Patchwork contra perfekte Familie Längst fällig, aber zu harmlos: „Bloß kein Stress“ im ZDF



Osnabrück. Der Spielfilm „Bloß kein Stress“, am 23.12. um 20.15 Uhr im ZDF, thematisiert auf tragikomische Weise den elterlichen Frühförderwahn. (Ursprünglicher Sendetermin 22.12.2014, aufgrund der Wiederholung es 80. Geburtstag nach dem Tod von Udo Jürgens verschoben.)

Patchwork – macht ja nichts.“ Mit diesen wenig warmen Worten empfangen die neuen Nachbarn Familie Heller in ihrer Doppelhaushälfte. Bei den Trimmborns ist einfach alles so perfekt, dass es schon nervt.

Rike Schmid und Oliver Wnuk balancieren als rundum durchgestyltes Paar gekonnt auf dem Grat zwischen Karikatur und Fanatismus. Schon bald treiben die Trimmborns die sympathisch-normalen Hellers in den Wahnsinn.

Lars Jessen liefert mit „Bloß kein Stress“ den längst fälligen Film zum krankhaften Perfektionismus und Frühförderwahn überbesorgter Mittelklasse-Eltern. Die Fördereinrichtung, in die auch Eva Heller (klasse: Katharina Wackernagel ) ihre Kinder geben will, um dazuzugehören, ist ein herrliches Zerrbild einer Pädagogik, die elterliche Abstiegsängste auf die Kinder projizieren hilft und damit gutes Geld verdient.

Leider kann sich Jessens Film nicht entscheiden, ob er nun eine bissige Sozialsatire oder eine schmusige Familienschnulze sein möchte, und verharrt auf halbem Wege zwischen beidem. Das Ergebnis hat viele lustige und nachdenkliche Momente, ist aber unterm Strich zu harmlos, um wirklich haften zu bleiben. Etwas mehr Stress hätte der Inszenierung hier womöglich gutgetan.


Bloß kein Stress - ZDF, Montag, 22. Dezember, 20.15 Uhr

Wertung: 4 von 6 Sternen


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