Die Kunst des reduzierten Spiels Hanno Koffler in „Besondere Schwere der Schuld“ im Ersten

Von Marcel Kawentel

Bei einem Besuch auf dem Arbeitsamt wird Joseph Komalschek (Götz George, von links) durchsucht und muss sein Messer an die Polizisten Tom Barner (Hanno Koffler) und Rudi (Moritz Vierboom) abgeben. Foto: ARD Degeto/Thomas KostBei einem Besuch auf dem Arbeitsamt wird Joseph Komalschek (Götz George, von links) durchsucht und muss sein Messer an die Polizisten Tom Barner (Hanno Koffler) und Rudi (Moritz Vierboom) abgeben. Foto: ARD Degeto/Thomas Kost

Osnabrück. Ohne zu viel zu verraten: Das Ende des ARD-Dramas „Besondere Schwere der Schuld“ lässt sich symbolisch für den möglichen Abschied Götz Georges aus dem Filmgeschäft sehen. Filmpartner Hanno Koffler sprach mit unserer Zeitung über die Arbeit mit dem Star und die Kunst des reduzierten Spiels.

Der 34-Jährige begann als Schlagzeuger gemeinsam mit seinem Bruder in der Berliner Band „Kerosin“. Heute macht er „viel zu wenig Musik, nur für mich allein, geheim, zu Hause,“ sagt Koffler. Bekannt wurde er vor allem durch seine Rollen in den Filmen von Marco Kreuzpaintner, wie „Sommersturm“, in dem er einen schwulen Ruderer spielt.

In „Besondere Schwere der Schuld“ verkörpert Hanno Koffler den jungen Polizisten Tom Barner, der mit seinen Kollegen den Schwerverbrecher Komalschek (Götz George) nach dessen Entlassung aus dem Gefängnis auf Schritt und Tritt bewachen soll. Schon bald beginnt Tom zu ahnen, dass hinter der Geschichte des Schwerverbrechers mehr steckt und sogar seine eigene Familie darin verstrickt ist.

„In einem Rutsch“ habe er das Drehbuch von Sascha Arango am Ende eines langen Tages durchgelesen, erinnert sich Hanno Koffler, und noch am selben Abend per SMS zugesagt. „Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die Projekte, die ich aus einem ersten Impuls und einer Begeisterung heraus zugesagt habe, meistens auch gut waren.“

Im Film besticht Hanno Koffler vor allem dadurch, wie zurückgenommen er agiert. Dabei betrachte er das reduzierte Spiel nicht als Maxime, so Koffler.

„Ich mag auch exaltierte Charaktere, wenn es sich aus der Geschichte ergibt. In diesem Fall fand ich es einfach sehr passend, weil dadurch eine Spannung im Film entsteht. Ich suche immer nach einer Authentizität, und manchmal ist weniger dann mehr.“

Auch Götz George hat man selten so wenig spielen und vor allem sprechen sehen. Wie eine ferngesteuerte Puppe scheint er sich anfangs durch die Geschichte zu bewegen. Dass er dabei unaufhaltsam auf ein klares Ziel zusteuert, wird auch Tom bald klar.

„Eine tolle Erfahrung“ war es für Hanno Koffler, mit so renommierten Schauspielern wie Götz George und Hannelore Elsner zu drehen, die seine Mutter spielt. „Neben der Tatsache, dass es große Namen sind, sind das einfach tolle Kollegen und wahnsinnig nette Menschen.“ Als Koffler zusagte, ahnte er allerdings noch nichts von der hochkarätigen Besetzung. „Ich wusste noch nicht, wer mitspielt, ob es Kino oder Fernsehen wird. Eigentlich wusste ich erst mal gar nichts.“

Je mehr im Film von den alten Geschichten ans Licht kommt, desto stärker rücken die Figuren von Götz George und Hanno Koffler zusammen. Die Langsamkeit und Subtilität, mit der das erzählt wird, tut dem Spannungsbogen keinen Abbruch, im Gegenteil.

„Beim Film muss man sich vergegenwärtigen, dass das Denken allein fast schon ausreicht“, erzählt Hanno Koffler über das schauspielerische Handwerk vor der Kamera. Auf der Theaterbühne müsse man sich dann „wieder daran gewöhnen, die Texte nicht so in sich hineinzunuscheln. Man muss das, was die Figur fühlt, im Grunde genommen vergrößern, damit die Zuschauer im zweiten oder dritten Rang das auch noch verstehen.“

Obwohl er schon in Kinofilmen wie „Anatomie 2“ mitgespielt hatte, entschied sich Koffler, am Max-Reinhardt-Seminar in Wien noch eine Schauspielausbildung zu machen. „Das lag auch daran, dass ich immer die Sehnsucht nach dem Theater hatte. Für mich war das nur vorstellbar mit einer klassischen Schauspielausbildung.“

Mittlerweile hat Hanno Koffler allein mit Filmen genug zu tun: Auf der Berlinale wird ein Film mit ihm gezeigt, fürs ZDF hat er einen Krimi mit Anna Maria Mühe gedreht, und gerade läuft mit „Coming in“ der neue Film von Marco Kreuzpaintner im Kino. „Ich bin glücklich und dankbar, dass ich in diesem Jahr so viel arbeiten und so viele tolle Sachen machen konnte“, so Koffler. „Ich habe da eher eine Tendenz zum Workaholic.“

Während also mit Götz George einer der Großen in den Schatten tritt, ist Koffler groß im Kommen. Aber vielleicht treffen sie sich ja wieder, George kann sich immerhin vorstellen „von Zeit zu Zeit wieder ‚auf die Piste‘ zu gehen.“

Besondere Schwere der Schuld, ARD, Samstag, 1. November, 20.15 Uhr