Reportage zum Thema Glaubenskriege Adnan Maral Zugpferd für „Gewalt im Namen Gottes“ im Ersten

Von Nadine Grunewald


Osnabrück. In vielen Teilen der Welt kämpfen Menschen aufgrund religiöser Motive gegeneinander. „Kommen die Glaubenskriege auch nach Deutschland?“ – Mit dieser Frage hat sich Adnan Maral in einer Reportage des NDR auseinandergesetzt, die das Erste am Sonntag, 23. November (17.30 Uhr) ausstrahlt. Und genau so lautet auch deren Titel. Nach den Dreharbeiten zu „Gewalt im Namen Gottes“ überwiegt bei Maral die Hoffnung.

Ein Haus, unter dessen Dach Juden, Christen und Muslime eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee vereinen wollen – mit einem zentralen Raum der Begegnung: Das ist das „House of One“ , ein Projekt, das Mitten in Berlin entsteht. Doch es ist noch mehr. „Es ist eine Vision. Ein wichtiger Ansatz, wie man das Miteinander der Religion fördern könnte“, sagt Adnan Maral, der das Projekt unterstützt. Der aus der Serie „Türkisch für Anfänger“ bekannte Schauspieler ist für die 30-minütige Reportage von Ralf Hoogestraat nach Hamburg, Berlin und München gereist und hat sich mit Menschen verschiedenen Glaubens getroffen, die Fremdenfeindlichkeit erlebt haben – und trotzdem nach vorne blicken.

Der 46-jährige Maral ist selbst Muslim. Ob er Fremdenfeindlichkeit am eigenen Leib erlebt hat? „Nein. Gewalt habe ich nicht erfahren“, sagt er. Die Geschichte des Rabbiners Daniel Alter hat ihn berührt. Seit er von einer Gruppe junger Erwachsener mit arabisch-islamischem Hintergrund zusammengeschlagen wurde, versteckt Alter seine Kippa in der Öffentlichkeit unter einer Baseballkappe. Er selbst aber versteckt sich nicht: Daniel Alter wehrt sich. Mit Dialog und Aufklärung.

„Ich habe erlebt, dass Religionsübergreifend viele Gespräche geführt werden und es einen regen Austausch gibt. Und die Mehrheit der Menschen distanziert sich klar von denen, die die Religionen benutzen, um Gewalt zu rechtfertigen“, erklärt Maral. Diese Erkenntnis stimmt den Schauspieler hoffnungsvoll im Hinblick darauf, dass die weltweiten Glaubenskriege nicht dazu führen, dass sich die feindseligen Gräben zwischen den Religionsgemeinschaften hier vertiefen. Denn es ist die Minderheit, die gewaltbereit ist und möglicherweise zu stark in den Vordergrund gerückt wird.

Doch warum finden die Propagandavideos der Terrororganistation Islamischer Staat (IS) überhaupt so viel Aufmerksamkeit und schaffen es, Nachwuchskämpfer anzuziehen? „Ich glaube, dass diese religiöse Propaganda ihnen ein Gefühl von Identität und Zugehörigkeit gibt“, sagt Maral. Nur wenn ein Mensch das Gefühl habe, akzeptiert zu sein, fühle er sich Zuhause. „Das müssen wir auch in der Politik stärker verankern, bevor andere Menschen kommen, die die Jugendlichen mit falschen Werten ködern.“ Wie die „IS“. Denn wer nicht wisse, wo er hin gehört, verzweifle eher. Weil Religion im Hinblick auf die Identität für viele Menschen eine große Rolle spielt, findet etwa die „IS“ Anhänger sowohl bei in Deutschland geborenen Menschen als auch bei Menschen mit Migrationshintergrund.

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Auf seiner Reise hat Maral die Erfahrung gemacht, dass „wir da auf einem guten Weg“ sind. Ob es der Rabbiner war oder der Sprecher einer Moschee: Maral hat einige Menschen mit ausländischen Wurzeln getroffen, die sich deutsch fühlen, sich hier Zuhause fühlen und mit anders-religiösen Gemeinden in Interaktion stehen – obwohl sie Gewalt erlebt haben. „Das hat mich beeindruckt“, sagt Maral. Die Anerkennung, die ein Großteil der Juden, Christen und Muslime in Deutschland bereits einander entgegenbringt, müsse noch stärker gelebt werden.

Trotz allem: Ob und in welchem Ausmaß die Glaubenskriege nach Deutschland kommen, vermag Maral nicht einzuschätzen. „Um dem komplexen Thema gerecht zu werden, könnte man noch viel länger unterwegs sein, viel mehr Menschen treffen.“ Letztlich könne die Reportage nur einen Einblick geben. „Es steckt viel drin und ich hoffe, dass wir mit diesem Film etwas zur aktuellen Debatte beitragen können.“

Maral hofft zudem, dass die Idee des „House of One“ umgesetzt werden kann. Dazu sollen Spendengelder gesammelt werden. Bislang sind erst etwas über 86000 Euro zusammengekommen. 43,5 Millionen werden benötigt, damit aus der Vision Wirklichkeit wird.


Adnan Maral wurde im Jahr 1968 in der Türkei geboren. Aufgewachsen ist er in Frankfurt am Main, mittlerweile lebt er in München. Der Schauspieler war im Fernsehen zu sehen und spielte in Krimis wie Soko Köln (2004), Polizeiruf 110 (2004) und Stubbe – Von Fall zu Fall (2005) oder Soko 5113 (2010) mit. Maral hatte auch eine Rolle in der ARD-Kultserie Türkisch für Anfänger. 2012 kam die Sere als Film in die Kinos – ebenfalls mit Adnan Maral. Für seine Rolle in der TV-Serie wurde Maral 2006 mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „bester Schauspieler Serie“ ausgezeichnet. Der 46-Jährige hat seine Schauspielausbildung in Frankfurt gemacht und an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach eine Filmregieausbildung abgeschlossen. Bis 2011 hatte Maral zahlreiche Auftritte an Theatern.