Alle Jahre wieder Die große Märchenflut im Weihnachtsprogramm von ARD und ZDF



Osnabrück. Die Weihnachtszeit steht für Ruhe und Entschleunigung – Zeit für Geschichten, Zeit für Märchen in der warmen Stube. Wie in den vergangenen Jahren zeigen ARD und ZDF zahlreiche Verfilmungen für Kinder und Erwachsene an den Feiertagen.

„Sechs auf einen Streich“ heißt die ARD-Märchenreihe, in der seit 2008 bis dato 30 Filme ausgestrahlt wurden – allesamt Neuinterpretationen bekannter Stoffe. In diesem Jahr kommen vier weitere Verfilmungen dazu, die die Märchen modern umsetzen. Den „Premierenanfang“ macht am ersten Weihnachtstag mit „Siebenschön“ ein Märchen von Ludwig Bechstein, einem deutschen Schriftsteller, Bibliothekar, Archivar und Apotheker des 19. Jahrhunderts, der durch die von ihm herausgegebene Sammlung deutscher Volksmärchen bekannt wurde.

Esther Schweins, die die Rolle der Nonne Genoveva spielt, fasst die Geschichte um die kluge wie hübsche Bauernmagd Siebenschön (Xenia Assenza), in der knackigen Moral zusammen, „dass äußere Schönheit und Symmetrie die Frau an ihrem wahren Dasein, dem Ausschöpfen ihrer Möglichkeiten, hindern können“. Eine zeitlose Erkenntnis. Köstlich im Übrigen die Darstellung des Königs Johann durch Gustav Peter Wöhler.

Mit fast punkigen Frisuren kommen die Helden aus „Sechse kommen durch die ganze Welt“ daher, einem Märchen aus der Sammlung der Gebrüder Grimm, in dem der vom Bodensee-„Tatort“ bekannte Sebastian Bezzel einen exzentrischen König gibt. Am zweiten Weihnachtstag feiert mit „Die drei Federn“ ein weiteres Grimm’sches Märchen Fernsehpremiere, in dem drei Brüder schwierige Aufgaben bewältigen müssen. Nur einer kann dabei das Reich ihres Vaters (Sky du Mont) erlangen. Ob es der jüngste Bruder sein wird, den alle „Dummling“ rufen?

„Angst ist das, was du aus ihr machst.“ So lautet die Moral der vierten Premiere. Das eher dunkle Gebrüder-Grimm-Märchen „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ sollten kleinere Kinder vielleicht aber doch lieber mit Mama und Papa schauen. Mit „Frau Holle“, „Aschenputtel“, „Dornröschen“ und „Rapunzel“ bietet die ARD an Weihnachten vier sehenswerte Wiederholungen aus ihrer Märchenreihe. Wie in den anderen Adaptionen ist auch hier die moderate Modernisierung der Märchen stimmig. Darüber hinaus sind die Filme durch die Bank mit hochkarätigen deutschen Schauspielern besetzt, doch auch der „Nachwuchs“ kann sich in der „Sechs auf einen Streich“-Reihe profilieren.

Mit derart aufwendig Eigenproduziertem können die Kollegen vom ZDF nicht aufwarten. Bei den „Mainzelmännchen“ stehen „nur“ vier Märchen an den Weihnachtstagen im Programm. Neben einem deutsch-tschechischem „Schneewittchen“ und einem österreichischen „Rumpelstilzchen“ wird der norwegische Film „Die Legende vom Weihnachtsstern“ gezeigt, der laut ZDF „mit überwältigenden Landschaften, opulenter Ausstattung und berührenden Begegnungen bezaubert“.

Highlight des Programms dürfte aber die Verfilmung des berühmten Märchens „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen werden. Gedreht im winterlichen Finnland und im sommerlichen Deutschland, ist „eine Reise durch die Jahreszeiten in prächtigen Bildern voller visueller Kontraste entstanden“, den ein Kritiker vorab als „Glanzlicht unter den Märchenfilmen“ einordnete.

Kein Märchen, aber eine bekannte Schelmengeschichte feiert in zwei Teilen an den Weihnachtstagen in der ARD Premiere. „Till Eulenspiegel“ von Regisseur Christian Theede ist die gelungene filmische Umsetzung der bekannten Späße dieser historischen Figur. Ein Fernsehtipp für die ganze Familie. Ebenso sehenswert ist im ZDF „Das kleine Gespenst“ nach dem Kinderbuchklassiker von Ottfried Preussler.

Und wem das alles nicht genug ist: In irgendeinem Dritten läuft bestimmt noch mal das geniale „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ . Allen anderen sei empfohlen, sich im Kreise der Familie doch einfach einmal gegenseitig Märchen zu erzählen. Wann, wenn nicht an Weihnachten, ist dazu sonst schon einmal Zeit! Denn wie sagt Volker Herres, Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens, so trefflich: „Es ist eben ein hartnäckiges Missverständnis, dass Märchen nur für Kinder gemacht seien.“


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