zuletzt aktualisiert vor

Staffel 5 „The Walking Dead“ auf Fox „The Walking Dead“: Was in der 6. Folge „Verschwunden“ passiert

Von Manuela Kanies


Osnabrück. Bei der sechsten Folge der fünften Staffel von „The Walking Dead“ stehen wieder einzelne Überlebende im Mittelpunkt. Und es werden alte Wunden aufgerissen.

Achtung, im Text folgen Spoiler!

Nachdem sich die fünfte Folge „Selbsthilfe“ mit der Gruppe um Abraham und Eugene drehte, konzentriert sich auch die sechste Folge, „Verschwunden“, um einen bestimmten Handlungsstrang beziehungsweise zwei Charaktere: Daryl und Carol.

Einblicke in Carols Vergangenheit

Wie bei dem Handlungsstrang mit Beth gibt es auch in Carols Vergangenheit einige blinde Flecken. In der Folge „Verschwunden“ werden sie gleich zu Anfang zum Teil aufgelöst. Es beginnt mit der Szene, als Rick Grimes Carol Peletier ausstößt, weil sie für die beiden Morde im Gefängnis verantwortlich ist. Der Zuschauer verfolgt von da an ihren Weg, wie sie weinend und verzweifelt im Auto sitzt, anschließend alleine ums Überleben kämpft und doch zum Gefängnis zurück will, um die anderen zu retten, als sie sieht, dass es brennt. Carols Entwicklung ist nachvollziehbar: Von der Frau, die in der ersten Staffel von ihrem Mann verprügelt wird, hilflos ist, nach dem Ausschluss aus der Gruppe, wo sie ihre eigenen Entscheidungen getroffen hat, alleine voran kommt und schließlich meint, niemanden mehr zu brauchen.

Damit ist klar, die Episode ist eine reine Charakterstudie, ein Blick zurück und ein ungewisser nach vorn. Wie auch in der zweiten Hälfte der vierten Staffel gewinnt die Folge durch die tiefen Einblicke in Carols Seele, muss aber gleichzeitig Abstriche machen beim Tempo der Erzählweise. Wir verfolgen den Weg von Carol und Daryl durch einige Zombie-Hindernisse nach Atlanta, wo sie von Noah, dem Jungen, der aus dem Krankenhaus fliehen konnte und Beth zurücklassen musste, ausgeraubt wurden und schließlich ohne Waffen in der zombieverseuchten Stadt zurecht kommen müssen. In diesen relativ ereignisarmen Zeiten kommen sich Carol und Daryl wieder näher, die ehemals besten Freunde, fast Seelenverwandte, fragen sich, wer sind wir eigentlich jetzt?

Carol meint, Daryl habe sich vom halben Kind zum Mann entwickelt. Daryl hingegen sieht in Carol auch eine Frau, die einen Jungen, Noah, erschießen will, weil er ihre Waffen an sich genommen hat. Sie rechtfertigt sich, wollte ihn nur verletzen, um ihm die Waffen wieder abzunehmen, und gesteht schließlich, dass sie niemanden mehr retten will. Weil es ihr zu viele Verletzungen eingebracht hat. „Weil wir alle aufgefressen werden.“ Die Zweideutigkeit in Carols Aussage ist klar: Aufgefressen von den Zombies, aber vor allem aufgefressen von der Vergangenheit. Von den Dämonen und Sünden, die man begangen hat, Carol vor allem in der Ermordung von Lizzie. Daran hat sie immer noch schwer zu tragen, aber das ist auch gut so, denn so wird sie nicht zum gewissenlosen Zombie wie der Governor oder Gareth . Aber sie wird auch aufgefressen von den Menschen, die ihr nahe standen und die sie verloren hat.

Sie bewahrt sich weiterhin ihre Menschlichkeit. Das wird auch deutlich, als sie erklärt, warum sie aus der Kirche abgehauen ist. Alle hätten etwas getan, das gipfelte in der Ermordung von Gareth und den anderen Kannibalen, aber sie konnte nicht daneben stehen und auch nicht mitmachen. Also ist sie gegangen. Genauso kann sie Noah, der in eine verzwickte Situation gerät, nicht einfach zurücklassen und überredet Daryl, ihm doch zu helfen. Auch wenn er sie ausgeraubt hat, ist er ein hilfloser Mensch, der sie an sie selbst erinnert.

Daryl plädiert für einen Neuanfang, Carol hingegen kann nicht vergessen, beides hat sie zu den Menschen gemacht, die sie nun sind. Für Carol ist die Frau von damals verschwunden, an ihrer Stelle ist eine mutigere Frau getreten, die harte Entscheidungen allein treffen muss. Die letzte Entscheidung in der Episode wird ihr allerdings abgenommen: Nachdem geklärt wurde, dass Noah Beth kennt und weiß, wo sie ist, wollen die drei vor den eintreffenden Polizisten aus dem Krankenhaus fliehen. Carol kommt aber nicht weit, wird von den Polizisten angefahren und mitgenommen. Daryl will sie sofort retten, Noah ist aber der Besonnenere von beiden, denn er hat Recht, wenn er sagt, dass sie Beth und Carol später retten sollen. Und so machen die beiden sich auf den Rückweg zur Kirche, um Rick und die anderen zu Hilfe zu holen. Damit ist auch klar, wen Daryl am Ende von Folge 3 aus dem Gebüsch mitbringt: Noah.

Fazit von „Verschwunden“

Nach dem actionreichen Auftakt der Staffel haben sich die Produzenten auf ein langsameres Tempo verlegt, das unaufhaltsam auf einen wieder actionlastigen Höhepunkt im Midseason-Finale zusteuert. Ruhe und Charaktertiefe sind in diesen Fällen nicht verkehrt, allerdings könnte ein bisschen mehr Schwung den Folgen nicht schaden. Interessant in dieser Folge von „The Walking Dead“ war auch die Rückkehr an einen alten Drehort. Eingefleischten Fans ist die Parallele in der vierten Folge mit Beth zur ersten Folge der ersten Staffel aufgefallen, als Rick im Krankenhaus erwacht . In „Verschwunden“ sehen wir den Panzer, in dem Rick sich versteckt hat, und die Straßen, durch die er mit seinem Pferd geritten ist. Wie Produzent Robert Kirkman im Interview mit dem „Hollywood Reporter“ erklärte, wollten sie die Verwahrlosung der Stadt innerhalb der letzten Jahre zeigen. Das ist durchaus gelungen. Möglicherweise bietet diese Staffel aber auch generell einen Neuanfang: Von alten Städten und Orten lösen sich die Protagonisten, nachdem sie ein letztes Mal dort waren. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Setting nach dem Midseason-Finale mal grundlegend ändert, es sind mittlerweile ein bisschen zu viele Zufälle im Spiel, die alle Charaktere immer wieder an dieselben Orte führen. Insgesamt eine stark gespielte Folge, die ein bisschen mehr Handlung vertragen hätte.

Hier geht es zur Kritik der vierten Folge „Slabtown“, die das Verschwinden von Beth thematisierte.

„The Walking Dead“: Fox darf Staffelauftakt jetzt ungeschnitten zeigen ››


Wie es in der nächsten Folge weitergeht, erfahren Sie in unserer aktuellen Kritik auf noz.de.

Wer nicht genug von Spoilern bekommen kann und sich mit anderen Fans austauschen möchte, ist in der Facebook-Gruppe „The Walking Dead German Webfanside“ gut aufgehoben.