Rachefeldzug eines braven Bürgers Bitterböse Genre-Satire: „Einer nach dem anderen“

Von Frank Jürgens


Osnabrück. In seiner bitterbösen Genre-Satire über den Rachefeldzug eines braven Bürgers gegen einen Mafia-Clan in Norwegen jongliert Regisseur Hans Petter Moland lustvoll mit Klischees und anspielungsreichen Details.

Noch ist die verschneite Welt von Schneepflugfahrer Nils (Stellan Skarsgård) in Ordnung. Erst fräst er eine „Schneise der Zivilisation“ durch die weitläufige Winterlandschaft Norwegens. Dann hilft ihm seine Frau mit den Manschetten und der Krawatte. Der brave Familienvater Nils bekommt immerhin die Auszeichnung „Bürger des Jahres“ verliehen. Da möchte er als gebürtiger Schwede in Norwegen auch äußerlich wie das Vorzeigebeispiel eines erstklassig integrierten Einwanderers wirken.

Er kann nicht ahnen, dass zur gleichen Zeit sein Sohn Ingvar von der Drogenmafia ermordet wird. Aber nur durch einen makabren Zufall kommt Nils auf die richtige Spur. Beinahe wäre er dem tragischen Trugschluss verfallen, der eigene Sohn sei drogenabhängig gewesen und er, der Vater, habe nichts bemerkt. Nach und nach kommt Nils den wahren Schuldigen auf die Spur und fräst eine blutige Schneise der Rache durch die Reihen der Drogenmafia. Das Ziel ist Clanchef „Graf“ (grandios: Pål Sverre Valheim Hagen ), der völlig ahnungslos im Dunkeln tappt und einen Bandenkrieg vom Zaun bricht.

Für jedes Opfer erscheint eine kurze Todesanzeige auf der Leinwand. Am Ende wird es eng. Regisseur Hans Petter Moland gelingt mit „Einer nach dem anderen“ eine bitterböse, manchmal zynische Genre-Satire, die natürlich alleine schon wegen der weitläufigen Winterlandschaft auf den ersten Blick an „Fargo“ – den Spielfilm sowie die Serie – erinnert. Alles, was aus dem Ruder laufen kann, wird auch aus dem Ruder laufen.

Aber Moland und sein Drehbuchautor Kim Fupz Aakeson, die gemeinsam und ebenfalls mit Skarsgård in der Hauptrolle bereits „Ein Mann von Welt “ auf die Beine gestellt haben, lassen „Fargo“ schnell hinter sich.

Der Regisseur und sein Autor jonglieren in ihrer rabenschwarzen Schauerballade lustvoll mit Klischees wie auch zahlreichen anspielungsreichen Details. Sinnfreie Dialoge über die angebliche Tatsache, dass nur kalte Länder ein funktionierendes Wohlfahrtssystem schaffen können, wechseln sich mit Verfolgungsjagden im Schneepflug und blutigen Missverständnissen ab.

Und wenn ein Mitglied der konkurrierenden Serben-Mafia tot an einem Schild mit der Höhenangabe 1389 Meter hängt, glaubt deren Chef Papa (Bruno Ganz) natürlich an eine perfide Provokation. 1389 – die Schlacht auf dem Amselfeld !

„Kraftidioten“, so der leider vom deutschen Verleih nicht beibehaltene Originaltitel, funktioniert als lakonisches Genre-Kino und Genre-Satire gleichermaßen. Im wesentlichen aber lebt „Einer nach dem anderen“ vom wortkargen Spiel seines Protagonisten, dem mit dem „Grafen“ der perfekte Antagonist gegenübersteht.

Einer nach dem anderen. Norwegen, Schweden, Dänemark 2014. R: Hans Petter Moland. D: Stellan Skarsgård, Bruno Ganz, Pål Sverre Valheim Hagen u.a. 117 Min. Ab 16. Cinema-Arthouse.