Mit Barbara Schöneberger Hape Kerkeling: Keine Geburtstagsshow: Leider eher mau

Von Daniel Benedict


Osnabrück. Das ZDF feiert Hape Kerkelings 50. Geburtstag vor und sendet – „Keine Geburtstagsshow“. Umrahmt von einem gigantischen Gala-Sketch, plaudert Kerkeling aus dem Nähkästchen, trifft alte Weggefährten und erinnert an legendäre Nummern aus seinem Programm – von Beatrix bis Hurz.

Schade, dass Hape Kerkeling als Kind nicht die Rolle von Dicki Hoppenstedt gekriegt hat. Angeblich hat er für den Part in Loriots Weihnachtsgeschichte vorgesprochen. Wäre er damals wirklich zu Dicki geworden, dann hätte sich zum 50. Geburtstag am 9. Dezember ein Kreis geschlossen. So wirkt die Idee ein bisschen geklaut, nach der das ZDF am Wochenende den 60-Minüter „Hape Kerkeling: Keine Geburtstagsshow“ zeigt. Mit sich selbst in fast allen Rollen lässt Kerkeling in diesem Mammutsketch seine in Wahrheit nie geplante Geburtstagsgala scheitern – genau wie damals Loriot.

Kerkelings Rollen

Und so geht die Geschichte diesmal: Mitten aus den Proben zur opulenten Gala im Friedrichstadtpalast ruft Barbara Schöneberger Hape Kerkeling an – um ihn diskret zu seiner öffentlichen Überraschungsparty zu lotsen. Der Jubilar lässt alles an sich abprallen und verweigert jeden Rummel um seine Person. Für Schöneberger ist das nur ein Problem unter vielen, denn hinter den Kulissen bahnt sich eine Katastrophe nach der anderen an: Der Gala-Regisseur (Kerkeling) beleidigt die Moderatorin, eine Klatschjournalistin (Kerkeling als „Bunte“-Chefin Riekel) will intime Interviews erschleichen. Und Kerkelings Proll-Manager (Kerkeling) will nicht nur einen tschechischen Energy-Drink in der Show lancieren, sondern auch die Dschungelkönige Costa Cordalis und Joey Heindle.

Die Nähe zum RTL-Trash ist kein Zufall. Für das Drehbuch zeichnet Micky Beisenherz verantwortlich, der auch die Gags für „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ schreibt. In einer Szene tritt er selbst als genervter Produktionsmitarbeiter auf.

Trotzdem ist die Mitwirkung der Dschungelstars mehr als nur eine Anspielung in eigener Sache. In nichts konzentriert sich das gespaltene Verhältnis der Deutschen zum Fernsehen so wie in der quotenstärksten aller Trash-Shows. Dass Kerkeling Heindle und Cordalis nun in seinem eigenen Geburtstagsformat umarmt, hat einen gewissen Symbolwert. Kerkeling ist die Hassliebe zum Medium fremd. In den Interviews mit Gero von Böhm, die das fiktive Gala-Geschehen von „Keine Geburtstagsshow“ unterbrechen, sagt er selbst, was ihn zum Fernsehen gebracht hat: Bewunderung für die Unterhaltungsshows der 70er-Jahre mit Peter Frankenfeld und Hans Rosenthal.

Kerkeling liebt die Fernsehunterhaltung. Berührungsängste mit den Privaten hat er nicht – von „Darüber lacht die Welt“ bis „Let’s Dance“ arbeitet er immer wieder mit Sat1 und RTL zusammen. Und mit der Schlager-CD „Ich lasse mir das Singen nicht verbieten“ formulierte er im Frühjahr ein programmatisches Bekenntnis zur Freude am Trivialen.

Hier unterscheidet sich Kerkeling von Loriot: Dessen Arbeit im Fernsehen begleitet immer eine ironische Distanz zum eigenen Medium. Wenn Kerkeling sich zurückzieht und sich Auszeiten nimmt, dann nicht aus intellektuellen, sondern aus persönlichen Gründen. Seine Parodie der Burda-Chefredakteurin ist genau wie seine Kunstfigur Horst Schlämmer ein Plädoyer gegen die Distanzlosigkeit der Branche.

Gemeinsam ist Kerkeling mit Loriot die Wirkung beim Publikum. Obwohl die Deutschen seit Jahrzehnten immer mehr Stunden täglich vorm Fernseher sitzen, bleibt dem Publikum eine mitunter herablassende Skepsis gegen das, was auf dem Bildschirm passiert. Wenn Kerkeling Fernsehen macht, dann schwinden wie bei Loriots Klassikern die bildungsbürgerlichen Vorbehalte.

Kerkeling hat Herz

Das hat gewiss auch mit der Liebe und Zugewandtheit zu tun, mit der Hape Kerkeling arbeitet. In den seichteren Personality-Passagen von „Keine Geburtstagshow“ sieht man ihn im Gespräch mit älteren Damen aus seiner Verwandtschaft, mit seiner Klassenlehrerin und ehemaligen Freunden aus dem Jugendtheater. Die zugewandte Herzlichkeit, die Kerkeling in solchen Situationen zeigt, prägt auch seinen Humor. Egal, wie bissig er parodiert. Am Ende soll sich keiner schlecht fühlen.

Auch das trägt dazu bei, dass man seine eigenen Klassiker in dem Geburtstagsfilm so gerne wiedersieht: die Königin Beatrix, den Hurz-Auftritt und seinen allerersten Gag im „Talentschuppen“.

„Hape Kerkeling: Keine Geburtstagsshow“. ZDFneo, Samstag, 20.15 Uhr, ZDF, Sonntag, 22 Uhr.