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Kritik zur dritten Folge von Staffel 5 „The Walking Dead“: Brutale Rache an den Kannibalen

Von Manuela Kanies

Maggie (Lauren Cohan) und Glenn (Steven Yeun) verlassen die Gruppe um Rick (Andrew Lincoln). Foto: Gene Page/AMCMaggie (Lauren Cohan) und Glenn (Steven Yeun) verlassen die Gruppe um Rick (Andrew Lincoln). Foto: Gene Page/AMC

Osnabrück. Brutal, brutaler, „The Walking Dead“: Mit der dritten Episode der fünften Staffel „Vier Wände und ein Dach“ hat die Serie ihren bisher blutigen Höhepunkt erreicht. Darunter leidet allerdings die Charakterentwicklung und so mancher Überlebender bleibt auf der Strecke.

Achtung, im Text folgen Spoiler!

In der zweiten Folge der fünften Staffel ging es zum Schluss ziemlich ekelerregend zu, als Bob dabei zusehen musste, wie sein abgetrenntes Bein von den Kannibalen gegessen wurde. Geht es nach dem Motto: „Immer brutaler“ auch dieses Mal weiter?

Menschen sind schlimmer als Zombies

Wie Daryl in der zweiten Folge „Strangers“ sagte: Die Menschen sind viel schlimmer als die Zombies. Das bewahrheitet sich in der dritten Folge „Vier Wände und ein Dach“ mehr denn je.

Zu Beginn sieht der Zuschauer, wie Gareth erneut auf den schwer verletzten Bob einredet. Gareth erklärt seine Taten, berichtet, dass Frauen besser schmecken als Männer. Klar ist, der Typ hat nicht mehr alle Tassen im Schrank und lässt seine kranke Fantasie nun an anderen aus. Dagegen hatte der „Governor“ noch teilweise menschliche Züge, Gareth wirkt aber nur irre.

Irre ist auch das Lachen, in das Bob anschließend ausbricht: Er bekennt sich zu der Verletzung, die ihm der Zombie ihm beigebracht hat. Die Kannibalen haben also verseuchtes Fleisch gegessen, das ihnen auch gleich wieder hochkommt.

„The Walking Dead“: Blutiger Auftakt zur ersten Staffel ››

Die Suche von Sascha, Tyreese und Rick nach Bob verläuft ergebnislos, im Anschluss bedroht Sascha Vater Gabriel, weil sie davon überzeugt ist, dass er etwas damit zu tun hat. Um zu beweisen, dass er zu so etwas nicht in der Lage ist, erzählt er von seiner großen Sünde: Als die Infektion ausbrach und die Zombies in die Gemeinde kamen, suchten die Menschen Schutz in seiner Kirche. Doch er ließ sie nicht rein. Die Stimmen, die schreien, hört er immer noch, sagt er später zu Michonne. Die ganze Zeit über ist Gabriel anzumerken, dass er auf Vergebung hofft, und sei es durch diese fremde Gruppe. Doch klar wird auch, dass der Geistliche ein sehr schwacher Mensch ist, bei dem es verwunderlich ist, dass er so lange überlebt hat. Vergebung bekommt er dann auch nicht, Michonne antwortet, die Stimmen werden mit der Zeit immerhin etwas weniger.

Die Wut von Tyreese ist Entsetzen gewichen

Du musst also mit dem leben, was Du tust: Als Tyreese ein längeres Gespräch mit Rick hat, wie sein Weg nach Terminus war, stellt er fest: „Es war mein Tod.“ Lange Zeit sagt Rick nichts, doch dann: „Nein, war es nicht.“ Denn Tyreese, so stellte es sich in den letzten Folgen dar, ist zwar nicht mehr derselbe Mensch wie im Gefängnis. Dort wollte er vor Wut jeden umbringen, den er mit dem Tod seiner Freundin Karen im Verdacht hatte. Jetzt ist seine Wut der Angst gewichen vor dem, was er werden könnte: eine unmenschliche Tötungsmaschine.

Ist der „gute Rick Grimes“ tot?

Rick Grimes weiß, wovon er redet. Denn es scheint, dass der alte Rick auf dem Weg nach Terminus gestorben ist. Nach seinem brutalen Angriff auf Joe in der letzten Folge der vierten Staffel war er noch entsetzt über sein Tun, er hatte damals Angst, dass sich diese dunkle Seite, die schon immer in ihm schlummerte, für immer Bahn bricht. Bereits in Terminus war diese Seite zu spüren, doch in dieser Folge bricht sie vollständig hervor, als sie (den noch lebenden) Bob finden, der vor der Kirche von den Kannibalen abgelegt wurde.

Massaker in der Kirche

Nun will Rick beenden, was er schon in Terminus beenden wollte: Die Kannibalen töten. Doch dabei bleibt es nicht. Mit einem Hinterhalt werden Gareth und Co. in die Kirche gelockt. Gareth bettelt zwar, dass er sie verschonen soll. „Ihr werdet uns nie wiedersehen, versprochen!“ Ricks irrer Blick flackert auf, er sagt: „Aber ihr werdet anderen Menschen begegnen“, und spaltet ihm den Kopf mit seiner Machete. Anschließend werden alle Kannibalen von Rick, Michonne, Abraham und Sascha regelrecht abgeschlachtet. Maggie, Glenn und Tara stehen fassungslos daneben, Tyreese blickt aus dem Nebenraum traurig auf das Geschehen. Auch Gabriel ist entsetzt, passierte das Ganze doch in einer Kirche ... „Es sind nur vier Wände und ein Dach“, ist Maggies emotionslose Antwort darauf.

Entsetzen über die Brutalität

Gareth betonte in seinem letzten Monolog, dass sie früher anders waren, Menschen geholfen hätten. Doch dann kam diese brutale Gruppe und veränderte alles. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen: Die Gruppe um Rick bricht erneut auseinander. Daryl und Carol sind auf der Suche nach Beth verschwunden, Glenn, Maggie und Tara wollen sich Abraham, Eugene und Rosita anschließen, wenn sie den anderen noch für zwölf Stunden helfen. Daryl und Carol bleiben verschwunden, auch Glenn und Maggie gehen nach dem Massaker in der Kirche weg. Aus Angst davor, was noch aus der Gruppe wird? Besonders herzlich fällt der Abschied jedenfalls nicht aus.

Einzig Abraham weiß Ricks Taten zu schätzen: Er entschuldigt sich für den Streit und bittet ihn eindringlich, nachzukommen. Denn jemanden wie Rick würden sie in Zukunft gut gebrauchen können.

Daryl kehrt zurück – aber nicht alleine

Vielleicht ist es ja wirklich so, wie Abraham hofft, dass alles gut werden wird. Und wie Bob meint, alles sei nur ein Albtraum. Für ihn gibt es allerdings kein Erwachen mehr. Er erliegt seiner schweren Verletzung, und nachdem Sascha noch traumatisiert von dem Massaker ist, nimmt Tyreese es ihr ab, ihn endgültig zu töten, damit er sich nicht verwandelt.

Am Ende, nachdem die Gruppe bereits geteilt ist, entdeckt Michonne Daryl, der aus einem Gebüsch heraus tritt. Wer mit ihm gekommen ist, wird aber erst in der nächsten Folge verraten.

Fazit: Unnötig brutaler Höhepunkt

Die Taten von Rick haben ihren bisherigen brutalen Höhepunkt erreicht, wie schon befürchtet. Nachvollziehbar ist, dass er die Kannibalen getötet hat, aber das Abschlachten hätte nicht sein müssen. Das scheinen auch die anderen Mitglieder so zu sehen, außer Abraham vielleicht, aber den Mumm, sich ihm entgegenzustellen oder ihn infrage zu stellen, hat keiner. Dann gehen sie lieber ihrer Wege: Schade, dass Maggie und Glenn mit den anderen weggehen, aber ihnen ist nicht geheuer, wo der Weg mit Rick noch hingeht.

Komisch ist allerdings, dass Maggie sich nicht um ihre Schwester Beth zu kümmern scheint. Sie hatte Daryl zwar einmal gefragt, was mit ihr passiert ist, aber als sie von Glenn getrennt wurde, hatte sie alles daran gesetzt, ihn zu finden. Bei Beth ist sie, aber auch Glenn und die anderen bis auf Daryl, merkwürdig gefühllos.

Insgesamt ist diese Folge mit reichlich menschlichen Abgründen gespickt. Tief berührt sind alle von Bobs Tod, er hatte sich zu einem guten Teil der Gruppe entwickelt. Doch insgesamt ist die Gruppe keine in sich geschlossene Gemeinschaft mehr, in der man diskutiert und sich umeinander sorgt. Alle gehorchen Rick, nur Glenn stellt klar, dass es seine Entscheidung ist, ob er nach Washington mit geht oder nicht.

Fast möchte man meinen, es gibt keine guten Menschen mehr. Und auch die Zombies sind komplett Nebensache. Es scheint, als könnte Rick aus seinem privaten Albtraum, in den er die anderen mitreißt, wirklich nie wieder aufwachen.

Liest man sich durch, was Andrew Lincoln kürzlich in einem Interview gesagt hat, d ass die Serie am Ende der Staffel komplett anders sein wird als zu Beginn, lässt das nicht darauf hoffen, dass Rick Grimes seine menschliche Seite wieder entdeckt.


Wie es in der nächsten Folge weitergeht, erfahren Sie in unserer aktuellen Kritik auf noz.de.

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