Die zehn übelsten Formate Furchtbares Fernsehen: Die Flops des Jahres 2014

Johannes B. Kerner moderierte die ZDF-Shows „Deutschlands Beste!“ und damit zwei der peinlichsten Sendungen des Jahres. Foto: Caroline Seidel/dpaJohannes B. Kerner moderierte die ZDF-Shows „Deutschlands Beste!“ und damit zwei der peinlichsten Sendungen des Jahres. Foto: Caroline Seidel/dpa

Osnabrück. Fernsehen kann so furchtbar sein – und hier kommt der Beweis: Unsere Redaktion präsentiert die zehn schlechtesten und erfolglosesten TV-Formate des zurückliegenden Fernsehjahres in alphabetischer Reihenfolge.

Adam sucht Eva – Gestrandet im Paradies (RTL) : Weil RTL nicht genügend Kandidaten für seine Nackt-Dating-Show fand, inserierte der Sender schließlich in Nudisten-Zeitschriften. Diese Information war dann auch schon das Vergnüglichste an dem Format, bei dem sich nackige Singles auf einer Insel kennenlernten. Der Tiefpunkt war beim finalen – bekleideten – Treffen in der ersten Folge erreicht, als Kandidat Thomas zu Kandidatin Ricarda in Endlosschleife sagte: „Wow, sexy, sexy!“ Nach sechs Folgen war Schluss, Fortsetzung ausgeschlossen.

Deutschlands Beste! (ZDF): Franz Beckenbauer auf Platz 31? A geh, nehmt’s den Kaiser auf die 9. Und Claus Kleber bitte von 39 auf 28, die sind doch beide in der Show zu Gast. Was, Helene Fischer nur auf der 10? Fünf Plätze nach vorne, die hat bei uns eine eigene Show! Und dass bloß niemand erfährt, dass wir die „Böhsen Onkelz“ damals von Platz 1 auf Platz 25 geschoben haben und in unseren Ranking-Shows eh nur Schmu machen. Wie bitte, das wissen schon alle?

Die Millionärswahl (ProSiebenSat.1): Ein Haufen Kandidaten präsentierte sich dem Fernsehpublikum, das einen von ihnen zum Millionär wählen durfte. Blöd nur, dass die Stimmen der Zuschauer weniger Gewicht hatten als die der Kandidaten, die auch mitstimmen konnten. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb: „Riesengroße Verarsche am Zuschauer“. Da niemand die Show guckte, versendete ProSiebenSat.1 das Finale im Internet.

Die Toten von Hameln (ZDF): Die wundervolle Julia Koschitz muss als psychotische Chorleiterin dauernd durch den Wald stolpern, sich im Wald übergeben und sich mitten im Wald eine Beruhigungsspritze in den Oberarm rammen lassen. Überall liegen Organe herum, die Dorf-Irre transportiert sogar blutige Innereien in der Handtasche. Der Plot ist voll von historischen
Fehlern, der mittlerweile
verstorbene Historiker Hans-Ulrich Wehler erklärte gegenüber unserer Redaktion, die Drehbuchautorinnen Christiane und Annette Hess würden „Mist erzählen“. 4,7 Millionen Zuschauer sahen einen ganz, ganz schlimmen Film.

Ein Fall fürs All (ZDF): Ein Auszug aus dem ZDF-Pressetext: „Sternzeit 2014: Die Kabarettisten Urban Priol und Alfons haben genug vom politischen Chaos auf der Erde und flüchten auf der Suche nach einer besseren Welt mit ihrem selbst gebauten Raumschiff in die unendlichen Weiten des Orbits. Nur einmal pro Monat kommen sie zu einer satirischen Stippvisite auf der Erde für einen 45-minütigen Aufenthalt vorbei.“ Und das ist genau einmal zu viel, denn die Sendung ist sogar noch blöder als der Pressetext.

Quizduell (ARD): So sah es aus, als die ARD versuchte, eine erfolgreiche Ratespiel-App ins Fernsehen zu bringen: Die Technik versagte völlig, und wegen eines Datenlecks war es möglich, Informationen der für das TV-Spiel registrierten Nutzer auszulesen. Jörg Pilawa improvisierte ordentlich, dafür hatte er im Januar beim Vortrag der Poetry-Slammerin Julia Engelmann in der NDR Talkshow mal wieder Wasser in den Augen. Das letzte Mal geheult hatte er 2010 bei der finalen Ausgabe seiner ARD-„Quiz-Show“, das vorletzte Mal 2005 bei Beckmann, als er beichtete: „Ich habe meinen todkranken Vater belogen.“ Kommentar Jan Böhmermann: „Immer, wenn Jörg Pilawa weint , stirbt irgendwo eine Rügenwalder Teewurst.“

Rising Star (RTL): Mit riesigem Getöse gestartet und dann vorzeitig aus dem Programm genommen: „Rising Star“ verglühte schneller als ein Streichholz im Sturm. Weil die Casting-Show derart belanglos war, können wir uns kaum noch an sie erinnern. Die Bruchstücke: Irgendein Rainer Maria hat moderiert, der moppelige Sasha und die ständig kreischende Anastacia waren auch dabei, die Zuschauer konnten per App abstimmen – ach ja, und in einer Show kritisierten mehrere Kandidaten, dass RTL ihnen vorgeschrieben hatte, was sie singen sollten. Stellvertretend für diese Kandidaten widmen wir nun RTL einen Song: „Danke für nichts“ von den Böhsen Onkelz. An dieser Stelle auch schöne Grüße an das ZDF!

Themenwoche Toleranz (ARD): Die ARD fragte auf einem Plakat, das zwei küssende Männer zeigte: „Normal oder nicht normal?“ – und bekam dafür den verdienten Shitstorm. Themenwochen-Botschafter Jan Delay hält das Anzünden von Autos für ein legitimes politisches Mittel, der Themenwochen-Hauptfilm „Das Ende der Geduld“ schürte Ausländerfeindlichkeit, und der Abschlussfilm „Die Sache mit der Wahrheit“ war voller Schwulen-Klischees. Wäre es überhaupt möglich gewesen, noch mehr falsch zu machen?

Wetten dass..? (ZDF): 2014 von Konkursverwalter Markus Lanz endgültig in die Bedeutungslosigkeit moderiert und schließlich zum Wohle aller eingestellt.

WM-Club (ARD): Ahnungslose Gäste wie Jan Delay und Mareile Höppner beantworteten Fragen über Fußball, Arnd Zeigler war ausnahmsweise überhaupt nicht witzig, die junge Mutter Julia Scharf musste für belanglose Ein-Minuten-Auftritte von München nach Berlin reisen, und über WM-Club-Hauptmoderator Alexander Bommes sagte Harald Schmidt im SWR: „Die ARD hat jetzt eben Bimmel und Bommes.“


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