Tom Tykwer hat den Hut auf ARD und Sky planen gemeinsame Serie „Babylon Berlin“

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Der international renommierte Regisseur Tom Tykwer übernimmt die Rolle des sogenannten Showrunners und damit geschäftliche wie kreative Verantwortung. Foto: dpaDer international renommierte Regisseur Tom Tykwer übernimmt die Rolle des sogenannten Showrunners und damit geschäftliche wie kreative Verantwortung. Foto: dpa

Osnabrück. Unter dem Titel „Babylon Berlin“ wird unter Federführung von Tom Tykwer eine „wegweisende gemeinsame“ TV-Serie für die ARD und den Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland entwickelt. Damit betreten beide Sender Neuland.

Lange Zeit wirkte es so, als könne das Bezahlfernsehen in Deutschland seine Abonnenten mit Fußball und eingekaufter Mischware aus aktuellen Spielfilmen und TV-Serien bei der Stange halten. Qualitativ hochwertige Eigenproduktionen wie „Die Sopranos“, womit internationale Pay-TV-Anbieter überhaupt erst ihre Daseinsberechtigung begründen, sind im deutschen Bezahlfernsehen bislang Fehlanzeige. Das ist schon angesichts der Tatsache, dass das Angebot von Sky Deutschland und dessen Vorgänger Premiere seit Februar 1991 den Pay-TV-Markt dominiert, erstaunlich.

Internationales Niveau

Dieser Umstand soll nun der Vergangenheit angehören. Während Online-Mediatheken wie Netflix boomen und die herkömmlichen Anbieter erschrecken, schlägt Sky Deutschland erstmals eine Brücke von der Abspielstation für eingekaufte Ware zum Koproduzenten einer „wegweisenden Premiere in der deutschen Film- und Medienlandschaft“. So heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Produktionsfirmen und -anstalten X-Filme, ARD, Sky und Beta Film. Unter dem Titel „Babylon Berlin“ soll eine in den 1920er-Jahren in Berlin angesiedelte Polizeiserie um „Drogen und Politik, Mord und Kunst, Emanzipation und Extremismus“ entstehen. Die Vorlagen stammen aus der Feder von Bestseller-Autor Volker Kutscher .

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Da die Serie mit internationalen – gemeint sind US-amerikanische – Produktionen mithalten soll, überträgt die Produzentengemeinschaft dem international renommierten Regisseur Tom Tykwer auch gleich die Rolle des sogenannten Showrunners. Hinter diesem Begriff steckt kein Laufbursche, sondern jene federführende Person, die die Produktionsabläufe nicht nur geschäftlich, sondern vor allem auch im kreativen Bereich überwacht und lenkt.

Besonders bewährt hat sich das Konzept des Showrunners in Serien, die ihre Geschichten horizontal erzählen. Deren Episoden also aufeinander aufbauen wie beispielsweise in „The Walking Dead“,Die Vorlagen stammen aus der Feder von Bestseller-Autor Volker Kutscher„Homeland“ oder „House of Cards“. Tykwer verspricht sich und seinem Publikum nun mit diesem Konzept „Genrekino, epischen Atem und politische Spurensuche“ in gesellschaftshistorischem Kontext und „innovativer Erzählform“. Qualitativ hochwertige TV-Serien wurden natürlich auch schon zuvor für deutsche TV-Sender produziert. Man denke nur an Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“ (2010), das dann allerdings wegen relativ schwacher Einschaltquoten im Spätprogramm des Ersten der ARD ein undankbares Ende fand.

Man darf gespannt sein, welchen Sendeplatz die ARD für „Babylon Berlin“ finden wird. Wobei die Rundfunkgebührenzahler hier sowieso nur in der zweiten Reihe sitzen. Wie eine ARD-Sprecherin gegenüber unserer Redaktion bestätigt, wird die Serie im Ersten erst rund ein Jahr nach der Premiere bei Sky Deutschland zu sehen sein. Was auch an der generellen Schwerfälligkeit des öffentlich-rechtlich verwalteten Fernsehens liegt, Sendeplätze für neue Formate zu finden. Da erscheint – Beispiel „Weißensee“ – eine komplette Staffel schon mal ein halbes Jahr vor ihrer TV-Premiere als DVD und Blu-ray .

Das Bezahlfernsehen von Sky tut sich da weniger schwer. Wieso es aber so lange gedauert hat, bis Sky Deutschland überhaupt den Mut zur Koproduktion einer deutschen TV-Serie aufgebracht hat, ist trotzdem schwer zu verstehen. „Wenn Sky eine fiktionale Eigenproduktion beauftragt, bedarf es dafür einer gewissen Flughöhe“, umschreibt Sky-Sprecher Ralph Fürther das hohe finanzielle Risiko solch einer Produktion gegenüber unserer Redaktion.

Latte liegt hoch

„Unsere Zuschauer sind qualitativ hochwertiges Fernsehen gewohnt. Unsere Abonnenten lieben zum Beispiel Produktionen von HBO. Folglich braucht es dafür den richtigen Zeitpunkt, das entsprechende Budget und das richtige Drehbuch.“

Da liegt die Latte freilich sehr hoch. Aber Sky Deutschland zeigt sich zuversichtlich. Weitere Koproduktionen sollen folgen. „Irgendwann“, so Fürther, „werden unsere Kunden auch in den Genuss einer Eigenproduktion kommen.“ Also ganz ohne öffentlich-rechtliche Mitfinanzierung.


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