Die einsame Wölfin Lisa Wagner spielt zweiten Mal „Kommissarin Heller“

Von Marcel Kawentel

Unnahbar und aggressiv: Winnie Heller (Lisa Wagner) kann besser mit Fischen als mit Menschen.Foto: ZDF/Hannes HubachUnnahbar und aggressiv: Winnie Heller (Lisa Wagner) kann besser mit Fischen als mit Menschen.Foto: ZDF/Hannes Hubach

Osnabrück. Der einsame Wolf ist ein längst zum Klischee geronnener Ermittlertyp – zumindest, wenn er ein Mann ist. Mit ihrer „Kommissarin Heller“ spielt Lisa Wagner am 15.11. um 20.15 Uhr im ZDF zum zweiten Mal eine Krimiheldin, die zeigt, dass die Herren die schroffe Gangart nicht für sich gepachtet haben.

Winnie Heller spricht mit ihren Fischen, im Umgang mit Menschen tut sie sich schwer. Genau das gefällt Lisa Wagner an dieser Figur, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt.

„Sie ist verquer, nicht so stromlinienförmig“, findet Wagner. „Eine Einzelgängerin, die vieles mit sich selbst ausmacht. Winnie hat für mich eine schöne Mischung aus totaler Verletzlichkeit und einer seltsamen Härte.“

Die weiche Seite dieser jungen, kantigen Kommissarin – ihre im Koma liegende Schwester – durfte der Zuschauer schon im ersten Fall „Tod am Weiher“ kennenlernen. Dieser private Strang wird nun in „Der Beutegänger“ weitergesponnen. Der Fall selbst ist wieder ein Blick in die Tiefe einer traumatisierten Seele, gleichzeitig eine einfühlsame Auseinandersetzung mit dem Phänomen Stalking. Vor allem aber überzeugt „Kommissarin Heller“ durch die durchweg dichte Figurenzeichnung. Lisa Wagner sieht einen Hauptgrund dafür in den Romanvorlagen von Silvia Roth.

Bei den Zuschauern kam der erste Teil gut an

„Etwas Besseres gibt es ja für einen Schauspieler gar nicht“, glaubt Lisa Wagner. „So viele Hintergrundinformationen, die man in die Figur mit einfließen lassen kann. Normalerweise ist genau das die Vorarbeit, die man leisten muss: sich zu fragen, woher kommt die Figur, aus welchem sozialen Umfeld? Es ist ein gefundenes Fressen, wenn das schon in der Vorlage da ist.“

Trotzdem nahmen Drehbuchautor Matthias Klaschka, Regisseurin Christiane Balthasar und Lisa Wagner selbst sich die Freiheit, die Romanfigur an das Medium Film anzupassen.

„Wenn man nach den Romanen ginge, wäre ich 1,50 groß, leicht übergewichtig, hätte einen großen Busen und trüge immer nur Fleece-Pullis“, so Wagner. „Das ist für die visuelle Gestaltung natürlich nicht so interessant, wenn die Figur immer nur das Gleiche trägt. Ich habe eher versucht, den Kern der Figur umzusetzen als die Physis.“

Mit ihrer schroffen und zugleich verschlossenen Art macht diese Kommissarin es dem Zuschauer nicht leicht sie zu lieben und zu verstehen. Obwohl die Geschichte genügend Blicke hinter Winnie Hellers toughe Fassade gestattet, schafft sie es immer wieder, durch unberechenbares Verhalten zu verblüffen – den Zuschauer ebenso wie ihren leidgeprüften Partner Verhoeven, sympathisch zerknittert gespielt von Hans-Jochen Wagner. Lisa Wagner hat ihre eigene Theorie, warum Winnie ihre Mitmenschen oft verstört: „Ich habe das Gefühl, dadurch, dass sie oft allein ist, ist sie in Gedanken häufig schon zwei, drei Schritte weiter, teilt diese Schritte ihrer Umwelt aber nicht mit. Was sie dann sagt, ist so weit weg von der Erwartungshaltung anderer, dass Winnie sie vor den Kopf stößt.“

Was diese Kommissarin trotz aller Unnahbarkeit menschlich wirken lässt, sind die kleinen Widersprüche. In einer Szene wirft Winnie etwa persönliche Gegenstände in den Müllcontainer, nur um im nächsten Moment hineinzusteigen und die Dinge wieder hervorzuwühlen.

Das Fortschrittlichste an Winnie Heller aber ist die Tatsache, dass sie sich nicht primär über ihr Geschlecht definiert. Sie ist keine alleinerziehende Mutter, die sich mit schlechtem Gewissen plagt oder nach Dienstschluss einsam in der Badewanne Rotwein trinkt. Sie ist in erster Linie Polizistin, hart zu sich selbst und zu andern, genauso, wie ein männlicher Kollege es auch sein könnte.

„Unkommunikativ, aggressiv sein, das dürfen ja in der Regel immer nur Männer“, lacht Lisa Wagner. „Frauen müssen nett aussehen, sich benehmen. Das macht Winnie alles nicht. Das ist sehr entspannend.“

Für den Zuschauer ist „Der Beutegänger“ eher spannend als entspannend und macht Lust auf mehr Winnie Heller. Der dritte Fall ist bereits fertig, der vierte wird gedreht. Außerdem spielt Lisa Wagner noch in der dritten Staffel „Weißensee“. Mehr will sie aber nicht verraten.

Kommissarin Heller: Beutegänger, 20.15 Uhr, ZDF