Ergreifend, aber zu unkritisch ARD-Doku „Ranga Yogeshwar in Fukushima“

Von Marcel Kawentel

Ranga Yogeshwar und sein WDR-Team haben für diese Reportage unmittelbar an den Unglücksreaktoren in Fukushima Daiichi eigene Strahlenmessungen vorgenommen. Foto: WDRRanga Yogeshwar und sein WDR-Team haben für diese Reportage unmittelbar an den Unglücksreaktoren in Fukushima Daiichi eigene Strahlenmessungen vorgenommen. Foto: WDR

Osnabrück. In Reihe „Die Story im Ersten“ zeigt „Ranga Yogeshwar in Fukushima“ in der ARD am 3.11. um 22.45 Uhr Bilder aus Kraftwerk und Sperrgebiet.

Schutzanzug, Sauerstoffmaske, drei Lagen Handschuhe – Ranga Yogeshwar sieht aus, als werde er für eine Rolle in einem Seuchen-Thriller kostümiert. Was er dem Zuschauer dann präsentiert, wirkt zwar surreal, ist aber für die Menschen um Fukushima bittere Wirklichkeit. Als erstes internationales Fernsehteam durfte der WDR im Sperrgebiet drehen und sogar das Kraftwerk Daiichi betreten. Ständiger Begleiter sowohl der Journalisten als auch der Einwohner und Arbeiter ist das Messgerät und die Einheit Mikrosievert geworden, mit der die Strahlenbelastung angezeigt wird. Ein Wert von über 0,4 gilt als kritisch. Auf Yogeshwars Messgerät erscheinen auf dem Kraftwerksgelände zeitweise Werte über 20. Seit die Auswirkungen des Tsunamis von 2011 aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden sind, haben die Menschen hier Unglaubliches geleistet. Das zeigt Reinhart Brünings Film eindrucksvoll. Ranga Yogeshwars ruhige Art leistet einen wertvollen Beitrag, den Film nicht ins Pathos abgleiten zu lassen. Leider fehlen bis auf wenige zaghafte Hinweise („Technik aus den siebziger Jahren“) auch kritische Einschätzungen zum Krisenmanagement. So verharrt man beim Betrachten der Bilder einer unsichtbaren Bedrohung zwar ergriffen, aber ratlos.


Wertung: 4 von 6 Sternen

„Ranga Yogeshwar in Fukushima“, Montag, 3.11. um 22.45 Uhr in der ARD