Katastrophenfilm der anderen Art Subtiles Tschernobyl-Drama: „Verwundete Erde“ auf Arte

Von Tobias Sunderdiek

Kurz vor dem Reaktorunfall feiert Anya (Olga Kurylenko) glücklich ihre Hochzeit mit Piotr (Nikita Emshanov) und ahnt noch nicht, dass sie ihn nie wieder sehen wird. Foto: Les Films de Poisson/Baruch RaficKurz vor dem Reaktorunfall feiert Anya (Olga Kurylenko) glücklich ihre Hochzeit mit Piotr (Nikita Emshanov) und ahnt noch nicht, dass sie ihn nie wieder sehen wird. Foto: Les Films de Poisson/Baruch Rafic

Osnabrück. Hollywood-Star Olga Kurylenko brilliert in einem subtilen Drama über Tschernobyl, das zu großen Teilen vor Ort gedreht wurde.

Es ist wohl einer der unheimlichsten Orte der Welt. Menschenleer. Überwuchert. An manchen Stellen lebensgefährlich. Dabei galt Pripjat einst als schönste Musterstadt in der Ukraine. Bis zum 26. April 1986. Denn an dem Tag brannte in dem nahe gelegenen Atomkraftwerk Tschernobyl ein Reaktor, verstrahlte alles.

In Tschernobyl gibt es noch heute, 28 Jahre später, viele Probleme.

Ausgerechnet an diesem Tag heiratet jedoch Anya (Olga Kurylenko). Ihr Bräutigam, im Feuerschutz tätig, wird noch während der Feier zum Unfallort gerufen. Anya sieht ihn nie wieder. Jahre später führt sie Touristen durch die zur Geisterstadt gewordene alte Heimat. Erinnerungen an tote Fische und Vögel, sterbende Pflanzen und arglose Mitbürger werden wach.

So war die Stimmung in Osnabrück nach dem Reaktorunglück

Ein Trauma, auch für Walerij, der seinen Vater verlor, sowie für andere Betroffene. Zum Teil an den Originalschauplätzen gedreht, gelingt es dem französisch-polnisch-deutschen Film vor allem in der ersten Hälfte das Ausmaß des Atomunfalls in starken Bildern zu vermitteln. Etwa, wenn schwarzer Regen auf eine Festgesellschaft fällt.

Mag auch der zweite Teil etwas konstruiert wirken, was die emotionalen Konflikte angeht, erschreckt der Film insgesamt dennoch nachhaltig. Ein subtiler Katastrophenfilm der etwas anderen Art.

Wertung: 5 von 6 Sternen

Verwundete Erde, Montag, 25. Novemeber, 20.15 Uhr, Arte