Technik, die begeisterte Tamagotchi, Gameboy und Walkman: Eine Hommage


Osnabrück. Die Kinder der 70er und 80er Jahre spielten Pong, mit LCD-Spielen und später mit Gameboys. Sie lauschten piepsigen Faxgeräten, programmierten den Videorekorder und „fütterten“ ihr Tamagotchi. Diese elektronischen Gadgets mögen heute überholt sein, aber hier erinnern wir an die einstmals heißgeliebte Technik, die uns früher im Alltag begleitete.

Apple stellt die Produktion des iPod Classic ein. Dabei ist das Gerät, das die Musikwelt verändert hat, in diesem Jahr erst 13 Jahre alt geworden. Doch der iPod ist nicht das einzige Technik-Spiel, das im Laufe der Zeit durch etwas Neueres, Besseres ersetzt wurde. Hier nun erinnern wir an einstmals heißgeliebte Technik, die früher unseren Alltag begleitete.

Kim Ulpst erinnert sich an den Gameboy

Neulich beim Aufräumen: Ich durchwühlte gerade eine Box voll Elektronik, als mir ein alter Freund in die Hände fiel. Mein Gameboy. Was haben wir schöne, endlose Stunden zusammen verbracht: Super Mario Land, Tetris, Zelda und schließlich Pokémon, in allen Editionen. Gemeinsam mit meiner Schwester jagte ich Pikachu und seine Freunde. Entschlossen, diese alte Tradition aufleben zu lassen, legte ich den Gameboy in meine Nachttischschublade. Als ich dann jedoch vor dem Schlafen gehen eine Runde daddeln wollte, wurde ich je enttäuscht. Meine von beleuchteten Displays verwöhnten Augen kamen nicht so recht mit der pixeligen Grafik zurecht. Die Idee, das Licht auszumachen war auch keine gute, dann sieht man nämlich nichts weiter als das rote Batterielämpchen. Naja, schön war das kurze, aber unverhoffte Wiedersehen trotzdem.

Sven Kienscherf erinnert sich an den Walkman

Mein erster Walkman war natürlich kein Walkman. Denn den echten Walkman gab es nur von Sony . Und den gab mein Taschengeld nicht her. Deshalb legte ich bei Radio Bierman 30 DM auf den Tisch und bekam dafür einen rund einen Kilo schweren portablen No-Name-Stereokassettenrekorder überreicht, der von mindestens sieben AA-Batterien angetrieben wurde, wenn man feste genug auf die Play-Taste drückte. Das Ding hatte orangene Schaumstoff-Kopfhörer und sah auch sonst ziemlich scheiße aus. Immerhin konnte man den Brocken an der Jeans befestigen. Ab dem Moment war man allerdings damit beschäftigt, ständig die Hose hochzuziehen, die unweigerlich gen Boden gerissen wurde. Trotzdem habe ich nur die allerbesten Erinnerungen an den Rekorder, der auch noch stoisch seinen Dienst Tat, nachdem aufgrund von nicht-sachgemäßer Handhabung bereits sämtliche Bedienelemente zerstört worden waren.

Corinna Berghahn erinnert sich an den Videorekorder

Beim Ausmisten des Hauses meiner Eltern fanden wir ihn wieder, mit Staub bedeckt und altmodisch kantig. Baujahr 1987 war der Videorekorder in meiner Jugend mein bester Freund: Als er damals nach langen Betteleien meiner Geschwister und mir ins Haus kam, bedeutete sein Einzug eine Revolution für die ganze Familie. Es wurde nicht mehr nur das geguckt, was gerade im Fernsehen lief, sondern auch Filme, die ausgeliehen werden konnten. Zudem liefen schon damals die wirklich guten Sachen entweder nachts oder wenn man Hausaufgaben machen musste. Dank Freund Videorekorder kein Problem mehr. Es sei denn, man verließ sich auf die unselige Showview-Technik. Großartig auch, aus lauter Blödsinn Filme einfach mal im Rücklauf zu gucken. Von dem wiedergefundenen Videorekorder haben wir uns trotzdem verabschiedet, denn um es mit den Worten der Band Tocotronic zu sagen: „Digital ist besser.“

Bastian Klenke erinnert sich an Amiga vs Atari

„Amiga 500“ – allein bei dem Begriff kommt das Kind in mir wieder zum Vorschein. Scheinbar endlose Nachmittage und Nächte hielt ich den roten Griff des „Competition Pro“-Joysticks fest umklammert und tauchte in die Welten der Göttersimluation „Populous“ oder des Grafikadventures „The Secret of Monkey Island“ ein, steuerte meine F-14 Tomcat in „Afterburner“ durch die Lüfte oder zockte bei „Kick-Off 2“ oder „Speedball 2“ gegen den Computer um den Sieg. Endlos waren auch aber die Stunden, die ich mit Freunden und Mitschülern diskutierte, ob nun der Amiga der bessere Spiele-Computer war oder sein Pendant, der Atari ST. Rezensionen und Zeitschriftentests be- und verurteilt, Spiele wurden verglichen und man konnte sicher sein, dass am Ende die Antwort auf die Frage, welcher Computer besser ist, nicht gefunden wurde. Es war eine Glaubensfrage! Heute vergleichbar mit der Frage: Apple oder Android?

Christian Lang erinnert sich an die Diskette

Ich bin ein Kind des Umbruchs: Als ich gerade erst zwei Jahre alt war, fiel die Berliner Mauer. Auch das Ende einer anderen Ära habe ich in frühen Jahren miterlebt – vor allem sehr spielerisch. Meine ersten Schritte mit dem Computer habe ich Mitte der 90er mit Disketten gemacht. Also kurz bevor sie als Speichermedium von der CD abgelöst wurde und in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Heute redet niemand mehr über die Diskette – aber warum eigentlich nicht? Ich verbinde nur positive Erinnerungen mit ihr: Wie ich meine Mutter abends angefleht habe, doch noch eine Stunde mein Lieblingspiel auf Diskette weiterzuspielen zu dürfen, wie ich mir von meinem eigenen Taschengeld eine Diskettenbox angeschafft habe und wie stolz ich war, als sie dann sogar voll war. Dann kam das CD-Zeitalter. Irgendwann wird schließlich jedes Medium von einem anderen abgelöst - aber die Erinnerungen kann einem trotzdem keiner nehmen.

Meike Baars erinnert sich an das Tamagotchi

Wir besaßen nie Haustiere. Mein Vater hatte Allergien und meine Mutter Angst, dass wir sie bei der Arbeit mit Kaninchen, Hamster oder Aquarium im Stich lassen würden. Mit 13 war meine Sehnsucht nach tierischer Nähe eigentlich schon wieder vorbei, da wurde sie durch ein Spielzeug noch einmal geweckt: das Tamagotchi. Nüchtern betrachtet war das Gerät nicht mehr als ein kleines, pinkfarbenes Plastikei mit Knöpfen und einem gruselig-schlechten Bildschirm. In Wahrheit war das elektronische Küken für meine Freundinnen und mich eine kurze Zeit lang die wichtigste Nebensache der Welt. Wir wurden gebraucht. Dafür vernachlässigten wir sogar die Schule. Die beste Ausrede fürs Zuspätkommen damals: „Ich musste noch mein Tamagotchi füttern.“ Das Gerücht, das Küken sterbe ein für alle Mal, wenn man es vergesse, durchschauten wir aber relativ fix. So schnell wie der Trend kam, war er wieder vorbei. Inzwischen versuchen App-Entwickler ihn im Wortsinn wiederzubeleben. Aber ich verweigere mich. Das Smartphone streichelt man ohnehin ständig.

Corinna Berghahn erinnert sich an das LCD-Spiel

LCD-Spiele namens „ Octopus“, „PacMan“ oder „Donkey Kong“ prägten die Jugend meiner Geschwister und mir. Mithilfe dieser hysterisch piepsenden Kästchen konnten wir unsere Eltern ohne viel Aufwand in den Wahnsinn treiben. In der Regel waren die Grafiken schwarz-weiß und wenn doch einmal Farbe auftauchte, dann war die nur aufgemalt. Mein absoluter Liebling war ein Spiel namens „Geisterschloss“. Ich hopste stundenlang tastendrückend über Kürbisse, wich Mumien aus und kämpfte gegen ein Skelett. Ein Wunder, dass mir nicht die Daumen abgefallen sind. Das Spiel verschwand irgendwann im Strudel der Jahre. Alle meine Versuche, es später über eBay wieder zu finden, waren erfolglos. Das ist wohl auch besser so, denn wer weiß: Vielleicht war es nie so gut, wie ich es mir jetzt vorstelle.

Daniel Benedict erinnert sich an die Taschenrechneruhr

Nie hatten technische Geräte eine größere Anziehungskraft auf mich als zur Grundschulzeit. In den Abenteuern der „Drei ???“ erdachte Justus, das Genie, Telefone mit Verstärker; das „Yps“-Heft beschwor die Machbarkeit noch fabelhafterer Wunderwerke - wenn es sie auch meistens mehr vorgaukelte als einlöste. Und Anfang der 80er Jahre erreichte der Fortschritt dann meine Realität - in Form der Taschenrechner-Uhr. Was hat sie mir für großartige Fantasien eröffnet! Bis zum Abi Einser in allen Mathearbeiten! Auch meine Eltern müssen das Missbrauchspotenzial der Uhr erkannt haben. Ich hatte nie eine, und vermisse es nicht. Stattdessen besaß ich schon früh einen elektrischen Miniatur-Zweiplattenherd, auf dem ich bei jeder Gelegenheit kreisrunde Eier briet. So winzig waren die Pfannen. Die Uhr gibt’s heute wieder in Hipsterläden. Ein so lebensgefährliches Spielzeug wie einen Herd würden Eltern ihren Kindern heute allerdings nicht mehr erlauben. Mutti, Vati, danke für diese Erfahrung.

Corinna Berghahn erinnert sich an Pong

Der 12. Geburtstag einer meiner Schwestern endete 1986 in Zeter und Mordio. Schuld daran war Pong. Wir hatten das an Tischtennis angelehnte Spiel in einer Version, die man an unseren Fernseher anschließen konnte. Dabei galt innerhalb der Geschwisterschar das Recht des Älteren, der oder die erhielt nämlich den besseren Schaltknopf. Dieses Gesetz ließ sich aber nicht bei der Feier meiner Schwester durchhalten: Am Ende wollten alle Gäste sofort spielen und gaben dem Begehr laut und mit Tränen Ausdruck. Meine Mutter griff durch: Pong wanderte an dem Nachmittag noch in den Keller, wo es in Vergessenheit geriet. Jahre später wiederentdeckt ließ es sich – oh weh! - nicht mehr an dem modernen Fernsehen anschließen. Dafür hat die französische Band Air dem Spiel mit dem Video zum Lied „Kelly watch the Stars“ ein wunderschönes Denkmal gesetzt. Ganz ohne Streit sogar.

Karsten Grosser erinnert sich an die Datassette

Rechts rein in die kleine Stube. Der erste Weg nach einem Schultag führte mich oft direkt zum C64 – dem Computer von Commodore, der immer mit einer Brotdose verglichen wurde. Eine Brotdose, die mit jedem Start immer wieder neu mit Daten gefüttert werden wollte. Programme mussten erst von externen Geräten geladen werden, denn eine Festplatte gab es damals zu Beginn der 1980er Jahre noch nicht. Zumindest nicht für die ersten Heim-PCs. Mein Lademeister hieß Datassette und funktionierte mit handelsüblichen Kassetten. 100 Kilobyte passten auf 30 Minuten Tonband. Aber ich hatte den Beschleuniger Turbo Tape. Damit erhöhte sich nicht nur die Kapazität des Datenträgers, sondern auch die Geschwindigkeit des Ladens. Und dennoch dauerte es ein Mittagessen lang, ehe nach einem Nerv tötenden Stakkato von zwei sich unregelmäßig abwechselnden Tönen endlich Spiele wie Blue Max, Boulder Dash oder Frogger im internen Speicher waren. Hausaufgaben konnten ja am nächsten Tag im Bus gemacht werden…

Holger Blumberg erinnert sich an das Fax

Oma und Opa hatten eins, unsere Nachbarn auch, wir hatten leider keins - obwohl ich immer eins wollte. Die Rede ist von diesem grauen, klobigen, telefonähnlichen Ding, wie es meine Großeltern im Flur neben dem Telefon stehen hatten: ein Faxgerät. Meine Eltern meinten immer, so ein neumodisches Ding brauchen wir nicht. Bis zum Studium habe ich ihnen nicht geglaubt. Für die Zeit an der Uni habe ich mir einen Drucker gekauft, der Faxe senden und empfangen konnte. Ich gehörte endlich zur faxenden Generation. Doch gebraucht habe ich die Funktion Anfang der 2000er-Jahre nicht mehr. Kein einziges Fax habe ich je mit meinem Drucker empfangen, keins versendet. Ich gebe es ja ungern zu, aber meine Eltern hatten schon damals recht: so ein neumodisches Faxgerät braucht man nicht.