Immer ganz nah dran Vor 20 Jahren startete die Doku-Reihe „37°“ im ZDF

Von Frank Jürgens

In der „37°“-Jubiläumsfolge geht es um Jungverliebte wie Selina und Max. Sie sind seit zwei Jahren zusammen. Gegenseitige Treue ist ihnen wichtig. Foto: ZDF/Marianne Schaefer TrenchIn der „37°“-Jubiläumsfolge geht es um Jungverliebte wie Selina und Max. Sie sind seit zwei Jahren zusammen. Gegenseitige Treue ist ihnen wichtig. Foto: ZDF/Marianne Schaefer Trench

Osnabrück. Vor 20 Jahren startete „37°“ im ZDF. Jetzt bedankt sich die dokumentarische Reihe mit einem Dreiteiler und einer „langen 37°-Nacht“ beim Publikum. Man ist schließlich auch „stolz auf die Zuschauer“, wie ZDF-Redakteur Reinold Hartmann im Gespräch mit unserer Redaktion verrät.

Es war schon ein ungewöhnliches Experiment, mit dem das ZDF am 1. November 1994 erstmals auf Sendung ging. „Jenseits der Schattengrenze – Ein Vietnamsoldat kann nicht vergessen“ war der Titel der ersten von bislang 826 ausgestrahlten Dokumentationen unter der damals nagelneuen Marke „37°“. Auch wenn der Titel dieser ersten Folge es nicht vermuten lässt, wollte sich die neue Reihe von Anfang an von den ansonsten zumeist betont politisch motivierten Dokumentationen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen abgrenzen. Dafür gab es Kritik. Und auch gleich einen Grimme-Preis .

Heute erwarten die Zuschauer nichts anderes, als dass bei „37°“ die Menschen im Mittelpunkt der Dokumentationen stehen. Natürlich ist das Format dabei trotzdem politisch. Gerade, wenn es um Themen wie beispielsweise „Schüler in der Leistungsfalle“, Pflege, Tiertransporte oder Missbrauch gehe. Eine „gesellschaftliche Relevanz“ haben die Themen der Filmbeiträge immer, betont Reinold Hartmann, ZDF-Redaktionsleiter evangelische Kirche und Leben, gegenüber unserer Redaktion. „Wir sind kein politisches Format, und trotzdem sind wir politisch“. Ein nur auf den ersten Blick scheinbarer Widerspruch, der die Reihe prägt.

Vater-Sohn-Beziehungen waren auch schon Thema bei „37°“

Was Hartmann nicht unwidersprochen im Raum stehen lässt, ist der weitverbreitete Eindruck, dass vom Gefühl her jede Sendung auf drei Protagonisten baut. „Wenn man genauer hinschaut, dann sind wir maximal jedes dritte, vierte Mal bei dreien.“ Viel wesentlicher erscheinen ihm bei dem Format durchgängige Muster wie ein „starker Anfang“, eine ausdrucksstarke Bildsprache und „ein Text, der nicht wertet“. So eine Form ist natürlich nicht immer leicht verdaulich. Deshalb, so Hartmann, „sind wir auch stolz auf unsere Zuschauer, denen wir einiges zumuten, aber die diese Zumutung dann auch annehmen.“

Bewegende Doku über Trennungskinder

An diesem Dienstag um 22.15 Uhr startet die Reihe nun mit „jung.verliebt – Teenager und die großen Gefühle“ in den Jubiläumsdreiteiler „jung“. Der verspielt-charmant inszenierte, sehr sehenswerte erste Teil ist alles andere als eine Zumutung. Er wirft einen kaleidoskopischen Blick auf sechs – nicht drei! – Paarungen und gibt einen Einblick in das Gefühlschaos, dem junge Leute von heute zwischen heimlicher Verliebtheit, erstem Kuss und Heiratsplänen ausgesetzt sind. In der Nacht um 1.05 Uhr beginnt dann „20 Jahre 37° – Die lange Nacht“ mit drei ausgewählten Wiederholungen.

Spannend, der Beitrag über Rechtsmediziner

Eine der entscheidenden Fragen zu der vielfach preisgekrönten Reihe „37°“ ist die, wie sich die Filmautoren ihren Protagonisten nähern, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten häufig in einer schwierigen Ausnahmesituation stecken. „Die Protagonisten sind unsere Helden“, stellt Hartmann klar. Während der Dreharbeiten „haben unsere Filmautoren einen engen Kontakt zu den jeweiligen Protagonisten“. Im Zweifelsfall bleiben Aussagen der Betroffenen zu deren Schutz ungesendet. Das Wohlergehen der Menschen vor den „37°“-Kameras hat uneingeschränkte Vorfahrt. Und der Kontakt muss mit der Ausstrahlung der Sendung nicht enden. „Es entstehen vielleicht keine Freundschaften“, sagt Hartmann, „aber Beziehungen und Bekanntschaften, die lange, lange über den Zeitraum der Produktion hinaus halten.“

Neu seit Sommer dieses Jahres ist auf der „37°“-Homepage im Internet die Rubrik „,Neues von...‘ Wie geht es den Protagonisten“. Dort können sich interessierte Zuschauer darüber informieren, wie es mit einigen der Helden weitergegangen ist. Helene Gisy, die in der „37°“-Nacht im ersten Beitrag „100 ist doch kein Alter“ noch putzmunter zu sehen und hören ist, ist leider kurz nach ihrem 101. Geburtstag verstorben. Aber so, wie sie es sich gewünscht habe. Ohne Schmerzen und ohne Qualen.

„37°: jung.verliebt – Teenager und die großen Gefühle“, ZDF, 22.15 Uhr. Ab 1.05 Uhr: „20 Jahre 37° – Die lange Nacht“.