Oft war er der Mörder Florian Bartholomäi: Mit 27 der elfte „Tatort“-Auftritt

Von David Sarkar

Schon zum elften Mal ist Florian Bartholomäi (rechts) am 26. Dezember in einem „Tatort“ zu sehen. In „Weihnachtsgeld“ ermittelt Hauptkommissar Stellbrink (Devid Striesow). Foto: SRSchon zum elften Mal ist Florian Bartholomäi (rechts) am 26. Dezember in einem „Tatort“ zu sehen. In „Weihnachtsgeld“ ermittelt Hauptkommissar Stellbrink (Devid Striesow). Foto: SR

Berlin. Florian Bartholomäi hat mit seinen 27 Jahren schon viel gespielt. Einen jugendlichen Skinhead im Kinofilm „Kombat 16“, etliche Mörder im „Tatort“ und ein ungleiches Zwillingspaar in der ARD-Reihe „Bloch“. Der Berliner schätzt die Abwechslung und das Publikum sein großes Talent.

Junge Menschen, die für ein Jahr ins Ausland gehen, entscheiden sich häufig für Länder wie Australien oder die USA. Nicht so Florian Bartholomäi . Den 27-jährigen Wahl-Berliner zog es vor zwei Jahren für ein Jahr in die serbische Hauptstadt Belgrad. „Ich wollte auf diesem Weg ein Auslandsjahr nachholen, was viele aus meiner Generation während ihres Studiums machen“, sagt er. Florian wollte das vom Balkankonflikt und dem Kosovokrieg gebeutelte Land verstehen. „Was macht das mit den Menschen?“, fragte er sich und viele Serben.

Sie erzählten ihm von verlorenen Träumen, von Nächten im Luftschutzbunker, von dem Wunsch nach Frieden und der Pflicht weiterzumachen. Doch aus all dem Moll kam auch manches Dur: „Ich habe das Land und die Menschen sehr lieb gewonnen – vor allem ihren schwarzen Humor, die Lebensfreude und ihre Gastfreundschaft.“ Ihm wurde jedoch auch bewusst, dass Serbien noch viel Arbeit vor sich hat: „Sei es Fortschritt oder Toleranz, zum Beispiel gegenüber Homosexualität, wo man hört, dass immer noch Leute zusammengeschlagen werden.“

Das me-Café in Berlin-Mitte. Florian sitzt auf einem Sofa und trinkt Milchkaffee. Er trägt einen schwarzen Cardigan und einen Fünf-Tage-Bart, der den jungenhaften Ausdruck in seinem Gesicht allerdings nicht mindert. 16 Jahre war er alt, als er 2003 für das Jugendrama „Kombat 16“ entdeckt wurde. Da lebte er noch in Frankfurt am Main und bekam von seinem Taekwondo-Trainer einen Flyer für ein Casting in die Hand gedrückt.

Gesucht wurde Georg Beerbaum, ein jugendlicher Kampfsportler, der sich für den hessischen Landesmeistertitel qualifiziert, durch einen Umzug von Frankfurt am Main nach Frankfurt/Oder jedoch von seinem Traum Abschied nehmen muss. Georg verliert sein Gleichgewicht und driftet in die rechtsradikale Szene ab. Florian kann nachempfinden, was Georg fühlt: „Er will kämpfen und darf es nicht. Ich konnte das verstehen, denn genau zu dieser Zeit wurde ich durch eine Verletzung für drei Monate aus einer Wettkampfphase herausgerissen.“

„Kombat 16“ ist kein schöner Film. Er zeigt rohe und harte Gewalt inmitten der Trostlosigkeit eines Plattenbaus. Doch es gibt auch Momente der Freundschaft zwischen Georg und dem gleichaltrigen Thomas (Ludwig Trepte). Florian findet es gut, dass der Film Gewalt als das zeigt, was sie ist –„nämlich widerlich“. Gerade Jugendliche seien durch das Internet an Gewalt gewöhnt, aber ihre Konsequenz werde selten gezeigt. Er erinnert sich an Vorführungen, bei denen Skinheads im Publikum saßen. Zu Beginn noch euphorisch mitgrölend, seien sie zum Ende hin immer stiller geworden: „Die waren durch den Wind, weil sie gesehen haben, was Gewalt eigentlich bedeutet.“

Durch „Kombat 16“ beginnt Florian das Spielen zu lieben und darf 2007 im Kinofilm „Reine Geschmackssache“ als homosexueller Sohn eines Handelsvertreters (Edgar Selge) erneut sein großes Talent zeigen. Dafür gibt es den Max-Ophüls-Preis als „Bester Nachwuchsdarsteller“.

Zum großen Glücksfall wird für ihn 2009 eine Doppelrolle in der ARD-Filmreihe „Bloch“ mit dem 2013 verstorbenen Dieter Pfaff. In der Folge „Schattenkind“ verkörpert Florian nicht nur den an Leberkrebs erkrankten Lukas, sondern auch seinen dominanten Zwillingsbruder Lasse, der das Leben seines Bruders als möglicher Spender in der Hand hat. „Das war eine große Herausforderung, diese beiden völlig unterschiedlichen Rollen zu spielen. Das war für den Kopf ganz komisch“, erinnert sich der 27-Jährige, der den Film durch sein intensives Spiel zum TV-Highlight machte. Das sah auch die Filmwelt so und verlieh dem damals 22-Jährigen nicht nur den New Faces Award, sondern auch den Deutschen Fernsehpreis sowie den Hessischen Fernsehpreis.

Eine besondere Verbundenheit besitzt Florian zur ARD-Krimireihe „Tatort“. Wenn am zweiten Weihnachtstag der Saarbrücker „Tatort: Weihnachtsgeld“ ausgestrahlt wird, war er insgesamt elfmal dabei – meistens als Mörder. Im Leipziger Tatort „Freischwimmer“ ertränkte er 2005 einen Jungen im Schwimmbad und drei Jahre später in Konstanz im Film „Herz aus Eis“ einen Mitschüler im See. In „Hilflos“ (2010) schubste er einen Jugendlichen von einem Saarbrücker Parkhaus und erwürgte im gleichen Jahr in „Die Unsichtbare“ in Stuttgart seine eigene Mutter.

Jüngst bewies er im Berliner Tatort „Vielleicht“ , dem letzten Fall von Felix Stark (Boris Aljinovic), als Freund eines Mordopfers jedoch, dass er im „Tatort“ auch sensible Rollen spielen darf. „Ich habe wirklich keine Ahnung, weshalb ich schon so oft dabei war“, sagt Florian. Vor allem sei er jedoch froh: „Mal bin ich der Täter, mal nicht, aber immer sind es interessante Rollen.“

Florian sieht den Beruf des Schauspielers „als Beruf eines Wandernden“, der durch verschiedenste Filme wandert und Erfahrungen sammelt – und sich nicht scheut, auch neue Wege zu gehen. Seine Rolle als Zeitreisender Paul de Villiers in der „Liebe geht durch alle Zeiten“-Trilogie war so einer. Nach dem Erfolg mit „Rubinrot“ kam im August mit „Saphirblau“ der zweite Teil ins Kino und begeisterte über 500000 Zuschauer. Es habe ihn gereizt nach all den Dramen, mal eine ganz andere Zielgruppe anzusprechen. Die Reaktionen überwältigten ihn: „Wie die Jugendlichen diese Filme gefeiert haben, war einfach unglaublich.“

Alle Folgen der Serie „Morgen ein Star?“ gibt es hier:


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN