Loriots würdiger Nachfolger? Olli Dittrich hat neue Stire-Show:„Das TalkGespräch“

Fünfmal Olli Dittrich und einmal Cordula Stratmann: Nach dem „Frühstücksfernsehen“, seiner Persiflage der TV-Morgenprogramme, nimmt sich Dittrich jetzt die abendlichen Plauderstunden im deutschen Fernsehen vor. Foto: WDR/Beba Franziska LindhorstFünfmal Olli Dittrich und einmal Cordula Stratmann: Nach dem „Frühstücksfernsehen“, seiner Persiflage der TV-Morgenprogramme, nimmt sich Dittrich jetzt die abendlichen Plauderstunden im deutschen Fernsehen vor. Foto: WDR/Beba Franziska Lindhorst

Osnabrück. Auch wenn es viele Journalisten herbeischreiben wollen: Olli Dittrich wird nicht mehr der nächste Loriot. Seine Fernseh-Satire „Das TalkGespräch“ ist wie der Vorgänger „Frühstücksfernsehen“ ganz nett, aber weitgehend belanglos. In der Rolle eines Tierfilmers allerdings erreicht Dittrich das Niveau des Meisters.

Selbst zoologischen Laien muss man nicht mehr erklären, was eine Steinlaus ist und dass das geschlechtsreife Männchen einen Tagesbedarf von 28 Kilo Beton und Ziegelsteinen hat. Das genaue Gegenteil in Sachen Futterverwertung ist ein seltener Unpaarhufer, der in der Arktis-Region lebt. „Das Polar-Zebra verleibt sich innerhalb weniger Tage rund 300 Fische ein. Dann verdaut es eben bis zum nächsten April, und dann hat es erst wieder Hunger“, sagt Andreas Baesecke.

Der Tierfilmer, der aussieht wie Mick Hucknall im Outfit eines deutschen Sozialarbeiters, hat das Polar-Zebra vor Kurzem im ewigen Eis aufgespürt. Und das, obwohl das Tier praktisch unsichtbar ist. „Es hat nur weiße Streifen. Und im arktischen Winter, wenn es monatelang dunkel ist, hat es nur schwarze Streifen.“

Wer da nicht nur an Loriot denkt, sondern auch an Otto und die ostfriesische Nationalflagge (weißer Adler auf weißem Grund), liegt genau richtig. Und wer sich anschaut, wie Olli Dittrich als staubtrockener Tierfilmer diese Gags rüberbringt, liegt vor Lachen fast am Boden. Was für ein herrlicher Quatsch, was für eine gelungene Verneigung vor Loriots Grzimek-Parodie.

Spätestens seit dem großartigen, gemeinsam mit Anke Engelke improvisierten „Blind Date“ steht Olli Dittrich unter Genieverdacht. Es gibt hierzulande nur noch einen anderen Komödianten, der so hinter einer Rolle verschwindet und auf derart komische Weise Typen zum Leben erweckt, die wir alle irgendwie zu kennen glauben: Hape Kerkeling. Der allerdings macht seinen Job so gut und schon so lange, dass niemand auf die Idee käme, für ihn noch einen Vergleich zu suchen. Hape Kerkeling ist längst selbst ein Klassiker.

Olli Dittrich aber steht trotz aller Erfolge noch immer auf der Warteliste, sonst würden nicht ständig Journalisten versuchen, ihn in den Olymp zu schreiben. Stefan Kuzmany von „Spiegel Online“ etwa orakelte: „Es ist keine anmaßende Prognose, dass man sich das dann hoffentlich in vielen Folgen fortgesetzte ,Frühstücksfernsehen‘ in einigen Jahren so ansehen wird wie heute Loriots gesammelte TV-Sketche.“

Keine anmaßende Prognose? Völlig zu Recht wurde die Sendung nicht fortgesetzt. Und schon heute, ein Jahr nach Dittrichs Parodie der TV-Morgenmagazine, redet kein Mensch mehr darüber. Würde eine „Frühstücksfernsehen“-Figur wie der sächselnde Korrespondent Sandro Zahlemann nicht als Gast im „TalkGespräch“ wieder auftauchen, hätte ihn auch niemand vermisst. Dasselbe Schicksal wird die Gestalten ereilen, die Olli Dittrich jetzt für seine Talkshow-Satire erfunden hat.

Filmdiva Trixie Dörfel zum Beispiel, eine Parodie von Christine Neubauer oder auch Uschi Glas, die mit Wiener Dialekt erzählt, Regisseur Leander Haußmann habe sich für sie begeistert, nachdem er Folge 521 ihrer Serie „Klinikparadies“ gesehen habe. „Da rette ich einen traumatisierten Senegalesen, der aus einem Feldlazarett zu uns kommt.“ Das reicht nicht zum Lachen, aber zum Schmunzeln.

Wenn dann allerdings eine sogenannte Bauchbinde mit der Aufschrift „,Schauspielerin des Monats Mai 1974“ eingeblendet wird, muss man sagen, dass es Olli Dittrich mal wieder zu weit getrieben hat. Dass in deutschen Talkshows lächerlicher Personenkult betrieben wird, dass viele Stars überhaupt nur noch dort Stars sein dürfen, kann man komödiantisch tausendmal besser erzählen. Der Grat zwischen herrlicher Absurdität und banalem Blödsinn ist sehr schmal. Um wirklich als „Loriots würdiger Nachfolger“ (Zitat NDR) zu gelten, dürfte Olli Dittrich nicht ganz so oft dem Pennälerhumor verfallen.

Davon abgesehen bräuchte er dringend eine andere Partnerin. Seine Evelyn Hamann – man mag die beiden Namen gar nicht so eng beieinander sehen, auch deshalb diese Parenthese – ist wie beim „Frühstücksfernsehen“ wieder Cordula Stratmann. Die spielt als Talkshow-Moderatorin Simone Rabe wie üblich nur sich selbst, und das wie üblich nicht besonders gut.

Olli Dittrich hat unglaublich viel für den deutschen Fernseh-Humor geleistet, und allein für das Polar-Zebra kann er gerne den nächsten Grimme-Preis einstreichen. Aber Vicco von Bülow war das, was die Amerikaner „larger than life“ nennen würden („überlebensgroß“ trifft es nicht ganz). Ständig mit jemandem verglichen zu werden, der schon zu Lebzeiten eine Legende war, hat niemand verdient. Olli Dittrich erst recht nicht.

Das TalkGespräch
läuft am 27. Dezember
um 23.15 Uhr in der ARD.


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