht mal auf den „Tatort“ verzichten. Denn die Münchner Folge „Das verkaufte Lächeln“ wirft einen düsteren Blick in die Abgründe des Internets und das geheime Leben mancher Jugendlicher im Netz. Wer allerdings einen der besten Krimis der letzten Monate nicht verpassen will, sollte unbedingt einschalten.

Am Ufer der Isar wird die Leiche eines erschossenen 14-Jährigen aufgefunden. Schnell ermitteln Leitmayer (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) , dass der Junge nicht etwa – wie er seinen Eltern erzählt hat – mit der Entwicklung von Smartphone-Apps ein paar Euro hinzuverdiente, sondern sich vor seiner Webcam für zahlungskräftige Pädophile auszog. Und dass er damit nicht allein war in seinem Freundeskreis.

Regisseur Andreas Senn hat das keineswegs unrealistische Buch von Holger Joos intensiv und bedrückend umgesetzt, ohne dabei reißerisch zu werden. Vor allem aber lässt er die sonst so klare Trennlinie zwischen Opfern und Tätern immer wieder verschwimmen. Das ist mutig und außergewöhnlich.

Dabei greift er auf ein starkes Ensemble zurück: Besonders beeindruckend: Maxim Mehmet in der Rolle des pädophil veranlagten Fußball-Jugendtrainers und Familienvaters Guido Buchholz. Aber auch die Assistenten der sich wie üblich zoffenden Kommissare tragen ihren Teil zum Gelingen dieses Films bei: Mehr noch als Lisa Wagner, die im Gegensatz zu ihren Auftritten als „Kommissarin Heller“ im ZDF nur als Randfigur auftaucht, spielt sich Ferdinand Hofer als Kalli Hammermann (was für ein bescheuerter Rollenname) in den Vordergrund.

Ihm bleibt auch einer der besten Sätze dieses Krimis überlassen: „Die Polizei sollte vielleicht mal neue Computer anschaffen und nicht immer nur neue Autos.“ Das gilt wohl für die Fernseh-Polizei im Allgemeinen und den Münchner „Tatort“ im Besonderen, denn auch diesmal dürfen wir wieder die jüngsten Modelle aus der weiß-blauen Autoschmiede bewundern.

Diese Randnotiz ist das Sahnehäubchen auf einem „Tatort“, der als letzter des Jahres einer der besten des Jahres ist. Und trotz aller Besinnlichkeit des Publikums eine Quote deutlich jenseits der Zehn-Millionen-Marke verdient hätte.


Tatort: Das verkaufte Lächeln - ARD, Sonntag, 28. Dezember, 20.15 Uhr

Wertung: 6 von 6 Sternen


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