Weg vom Schmunzelkrimi Im Ersten startet die fünfte Staffel „Morden im Norden“

Von Frank Jürgens

Finn Kiesewetter (Sven Martinek, r.) und Lars Englen (Ingo Naujoks, l.) befragen Brauweiler (Oliver Törner, M.) zum Mord an Schiedsrichter Michael Rost. Foto: ARD/Georges PaulyFinn Kiesewetter (Sven Martinek, r.) und Lars Englen (Ingo Naujoks, l.) befragen Brauweiler (Oliver Törner, M.) zum Mord an Schiedsrichter Michael Rost. Foto: ARD/Georges Pauly

Osnabrück. Die Vorabendserie „Morden im Morden“ will nicht mehr das Etikett „Schmunzelkrimi“ tragen. Geschmunzelt werden kann trotzdem immer noch. Auch wenn Hauptdarsteller Ingo Naujoks die derzeitige Situation von Schauspielern alles andere als lustig findet, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion betont.

Fußball total im Ersten. Zum Warm-up vor dem Länderspiel Spanien gegen Deutschland startet die neue Staffel der Vorabendserie „Morden im Norden“ mit einer „Blutgrätsche“, so der Titel der ersten Episode.

„Ich stech dich ab!“, ruft ein erzürnter Spieler dem Schiedsrichter nach einer tiefroten Karte zu. Typisch Kreisklasse halt. Kurz danach wird der Schiedsrichter tot aufgefunden. Abgestochen. Dumm gelaufen für das Großmaul vom Platz. Aber ganz so einfach wollen es sich die beiden Ermittler Finn Kiesewetter (Sven Martinek) und Lars Englen (Ingo Naujoks) dann doch nicht machen. Und stoßen bei ihren Ermittlungen prompt auf die Wettmafia.

Was bereits in der letzten Staffel erkennbar war, setzt sich nun fort. „Morden im Norden“ will weg vom Image der Schmunzelkrimis . Witzig pointierte Dialoge und teils makabre Fälle müssen deswegen ja nicht fehlen. Aber „wir haben uns von der witzigen Form aus dem einfachen Grund getrennt, weil das ,Hubert und Staller‘ schon machen, und zwar sehr gut“, verrät Hauptdarsteller Naujoks im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir haben uns entschlossen, wieder mehr auf Krimi zu setzen, die Fälle ernst zu nehmen.“

Der Serie verschafft diese Entscheidung tatsächlich frischen Wind. Nicht zuletzt, weil der stocksteife Ermittler Englen mit Anzug und Krawatte endlich fort vom Schreibtisch an die frische Luft darf. „Ich muss zugeben, dass ich mich jetzt in meiner Rolle, wo ich mehr draußen bin als im Büro, wohler fühle in dem Anzug als zuvor“, freut sich der Schauspieler Naujoks über die äußerliche Wandlung seiner Rolle. Wobei Anzug und Krawatte natürlich noch nie das Ding des unangepassten Mannes waren, der sich früher unter anderem tatsächlich bei der Polizei beworben hatte. Trotz gewisser Punk-Attitüden. Beim Punk ging es Naujoks jedoch „nicht um Äußerlichkeiten“, wie er betont, „sondern um Haltung. Ich hatte jedenfalls nie eine Ratte auf der Schulter. Aber diese Strömung Punk hat mir damals sehr geholfen. Es ging vor allem um Denkweisen.“

Heute steht Naujoks nicht nur als Schauspieler vor den Kameras, sondern zieht unter anderem auch mit dem von ihm selbst geschriebenen musikalischen One-Man-Stück „Apocalypso – Ein Lied für den Teufel“ über die Bühnen. Darin geht es darum, „dass der Teufel an der Bar sitzt und ein Burn-out hat“, umschreibt Naujoks den Inhalt. „Er ist zu dem Schluss gekommen, dass die Welt ihn eigentlich gar nicht mehr braucht. Es läuft alles von alleine schlecht.“

Teuflisch muss Naujoks aber auch die Situation erscheinen, in der deutsche Schauspieler heutzutage stecken. So sieht er hinter seinem „Apocalypso“-Projekt, für das er bereits an einer Fortsetzung arbeitet, nicht nur die künstlerische Seite, sondern auch eine existenzielle Notwendigkeit. „Das ist ein zweites Standbein, das man sich in unserem Geschäft heutzutage zulegen sollte, wo sich die Programmstruktur ständig ändert. Immer mehr Krawall- und Trash-Formate dominieren“, ärgert sich Naujoks. „Leute, die zu doof sind zum Tennisspielen, werden Schauspieler. Da sollte man zusehen, dass man sich so viele Standbeine wie möglich schafft.“

Sowieso seien die Rahmenbedingungen für Schauspieler derzeit „eine Katastrophe“, findet Naujoks, der das Geschäft seit 25 Jahren kennt. „Plötzlich kamen solche Dinge auf wie ,Sondergagen‘. Das bedeutet, dass plötzlich die Hälfte deiner Gage ausblieb und es hieß: friss oder stirb! Heute muss man nach 25 Jahren darum kämpfen, dass man nicht den Anschluss verliert.“

Doch was würde Naujoks als Vater machen, wenn seine Tochter Schauspielerin werden will? „Abraten!“, kommt die Antwort prompt. Der Beruf des Schauspielers sei zwar „der schönste Beruf der Welt! Nur kann ich den momentan leider nicht weiterempfehlen.“

„Morden im Norden: Blutgrätsche“, ARD, Dienstag, 18. November, 18.50 Uhr