Konkurrenz für Klara Blum Neuer Krimi im ZDF: „Die Toten vom Bodensee“

Von Tom Heise

Das ungleiche Duo  Zeiler (Nora von Waldstätten) und Oberländer (Matthias Koeberlin) ermittelt zusammen am Bodensee. Foto: ZDF/Hendrik HeidenDas ungleiche Duo Zeiler (Nora von Waldstätten) und Oberländer (Matthias Koeberlin) ermittelt zusammen am Bodensee. Foto: ZDF/Hendrik Heiden

Osnabrück. Nicht nur der „Tatort“ hat den Bodensee entdeckt, an den drei Länder angrenzen. Mit dem ersten von mindesten zwei Fällen bereichert ein ungleiches Ermittlerteam aus Deutschland und Österreich im ZDF die Krimilandschaft. Wirklich Neues bietet der Krimi nicht, punktet aber mit Atmosphäre und charismatischen Figuren.

Schon wieder ein neuer Krimi. Mit einem Schauspieler, der im Zweiten schon einen Kommissar mimt. An einem Schauplatz, den man schon aus dem „Tatort“ kennt. Denn am Bodensee ermitteln seit 2002 Klara Blum und Assistent Perlmann , zuweilen mit Amtshilfe aus der Schweiz . Jetzt betritt mit Micha Oberländer und Hannah Zeiler ein deutsch-österreichisches Ermittlerduo die Szenerie, das unterschiedlicher nicht sein könnte.

Oberländer wird von Matthias Koeberlin gespielt, der auch den Frankfurter Kommissar Robert Marthaler verkörpert. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert der Schauspieler die Unterschiede der beiden Charaktere: „Marthaler ist eigenbrötlerisch und schroff. Etwas düster, fast depressiv. Oberländer steht dazu im Gegensatz. Er ist aufgeschlossen und ein Familienmensch.“ Womit zumindest eine Verwechslungsgefahr für den Zuschauer nahezu ausgeschlossen scheint.

Pendant zu Oberländer ist die unnahbare und kühle Hannah Zeiler, die wunderbar von der in Berlin lebenden Wienerin Nora von Waldstätten gespielt wird. Zwei Figuren, die sich im Film nur langsam annähern. Dabei weist Koeberlin aber darauf hin, dass die Zusammenarbeit mit von Waldstätten „viel lustiger und humorvoller war, als es der Film ahnen lässt“. Hat sich da ein neues „Traumpaar“ gefunden, wie Produzent Sam Davis das Duo in einem Zeitungsinterview titulierte? Davis war von der Besetzung derart überzeugt, „dass die beiden das Deckblatt des Exposés schmückten, noch bevor sie selbst etwas von dem Projekt ahnten“. Immerhin ist der zweite Film mit diesem Gespann schon abgedreht – unabhängig vom Erfolg des Erstlings.

Düsterer erster Fall

Im Premierenfall geht es erst einmal düster zu. Nachdem ein Fischer auf seinem Boot auf dem Bodensee überraschend in Flammen aufging und lebendig verbrannt ist, finden Oberländer und Zeiler bei dem Wrack die Maske einer unheimlichen keltischen Gottheit und einen Schriftzug in einer fremden, undefinierbaren Sprache. Weitere Morde und Masken folgen. „Mystik und Mythisches ist schon interessant. Das passte ja auch zum Bodensee. Aber privat kann ich weniger damit anfangen“, kommentiert Koeberlin den Versuch, dem Krimi etwas Mystery einzuhauchen.

Letztlich wird sich die Spur ins Übersinnliche aber nicht bestätigen, und der Fall erweist sich als überaus irdisch. „Wir können im Genre Krimi das Rad natürlich nicht neu erfinden. Das heißt, wir erzählen einen klassischen, konventionellen Krimi, der aber durch die Konstellation der beiden Kommissare und die daraus entstehende Komik eine ganz eigene Note bekommt.“ Diese Analyse trifft ins Schwarze. Der Film überzeugt vor allem durch seine divergenten Hauptfiguren.

Und durch seine Kulisse. Regisseur Andreas Linke versteht es, dem Bodensee Atmosphäre abzuringen und ihn effektvoll mit den Bildern von Kameramann Jo Molitoris zu inszenieren. So wird der Handlungsort zu einem zentralen Element des Films. Koeberlin hingegen musste erfahren, dass ein Bad im Bodensee, das er im Laufe der Ermittlungen nehmen muss, nicht zwingend Spaß bringt. „Es war sehr, sehr kalt. Wir hatten während des Drehs Pech mit dem Wetter. Da war es im Wasser auch mit einem Neoprenanzug kein Vergnügen.“

Der vierzigjährige Koeberlin, der eigentlich Journalist werden wollte („Mit meinem schlechten Abitur war der Zugang zum Journalistikstudium begrenzt“), ist im Fernsehen gut vertreten und hat sich auch mit dem Einlesen von Hörbüchern einen Namen gemacht. Über Umwege ist der sympathische Pfälzer zur Schauspielerei gekommen. „Das Leben hat verschlungene Pfade. Wichtig ist, dass ich alles nicht zu ernst nehme“, konstatiert er und erläutert seine nächsten Pläne.

„Im Moment mache ich Pressearbeit für die Filme, die in den nächsten Wochen kommen. Und ich werde auch wieder für Hörbücher als Sprecher tätig sein. Dann neigt sich das Jahr dem Ende entgegen. Nächstes Jahr wird man sehen, was an Filmen kommt.“ Und schließt lachend mit einem „...wenn mich einer will“.

Das Bodensee-Projekt hat durchaus das Potenzial, sich zu einer Reihe zu entwickeln und so Koeberlin weitere Filme und dem ZDF-Krimimontag eine zusätzliche Farbe zu geben. Eine echte Alternative zum gemächlichen „Tatort“-Gegenstück. Die Spannung wird dann darin liegen, wie sich das Verhältnis der beiden Hauptfiguren und die deutsch-österreichische Zusammenarbeit entwickeln Und ob es den Machern gelingt, die Gegend um den Bodensee auch in Zukunft filmisch sinnvoll zu integrieren.

Die Toten vom Bodensee, ZDF, 20.15 Uhr