Ex-“GZSZ“-Schauspieler Rainer Meifert ZDFneo zeigt peinliche Doku „Ausgekokst“

Von Hendrik Steinkuhl

Schauspieler Rainer Meifert begibt sich auf die Spur von Kokain, der Droge, die viele Jahre sein Leben bestimmt und fast zerstört hat. Foto: ZDF/Daniel van MolSchauspieler Rainer Meifert begibt sich auf die Spur von Kokain, der Droge, die viele Jahre sein Leben bestimmt und fast zerstört hat. Foto: ZDF/Daniel van Mol

Osnabrück. Wenn diese Dokus Drogen wären, würde der Konsument sofort den Dealer wechseln: Der heutige ZDFneo-Themenabend „Süchtig“ zeigt den Ex-GZSZ-Star und Ex-Junkie Rainer Meifert auf der Spur des Kokains; der Journalist Thorsten Eppert verfolgt das Thema Sucht gleich in Gänze. Beide liefern eine finstere Leistung ab .

Dass es in Berlin Koks-Taxen gibt, die den Schnee rund um die Uhr ausliefern, ist für den unbedarften Kleinstädter ohne Zweifel interessant. Doch mit wie viel Ernst kann man einer Dokumentation folgen, wenn der Protagonist den Koks-Fahrer mit folgenden Worten begrüßt: „Pass auf, fährst du ’ne Runde mit mir? Ich habe ’ne Skimaske und ein Kamerateam dabei?“

Der Mann, der nun mit einem maskierten Drogenkurier durch die Nacht fährt, heißt Rainer Meifert und war laut eigener Aussage bis vor einem Jahr selbst auf Koks. Jetzt hat er sich für ZDFneo in der vierteiligen Dokumentation „Ausgekokst – Mein Drogentrip“ auf die Spur der Droge begeben, die ihn jahrelang im Griff hatte. Insgesamt drei Stunden dauert Meiferts Schneetour, der frühere „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“-Darsteller ist dabei immer präsent – entweder vor der Kamera oder als Stimme aus dem Off. Das Dumme ist nur: Meifert hat gar kein Talent. Seine Qualifikation für GZSZ waren einst zwei „Esso“-Werbespots , in denen das Männermodel kein Wort sagen durfte. Sein gerade einmal einjähriges Gastspiel in der RTL-Soap blieb auch den Hardcore-Fans in Erinnerung.

Dass Meifert danach nicht völlig in Vergessenheit geriet, konnte er nur mit Tragödien und Skandalen verhindern. Für seine Behauptung, Sabrina Setlur habe ihn jahrelang zum Sex gedrängt, musste Meifert 20000 Euro Schmerzensgeld an die Rapperin zahlen. Eine Autobahnfahrt mit seiner damaligen Freundin und „GZSZ“-Partnerin Simone Hanselmann, die am Steuer saß, endete nach einer Berührung der Leitplanke bei Tempo 180 mit einem Dutzend Überschlägen und in einem brennenden Wagen.

Beide überlebten schwer verletzt. Meifert aber litt danach lange an den körperlichen und seelischen Folgen, nahm zunächst zu viele Schmerzmittel und erweiterte sein Repertoire dann um Koks und andere Drogen. Welche Drogen – das sagt er in der Dokumentation nicht. Warum er ausgerechnet auf Koks hängen blieb, wie er die Wirkung des Stimulans’ empfand, auch das bleibt in den drei Stunden ungesagt. Über seine Sucht und die Ablösung davon äußert sich Meifert so vage, dass man sich fragt, wie man nach einer jahrelangen Drogenkarriere nur so wenig Spannendes zu erzählen haben kann.

Meifert ist, das darf man festhalten, kein Unsympath. Aber er ist eben auch alles andere als der Richtige, um durch eine Dokumentation zu führen. Seine Off-Texte spricht er hölzern, seine Auftritte vor der Kamera sind noch hölzerner, und seine Schlichtheit lässt die Dokumentation immer wieder ins Lächerliche rutschen. In der dritten und vierten Folge von „Ausgekokst“ tummelt sich Meifert im Koks-Mutterland Kolumbien. Dessen ehemaliger Präsident Cesar Gaviria sagt im Interview, jeder Konsum von Drogen wie Kokain töte in Lateinamerika Tausende Menschen. Meiferts Off-Kommentar: „Ui, das hat gesessen.“Die vierteilige Dokumentation ist nicht uninteressant, auch wenn sie viele Längen hat und dem Zuschauer wichtige Informationen – wie etwa über das Suchtpotenzial der Droge – vorenthält. Völlig misslungen ist das Projekt aber wegen seines Protagonisten.

Ähnlich verhält es sich mit der zweiteiligen Doku „Herr Eppert: Wie süchtig sind wir?“. Journalist Thorsten Eppert klappert die erwartbaren Drogenhotspots ab: Suchtklinik, Fixerstube, Fashion Week. Am Rande der Modewoche trifft Eppert Deutschlands derzeit bekannteste Schnapsdrossel Jenny Elvers, die er wortwörtlich fragt: „Äääh, du bist mehr im Rampenlicht, als ich dachte... und du bist echt die ganze Zeit im Blitzlicht, äähm... Musst du ’nen Bogen machen um Sachen, oder? Also um Kühlschränke und um... hier ist wahrscheinlich überall Sekt und so ’ne...“

Dieses Gestotter ist, vorsichtig ausgedrückt, eine journalistische Bankrotterklärung. Und völlig zu Recht bekommt Eppert von Jenny Elvers dafür die Quittung: „Wenn ich einen Bogen machen müsste, dann dürfte ich weder einkaufen, weder Zug fahren, noch mit dem Flieger unterwegs sein.“ Sagt sie und geht. So spielt man mit Studenten.

Interessant auch, dass Eppert am Beginn der ersten Folge Elvis Presley als Drogentoten vorstellt. Dabei starb der King in Folge einer Darmerkrankung, die ihn lebenslang quälte.

Das also kommt dabei heraus, wenn ZDFneo auf Kosten des Gebührenzahlers einen Themenabend zusammenklöppelt. Immerhin: Auch Jan Böhmermann wird sich in seinem „Neo Magazin“ ganz dem Thema Drogen widmen. Die Böhmermaniacs werden darauf hoffen, dass er heute endlich die „Jan-Böhmermann-Junkie-Stütze“ vorstellt; bei „Sanft und Sorgfältig“, der gemeinsamen Radioshow mit Olli Schulz , hatte der 33-Jährige schon mehrfach darüber gesprochen, eine Stabilitätshilfe für torkelnde Drogisten produzieren zu wollen.Da er für viele die Rettung des Humors im deutschen Fernsehen ist, dürfte er so einen kleinen missratenen Themenabend doch eigentlich locker wieder richten können.

„Ausgekokst“, zwei Teile heute um 20.15 Uhr. Um 21.45 Uhr folgt der erste Teil von „Herr Eppert: Wie süchtig sind wir?“ (Teil zwei zeigt ZDFneo am 20. November um 23.05 Uhr). Um 22.30 Uhr läuft das Drogen-Spezial von „Neo Magazin“, ab 23 Uhr folgen die Teile drei und vier von „Ausgekokst“.