„Auf Tour absolute Disziplin“ Maffay: Mein Rentnerleben ist Autobahn und Rock ‘n‘ Roll

Von Stefan Alberti


Osnabrück. Er ist ein Tausendsassa, Rock ‘n‘ Roller und will als 65-Jähriger noch lange nichts von einem typischen Rentnerleben wissen: Peter Maffay und seine Band gehen ab Januar 2015 wieder auf große Hallentour. Im Interview plaudert er über das Leben unterwegs, sein anderes Rentnerdasein und die Zukunft eines kleinen, grünen Freundes.

Herr Maffay, Sie sind ja ein Arbeitstier. Es ist fast schon unglaublich, dass bei Ihrem vollgepackten Zeitplan unser Gespräch noch klappt.

(lacht) Ja, Sie sehen, dass ich schon noch ein bisschen was zu tun habe.

Man könnte ja auch fragen: Der Mann ist 65 Jahre alt, hat alles erreicht – warum tut er sich das alles noch an und genießt nicht sein Rentnerleben?

Ich sehe mir andere 65-Jährige an, die dann nur herumsitzen. Und darauf habe ich keinen Bock. Es ist doch kein Genuss, herumzusitzen und zu warten, bis man den Löffel abgibt.

Da sieht Ihr Rentnerdasein anders aus?

Genau. Mein Rentnerleben ist Autobahn und Rock ’n’ Roll.

Der große „Blacky“ Fuchsberger hat gesagt, dass Altwerden scheiße sei.

(lacht) Ein kluger Mann. Aber diese Aussage kann ich jetzt noch nicht bestätigen. Sicherlich kommt das irgendwann. Als „Blacky“ das gesagt hat, war er schon 87. Ich bin mehr als 20 Jahre jünger. Viele Kollegen in meiner Altersklasse denken auch noch nicht so – siehe Udo Lindenberg. Natürlich habe ich auch das Glück, dass einem der liebe Gott die Konstitution gibt.

Wofür Sie auch viel tun, oder?

Ja. Ich habe zum Beispiel meine Hanteln im Hotelzimmer dabei, oder ich wandere mit meinen Bambusstöcken an die Rezeption der Hotelhalle, was manche zum Grinsen bringt. Das sind alles Sachen, mit denen ich im Hotel oder auf dem Zimmer meine Trainingsstunden absolviere. Man kann fast in jeder Situation etwas für sich tun, wenn man sich ein System zurechtlegt.

Ihre Tour ab Januar 2015 umfasst 19 Konzerte. Müssen Sie sich dafür in puncto Fitness besonders vorbereiten?

Wie gesagt, ich mache das ja laufend und versuche, mein Gewicht zu halten. Jeden Tag mache ich eine Stunde ein Work-out mit einem Trainingsprogramm, das auch unterwegs funktioniert. Und wenn ich dann noch täglich zehn bis zwölf Stunden mit der Band probe, dann ist das Trainingslager pur. Unsere Fitness kommt in dieser Zeit. Während der Tour kommen wir mit Konzert und Soundcheck locker auf fünf Stunden Musik jeden Tag. Kein Gesäusel, da langen wir kräftig hin – deswegen muss jeder zusehen, dass er in einer entsprechenden körperlichen Verfassung ist.

Während der Tour ist somit diszipliniertes Leben angesagt?

Absolut.

Was ist mit dem berühmten Tour-Motto „Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll“?

Es ist nicht möglich und auch unsinnig. Die heutige Sichtweise hat sich im Vergleich mit der vor drei Jahrzehnten erheblich geändert, als man ziemlich zerhauen und fertig sein musste, um als Rocker zu gelten. Das ist weit überholt, das kann und will sich heute niemand mehr leisten. Die Fans erwarten eine gute Show, das geht mit Exzessen nicht.

Sind Sie während der Tour im Nightliner unterwegs?

(schmunzelt) Ein Nightliner ist der Sandkasten für harte Männer. Da hängt man ab, kann ein bisschen quatschen. Das mache ich gerne, aber auch nicht die ganze Zeit. Viel öfter setze ich mich nach dem Konzert in meinen Wagen und fahre schon durch die Nacht in die nächste Stadt. Ich komme mit Adrenalin von der Bühne, setze mich ins Auto, schalte mir schöne Musik ein und chille. Das ist genau die richtige Mischung.

Sie fahren tatsächlich selber?

Klar. Das beruhigt mich. Nachts fahren mit schöner klassischer Musik macht mir Spaß.

Eine bestimmte klassische Musik?

Nein. Ich habe ein Faible für solche Sachen, zu Hause habe ich meine Klassik-Sammlung. Aber es gibt inzwischen bundesweit schon sehr gute Klassiksender, die man wunderbar nachts hören kann.

Ist das Tour-Leben in Hotels eher ein notwendiges Übel?

Nee. Das Leben im Hotel ist jahrzehntelang geprobt. Die Hotels, die wir buchen, haben einen gewissen Standard. Da gibt es einen Kühlschrank, einen Fernseher und die Dinge, die man sonst noch so braucht. Wir sind in dieser Beziehung sehr bodenständig. Wenn ich Hotels als notwendiges Übel betrachten würde, dann hätte ich es schwer. Schließlich verbringe ich 200 bis 250 Tage im Jahr in irgendwelchen Hotelbetten.

Für die Tour haben Sie eine 360-Grad-Bühne in Form eines Gitarrenpicks gewählt.

Wir spielen auch auf einer Stirnbühne und haben trotzdem 360 Grad. Solche Bühnen habe ich in großen Arenen so noch nicht gesehen. Ich glaube nicht, dass wir der Erfinder solcher Produktionen sind. Aber es gibt nicht viele, die so stattgefunden haben. Die Fans können uns auf die Popos schauen, aber auch in unsere Gesichter. Der Bühnenaufbau ragt 25 bis 30 Meter in die Halle hinein.

Das musikalische Programm?

Der erste Teil ist unplugged – mit der Absicht zu zeigen, wer uns ganz am Anfang musikalisch beeinflusst hat. Da hat jeder seine eigenen Favoriten – zum Beispiel Elvis Presley, Eddie Cochran, Bob Seger oder Van Morrison. Eine lustige Mischung, weil jeder von uns auch singt. Im zweiten Teil wollen wir zeigen, dass viele der Einflüsse von damals in den Songs des jetzigen Albums wiederzufinden sind.

Im dritten Teil gibt es eine Art Wunschkonzert?

Genau. Als kleine Verbeugung vor dem Publikum. Wir stellen 15 bis 20 Songs zur Disposition.

Wie?

Es könnte zum Beispiel die Möglichkeit geben, via Handy abzustimmen. Aber da basteln wir noch.

Herr Maffay, lassen Sie uns auch noch kurz über Tabaluga sprechen. 2011/2012 wollten Sie Ihren kleinen grünen Drachen schon in Rente schicken. Jetzt kommt doch alles anders.

Wir haben die Rechte zurückgekauft, womit eine ganz andere Situation entstanden ist. Der Rückkauf steht in direktem Zusammenhang mit der Unterstützung der Tabaluga Kinderstiftung. Die Absicht ist, die Stiftung so zu stützen, dass sie von mir unabhängig ist. Irgendwann werde ich aus ganz natürlichen anatomischen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen – und dann wollen wir nicht, dass das Konzept der Stiftung kollabiert. Dieses neue Geschäftsfeld fordert uns derzeit ziemlich stark.

Aber es liefert auch neue Tabaluga-Abenteuer, oder?

Wir haben beschlossen, einen animierten Spielfilm zu machen. Es wird eine neue Scheibe geben, es wird eine neue Show geben – und damit haben wir die Perspektive von Tabaluga weit nach vorne geschoben. Welche neue Geschichte als nächste folgt, ist noch nicht endgültig entschieden. Aber wir haben schon Ideen.

Abschließend möchte ich Sie gerne mit einigen Namen konfrontieren – mit der Bitte um kurze Statements. Martin Lauer…

Von ihm hatte ich meine erste Single. Den Song weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass er Hürdenläufer war. Alle berühmten Sportler hatten damals zu singen.

Yaris…

Das Beste in meinem Leben.

Herbert Dreilich…

Ein toller, interessanter und feinfühliger Mensch und Musiker. Der Verursacher unserer Version von „Sieben Brücken“.

Gott…

Eine wichtige Instanz. Die Dimension, die funktioniert, wenn alle anderen nicht funktionieren.


Am 15. Januar 2015 startet Peter Maffay in Hamburg (O2-World) seine Hallentour „Wenn das so ist“. Die Tournee umfasst 19 Konzerte, zum Beispiel in Dortmund (Westfalenhalle, 16. Januar), Köln (Lanxess-Arena, 17. Januar), Hannover (Tui-Arena, 10. Februar), Halle/Westfalen (Gerry Weber Stadion, 12. Februar), Bremen (ÖVB-Arena, 13. Februar).