WDR-Film von Carolin Appelbaum Einbruchsopfer: Osnabrückerin drehte für „Menschen hautnah“

Von Frank Jürgens


Osnabrück. Die Osnabrücker Autorin Carolin Appelbaum beschäftigt sich in ihrem Film „Der Fremde in meinem Haus“ für die WDR-Reihe „Menschen hautnah“ mit Einbruchsopfern.

Wohnungseinbrüche schlagen tiefe, unsichtbare Wunden. Die Opfer sind neben dem materiellen Schaden Ängsten und einem Gefühl der Unsicherheit ausgesetzt. Für „Menschen hautnah“ unternimmt die Osnabrücker Filmautorin Carolin Appelbaum eine sensible Spurensuche.

Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) kennt eindeutige Zahlen. Im Jahr 2013 gab es in Deutschland rund 149500 Wohnungseinbruchdiebstahlsdelikte, 3,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nur 15,5 Prozent der Taten konnten aufgeklärt werden. Tendenz sinkend. Was diese Statistik aber nicht leisten kann, ist Auskunft darüber zu geben, welchen Schaden die Einbrecher sonst noch angerichtet haben. Welche tiefen seelischen Wunden sie bei ihren Opfern hinterlassen haben.

Die Osnabrücker Filmautorin Carolin Appelbaum zeigt in „Menschen hautnah: Der Fremde in meinem Haus“ die teils lange anhaltenden, psychischen Nachwirkungen und unsichtbaren Narben, die so ein Einbruch bei den Opfern hinterlässt. „Man stellt einfach fest, wie angreifbar man ist. Dass plötzlich diese persönliche Schutzhülle, die die eigene Wohnung darstellt, von Fremden einfach so durchdrungen wird“, fasst sie die Ergebnisse ihrer Nachforschungen bei Betroffenen und der Polizei im Gespräch mit unserer Redaktion zusammen.

Ein Gefühl, das sich in ihrer von sensiblen Tönen getragenen Dokumentation durchgehend und nahezu körperlich nachempfinden lässt. Gleich zu Beginn umreißen Einbruchsopfer ihre Empfindungen vor der Kamera. „Man ist verletzlich.“ Die Täter seien „nicht nur Einbrecher, sondern Verbrecher“.

Und die „Einbrecher hinterlassen auch Spuren, die man nicht sieht“. Unsicherheit, Wut und Angst dominieren teilweise auch Jahre nach der Tat noch die Gefühlswelten der Betroffenen. Nur in einem Fallbeispiel scheint eine Person zumindest äußerlich gelassen mit dem Erlebnis eines Wohnungseinbruchs umzugehen.

Anders als vor allem Tanja G., die das Pech hatte, dem Eindringling persönlich zu begegnen. Es entstand ein Handgemenge, bei dem sie gewürgt und niedergerissen wurde. Der entstandene materielle Verlust, ein Handy, ist leicht verschmerzbar. Der Verlust an Sicherheit und Geborgenheit innerhalb der eigenen vier Wände aber ist für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar. Lange litt die Lehrerin an Todesängsten.

Doch auch weniger drastische Fälle reißen Wunden. Selbst der Hauptkommissar der zuständigen Ermittlungskommission für Einbruchsdelikte in Münster bekennt freimütig vor der Kamera, dass er nicht einschätzen könne, wie er persönlich mit so einem Erlebnis umgehen würde.

Heute setzt sich Tanja G. aktiv beim Weißen Ring für Einbruchsopfer ein. Dort versucht sie, anderen häufig traumatisierten und vollkommen ratlosen Betroffenen nach ihrem schlimmen Erlebnis zu helfen. Sie selber hat eine Traumatherapie hinter sich. Jetzt lebt sie nach eigenen Worten wieder unbeschwerter. Aber die Wut ist geblieben. Doch sie weiß, was den Opfern hilft: „Reden, zuhören, Anteil nehmen.“

Zuhören und Anteil nehmen ist auch die Stärke der Dokumentation von Appelbaum. Sie wertet nicht und lässt die Betroffenen ausführlich zu Wort kommen, wobei die Kommentare aus dem Off ausschließlich ergänzenden Informationscharakter haben.

Auf die Frage, ob sie durch die Erfahrungen bei den Dreharbeiten ein paar Einsichten gewonnen habe, die sie weitergeben wolle, hat die Filmautorin eine klare Antwort. „Was ich wirklich wichtig finde, ist, die Präventionsberatung der Polizei zu nutzen“, betont Appelbaum, die auch Autorin der Serie „Der rote Faden“ in unserer Zeitung ist. Dort bekomme man nicht nur sinnvolle Tipps, wie man Fenster und Türen effektiv sichert. Auch eine gute Nachbarschaft könne helfen, Einbruchsrisiken zu minimieren. Ob und wie man im Zweifelsfall aktiv wird, sei „natürlich immer eine Frage der Abwägung“, so Appelbaum. „Aber ich finde schon, dass man in der unmittelbaren Nachbarschaft ein Auge darauf haben sollte.“

„Menschen hautnah: Der Fremde in meinem Haus“. WDR, Donnerstag, 27. November, 22.30 Uhr.