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Kritik zur ersten Folge von Staffel 5 „The Walking Dead“: Blutiger Auftakt zur neuen Staffel

Von Manuela Kanies

Andrew Lincoln als Rick Grimes kämpft auch in der fünften Staffel von „The Walking Dead“ um das Überleben seiner Familie. Gene Page/AMCAndrew Lincoln als Rick Grimes kämpft auch in der fünften Staffel von „The Walking Dead“ um das Überleben seiner Familie. Gene Page/AMC

Osnabrück. Brutaler und actionreicher sollte sie sein, die Auftaktfolge der fünften Staffel der US-Serie „The Walking Dead“. Am Montagabend konnten sich die deutschen Fans auf dem US-Sender Fox von dem Ergebnis ein eigenes Bild machen: Siehe da, die Produzenten und Schauspieler hatten nicht zu viel versprochen. Möglicherweise haben die Zuschauer eine der besten Folgen überhaupt gesehen.

Achtung, im folgenden Text kommen Spoiler vor!

In der letzten Folge der vierten Staffel trafen einige Gruppenmitglieder um den ehemaligen Polizisten Rick Grimes im geheimnisvollen Ort Terminus ein, den sie als neue Zuflucht sehen wollten. Am Ende wurden alle in einen Waggon eingesperrt, erneut um ihre Hoffnungen betrogen. So verwundert es nicht, dass die Auftaktfolge der fünften Folge „No Sanctuary“ (Keine Zuflucht) heißt. Was können die Zuschauer generell von der fünften Staffel 5 erwarten?

Stark verwundert und verärgert hat es die Fans am Montagnachmittag allerdings, als der US-Sender Fox bekannt gab, dass die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) entschieden hat, dass die Episode in Deutschland nur geschnitten gezeigt werden darf. Eine Szene zu Beginn fiel also dem Schnitt zum Opfer. Unverständlich, da zum Beispiel Sky-Kunden sowieso ihre Jugendschutz-PIN eingeben müssen, um die Sendung sehen zu können. Fox will nun gegen die Entscheidung gerichtlich vorgehen.

Kannibalen, Zombies, ein blutiger Kampf

Das Ende der vierten Staffel war aufregend und natürlich mit einem fiesen Cliffhanger bestückt. Schön, dass die Auftaktfolge der fünften Staffel fast nahtlos daran anknüpft. Rick, Daryl, Glenn und Bob werden im wahrsten Sinne des Wortes zur Schlachtbank geführt, gleich zu Beginn wird also klar, was die Bewohner von Terminus sind: Kannibalen.

Schlächter oder Schlachtvieh?

Doch, so wird es in der Rückschau klar, waren sie eigentlich friedliche Menschen, die mit Terminus einen Zufluchtsort bieten wollten. Dieser Ort wurde allerdings von einer brutalen Gruppe überfallen, ihre Freundlichkeit ausgenutzt, fortan herrschten dort Vergewaltigung und Folter, bis sich die heutigen Kannibalen wieder befreien können. Wie viel hält ein Mensch aus, bevor er selbst zur Bestie wird? Dieser Frage geht „The Walking Dead“ seit der ersten Staffel nach. Jäger oder Gejagter, Schlächter oder Schlachtvieh: Für die Bewohner von Terminus gibt es nur diese beiden Möglichkeiten. Ihre Rechtfertigung für die Ermordung Unschuldiger ist also, wir töten euch zuerst, bevor ihr uns tötet. Die Möglichkeit einer friedlichen Ko-Existenz mit anderen wird ausgeschlossen.

Der Rächer Rick ist zurück

Auch für Rick Grimes ist das Ende der Menschlichkeit erreicht, bedroht jemand seine Familie: Kaum kann er sich dank Carols Hilfe befreien, zeigt er sich von seiner brutalen und unerbittlichen Seite und will alle Bewohner von Terminus töten. Die anderen, unter ihnen auch Eugene, der angeblich ein Heilmittel für die Zombie-Seuche kennt, und Sascha, Tyreeses Schwester, wollen ihn davon abhalten, sie sehen keinen Sinn in einem Rachefeldzug und wollen einfach nur weg. Mitten in der Diskussion taucht Carol auf, die dank einer Zombie-Horde und zahlreichen Waffen Terminus in Flammen aufgehen ließ. Hier ist dann auch einer der rührendsten Momente der Folge, denn Daryl schließt sie in die Arme wie eine verloren geglaubte Geliebte. Auch Rick scheint ihr verziehen zu haben und bedankt sich.

Die Heldin Carol

Zum Hintergrund: Carol wurde von Rick aus der Gruppe in der vierten Staffel ausgeschlossen, weil sie Mitglieder der Gruppe im Gefängnis getötet hatte, um die Ausbreitung einer tödlichen Krankheit zu stoppen. Sie traf jedoch nach dem finalen Kampf gegen den Governor im Gefängnis auf Tyreese sowie die beiden Mädchen Lizzie und Mika und Ricks Tochter Judith. Zusammen flohen sie nach Terminus auf der Suche nach den anderen.

Während Carol in der aktuellen Folge also den anderen hilft, muss Tyreese sich beweisen und Baby Judith verteidigen. Und wird damit zum Mörder an einem Menschen aus Selbstverteidigung.

Reichlich Action für die Beißer

Ach ja, die Zombies: Make-up-Designer und Produzent Greg Nicotero übertrifft sich mit seinen brennenden Zombies mal wieder selbst. Auch die „Mahd“, die große Gruppe der Zombies, die in Terminus einfällt, ist wie gewohnt gut gemacht. Außerdem wurde es wohl mal Zeit für eine Hommage: Carol befreit die anderen, indem sie sich wie Rick Grimes in der ersten Staffel mit Zombie-Blut beschmiert, damit die Beißer sie nicht riechen. War das noch einer der Ekel-Momente in der ersten Staffel, bleibt bei dieser Folge die Frage, warum in der Auftaktszene so radikal geschnitten wurde, dass ein wenig der Zusammenhang zur nächsten Szene fehlt. Die Darstellung, wie die Bewohner von Terminus sterben, von den Zombies niedergemetzelt werden, ist derart blutig, dass der Zuschauer sich fragt, warum der Anfang geschnitten wurde. Möglicherweise weil dort ein Mensch von einem Menschen umgebracht wird und nicht von Zombies...

Offene Fragen

Am Ende werden diejenigen gezeigt, die einst die Bewohner von Terminus überfielen und sie somit zu rachsüchtigen Mördern machten. Es ist wahrscheinlich, dass auch Ricks Gruppe irgendwann auf sie treffen wird. Und schließlich taucht noch Morgan auf, er rettete Ricks Leben in der allerersten Folge von „The Walking Dead“, in Staffel 3 trafen die beiden erneut aufeinander und nun fragt der Zuschauer sich, führt Morgan Gutes oder Böses im Schilde? Außerdem: Was ist eigentlich mit Beth Greene, Maggies Schwester und zuletzt Daryls Schutzbefohlene? Sie wurde in der vierten Staffel entführt, in der kommenden Folge am nächsten Montag, 20. Oktober, könnte es auf Fox ab 21 Uhr die Antwort auf diese Frage geben. Hier geht es zu einem Trailer für die zweite Folge.

Fazit: Ein nahtlos anknüpfender Auftakt an den fiesen Cliffhanger der vierten Staffel, reich gefüllt mit Action, Zombies und rührenden Szenen, nicht zuletzt, als Rick seine Tochter Judith wieder in die Arme schließen kann. Dazu wird erneut die Frage aufgegriffen, wer zuletzt seine Menschlichkeit den Zombies zum Fraß hinwirft, um überleben zu können. Eine gelungene Episode, die gehalten hat, was im Vorfeld versprochen wurde. Man darf gespannt sein, wie und ob dieses Niveau beibehalten wird.

Rick Grimes ohne Bart

Aber die wichtigste Frage ist derzeit: Warum tauchte Schauspieler Andrew Lincoln bei der US-Premiere der neuen Staffel auf dem roten Teppich ohne Bart auf? Für die letzten Staffeln durfte er sich nicht rasieren, da Rick Grimes auch im Comic mit wachsender Gesichtsbehaarung zu kämpfen hat. Stirbt Rick also demnächst? Es bleibt spannend...


Die Serie wird in Deutschland von dem US-Sender Fox ausgestrahlt, der unter anderem via Sky, Kabel Deutschland und Unity die Folgen ausstrahlt. In Deutschland hat Fox International Channels laut eigener Auskunft über sechs Millionen Abonnenten.