„Wetten, dass...?“ Finale aus Nürnberg „Wetten, dass...?“: Markus Lanz weint nach dem Ende

Von Mark Otten


Osnabrück. „Wetten, dass...?“ ist Geschichte. Das Finale des einstigen Gassenfegers nimmt jedoch nur selten Fahrt auf, die große, emotionale Abschiedsfeier bleibt aus. Am Ende kommen Markus Lanz trotzdem die Tränen.

Streicher, Pathos, Kitsch, stehende Ovationen, dazu Großaufnahmen und eine emotionale Rede des Moderators. So hatte sich Thomas Gottschalk am 3. Dezember 2011 in Friedrichshafen von „Wetten, dass“ und seinem Publikum verabschiedet. Vielleicht wusste Markus Lanz, dass er das nicht kann – und das Publikum auch nach zwei Jahren nicht zu seinem Publikum geworden war. Am Samstag spricht der Moderator lediglich ein paar Abschiedsfloskeln in die Kamera und überlässt den Abschluss der Gruppe „Unheilig“ mit ihrem Lied „Zeit zu gehen“. Darin heißt es beeindruckend oberflächlich, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist. Dafür war es bei „Wetten, dass“ eh zu spät. Das wird auch am Samstag wieder deutlich.  (Hier finden Sie den Liveticker zum Nachlesen.)

Der Plan war gut...

Dabei hatte sich das Team hinter der Show alles gut durchdacht: Vier gute Wetten, samt spektakulärer Außenwette - für die Erinnerung an die guten, alten Zeiten der Show. Dazu immer wieder Einspieler mit Rückblicken und Skurrilitäten - zum Schmunzeln und für die Melancholie. Und als Krönung berichten die prominenten Gäste, wie sie als Kinder mit Knabberkram und der Familie vor dem Fernseher saßen und „Wetten, dass“ geguckt haben – ganz so, wie die Millionen normaler Bürger. Soweit der Rahmen für das große Finale. Doch es sind die Details, die diesen Plan Scheiten lassen. Denn wenn jeder Gast vergleichbare Geschichten aus der Abteilung „Weißt du noch damals?“ erzählt, wird es schnell langweilig. Dazu verdeutlicht der Blick auf das Sofa und die Gäste, dass „Wetten, dass“ seine besten Tage hinter sich hat. (Weitelesen: Es war kein guter Abschied – Kommentar zur letzten Ausgabe von „Wetten, dass ..?“.)

Klasse außer Rand und Band

Gaben sich vor Jahren noch die Hollywood-Stars die Klinke in die Hand, verlässt beim Finale sogar der Ex-Skirennfahrer Hermann Maier das Studio vorzeitig. Grund? Unbekannt. Überhaupt herrscht unter den Gästen eine Stimmung wie am letzten Schultag vor den Ferien. Alle sind da, obwohl es um nichts mehr geht. Und alle warten auf den erlösenden Gong. Die Schauspieler Wotan Wilke Möhring und Jan Josef Liefers verulken einen enorm angespannten Wettkandidaten, der Buchstaben zählt, Elton sagt dem Kinderkandidaten Paul ziemlich platt den Namen eines Hundes vor, den der 7-Jährige anhand ihrer Schlecktechnik („Leckt zart“ oder „Leckt wild“) erkennen soll. Das interessiert an diesem Abend niemanden. Die Lausbuben Otto Waalkes und Michael „Bully“ Herbig stacheln mit ihrem Lied „Arrivederci Lanz, das war dein letzter Tanz!“ dann noch das komplette Klassenzimmer an – denn das Publikum singt und klatscht eifrig mit. Nein, es ist wirklich nicht Markus Lanz’ Publikum. Und vermutlich ist auch das ein Grund, warum ihm nach dem Abspann die Tränen gekommen sind. (Weiterlesen: 10 ungelöste Probleme nach dem Aus von „Wetten, dass ..?“)

Debakel mit Samuel Koch

Zuvor erlebt der Moderator beim wohl spannendsten Gast des Abends ein Debakel. Vor vier Jahren war Samuel Koch bei „Wetten, dass“ schwer verunglückt und ist seitdem querschnittsgelähmt. Mit seinem schwarzen Humor sorgt der 26-Jähringe gleich zu Beginn für ungläubige Gesichter: „Beim letzten Mal bin ich verfrüht gegangen. Ich hatte einen steifen Hals und wollte mich bei allen Leuten vernünftig verabschieden“, begründet er seinen Besuch beim Finale. Doch statt sich über den lebensmutigen, schlagfertigen Schauspieler zu freuen, der Koch ist, reduziert Lanz ihn mit besorgten und bemitleidenden Fragen auf das Unfallopfer. Chance vertan.

Melancholie? Fehlanzeige.

Nach drei Stunden und 50 Minuten ist die 215. und letzte Sendung von „Wetten, dass“ vorbei. Alle Wetten wurden gewonnen, der letzte Wettkönig ist ein Parkhaus schneller hochgeklettert als der aktuelle Rallye-Weltmeister es im Auto hochfahren konnte. Goldkonfettiregen. Statt eines: „Wir sehen uns im Januar wieder, dann aus Erfurt“, verabschiedet sich Lanz kurz. Der misslungene Abschluss durch „Unheilig“ erstickt jeden Anflug von Melancholie. Selbst beim Finale. Wieder einmal verfestigt sich der Eindruck, dass dieses Format nicht mehr zeitgemäß ist. Aber das kann sich ja in Zukunft wieder ändern – siehe „Dalli Dalli“. Die Versuchung, den erst mal verbuddelten Showtanker später noch mal auszugraben, wird sicherlich kommen.


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