Kritik zur vierten Folge von Staffel 5 „The Walking Dead“: Dramatisches Wiedersehen

Von Manuela Kanies

Da ist sie wieder: Endlich geht es in der vierten Episode mit Beth Greene (Emily Kinney) weiter. Foto: Gene Page/AMCDa ist sie wieder: Endlich geht es in der vierten Episode mit Beth Greene (Emily Kinney) weiter. Foto: Gene Page/AMC

Osnabrück. Die letzten drei Folgen waren rasant, actionreich und recht brutal, Folge vier der fünften Staffel von „The Walking Dead“ lässt es ruhiger angehen.

In dieser Episode geht es ausschließlich um Beth Greene, es gibt aber auch einen Einblick in die Strategie einer anderen Gruppe Überlebender. Motto: Wenn wir Dich retten, bist Du uns was schuldig.

Nach den vergangenen brutalen Ereignissen kann der Zuschauer in der vierten Episode etwas aufatmen: Es wird ruhig. Darauf weist schon die Jugendfreigabe ab 16 Jahren hin. Wurden bislang alle Folgen in Deutschland auf Fox mit der Freigabe ab 18 Jahren gezeigt, ist diese Folge also etwas harmloser. Das kann auch mit der Sichtweise zu tun haben, aus der die Folge erzählt wird. Im Mittelpunkt steht Beth Greene, Maggies jüngere Schwester.

Achtung, im Text folgen Spoiler

Wir erinnern uns: In der vierten Staffel wurde sie von einem Auto entführt, auf dessen Heckscheibe ein weißes Kreuz prangte. Zuvor kamen sich Daryl und Beth näher, sie trafen zusammen, nachdem sie aus dem Gefängnis vor dem Governor und seinen Leuten geflüchtet waren. Gemeinsam verbrachten sie die Zeit, es bahnte sich etwas an, dann wurde Beth entführt.

Keiner sucht nach Beth

Merkwürdigkeit 1 damals: Daryl machte keine Anstalten, sie zu suchen. Merkwürdigkeit 2 in den letzten Folgen: Als er später Maggie von ihrer Entführung berichtete, machte sie ebenfalls keinen Versuch, sie zu finden. Es schien, als wäre Beth in Vergessenheit geraten. Vielleicht glaubten die anderen auch, sie wäre tot. Immerhin war sie lange Zeit recht labil: In der zweiten Staffel erlitt sie einen Nervenzusammenbruch, in der dritten Staffel war sie vor allem Judiths Babysitter, in Staffel vier härtete sie allerdings langsam ab, als ihr Vater vor ihren Augen umgebracht wurde. In der zweiten Episode „Strangers“ wird aber gezeigt, wie Daryl und Carol einem ähnlichen Wagen mit einem weißen Kreuz hinterher fahren.

Kontrolle durch Gewalt

Nun wacht Beth in der Folge „Slabtown“ also allein in einem Krankenhaus in Atlanta auf. Das weckt natürlich Erinnerungen an Ricks Erwachen aus dem Koma in der ersten Folge der ersten Staffel. Mit der Ausnahme, dass Beth von den Beißern weiß. Sie ist zwar noch verletzt, aber nicht schwer. Ihr wird erzählt, dass die Polizisten, die in diesem Krankenhaus das Sagen haben, sie vor den Zombies gerettet hätten und dass sie allein gewesen wäre, von Daryl wird nichts gesagt. Schnell lernt Beth, dass im Krankenhaus eine Regel zählt: Wer gerettet wird, muss dankbar sein und seine Schuld abarbeiten. In der Regel ist es mit Diensten in der Krankenpflege oder anderen nützlichen Tätigkeiten getan. Aber um die männlichen Polizisten unter Kontrolle zu halten, lässt die Chefin Dawn Lerner es zu, dass sie die geretteten Frauen auch vergewaltigen.

Ein Arzt, der Menschen tötet

Zwei Menschen sind allerdings noch auf der Seite des Guten: der Arzt Steven Edwards und Noah, ein junger Afro-Amerikaner, der einen Fluchtplan entwickelt hat. Denn dass die Polizisten ihre „Lakaien“ freiwillig gehen lassen, hat er noch nicht erlebt. Der Arzt kann sich einige Freiheiten wie eine eigene Meinung erlauben, ist er doch der einzige, der andere retten kann. Weitere Mediziner gibt es in dem Krankenhaus nicht. Bis ein verletzter Mann eingeliefert wird: Der Arzt erkennt in ihm einen früheren Kollegen. Da er Angst hat, dass ihm der Mann seine sichere Position streitig macht, bittet er Beth, ihm ein Medikament zu verabreichen. Sie kennt sich damit nicht aus, nimmt auch die richtige Arznei, weiß aber nicht, dass sie ihn damit umbringt. Als sie den Arzt damit konfrontiert, erklärt er ihr, dass Petrus bei Jesus Verhaftung geleugnet hat, dass er einer seiner Jünger ist. „Denn sonst wäre er auch gekreuzigt wurden.“ Klare Ansage also: Jeder ist sich selbst der nächste.

Gescheiterter Fluchtversuch

Getreu dieses Mottos schließt sich Beth Noah bei seinem Befreiungsversuch an. Während Noah entkommt, wird Beth geschnappt. Ihr ist es aber nicht egal, was mit anderen Menschen passiert, also scheint sie glücklich darüber, dass zumindest einer es geschafft hat. Zurück im Krankenhaus wartet der fiese Cliffhanger auf Beth und die Zuschauer: Carol wird schwer verletzt eingeliefert. Damit bleibt weiterhin offen, wen Daryl in Folge drei mit zurück zur Kirche brachte.

Fazit der Episode „Slabtown“

Die Macher der vierten Folge haben sich an die Stärken der vierten Staffel erinnert: Dort waren einige der stärksten Folgen die, die sich um einzelne Charaktere gekümmert haben. Allerdings zündet dieses Konzept bei „Slabtown“ nur bedingt. Man erfährt zwar endlich, was mit Beth passiert ist, aber viel passiert in dieser Folge eben nicht. Was auch daran liegen kann, dass Beth bislang ein Charakter ohne Ecken und Kanten ist. Sie hat zwar schon Schreckliches gesehen, doch schwierige Entscheidungen musste sie noch nicht treffen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass sie noch sehr jung ist und daher oft naiv wirkt.

Interessant sind die anderen Rollen wie Noah, der Arzt oder die Polizistin. Bemerkenswert gut gemacht war die Sequenz, in der Beth und Noah versuchen zu fliehen. Beth erschießt diverse Zombies, untermalt ist die Szene mit ruhiger Musik und sie hat fast die Ausstrahlung eines surrealen Traums. Teilweise in Slow Motion, passt sie perfekt zur ruhigen Ausstrahlung der gesamten Episode.

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Ebenfalls spannend ist die Entwicklung des Frauenbildes in „The Walking Dead“: Galt Ricks verstorbene Ehefrau noch als Heimchen am Herd ohne eigene Meinung und Antriebskraft, werden die Frauenrollen immer mehr „bad ass“: von der Schwert schwingenden Michonne, der widerstandsfähigen Maggie bis hin natürlich zu „Rambo“-Carol; es sind nicht länger nur die Männer, die sich zur Wehr setzen. Doch Beth, so scheint es, hat sich immer noch ihre Unschuld bewahrt und versucht, ihre Menschlichkeit bei aller Grausamkeit beizubehalten. Insofern war „Slabtown“ eine interessante Charakter-Studie, die noch etwas mehr Tiefgang vertragen hätte.

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