Hut ab! Hart aber fair: Plasbergs mutige Fragen zur Sterbehilfe

Hart aber fair: Beim Thema Sterbehilfe diskutiert Frank Plasberg in der ARD mit dem Sterbehelfer Uwe-Christian Arnold, der Ehrenpräsidentin der Deutschen Schmerzliga Marianne Koch, dem Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages und Theologen Peter Hintze, dem Hartmannbund-Vorsitzenden Klaus Reinhardt und der Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert. Screenshot: ARDHart aber fair: Beim Thema Sterbehilfe diskutiert Frank Plasberg in der ARD mit dem Sterbehelfer Uwe-Christian Arnold, der Ehrenpräsidentin der Deutschen Schmerzliga Marianne Koch, dem Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages und Theologen Peter Hintze, dem Hartmannbund-Vorsitzenden Klaus Reinhardt und der Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert. Screenshot: ARD

Berlin. Frank Plasberg diskutiert im ARD-Talk „hart aber fair“ das sensible Thema Sterbehilfe – und liefert mit dem Mut zu schmerzhaften Fragen eine gute Sendung ab.

Frank Plasberg diskutiert im ARD-Talk „hart aber fair“ das Thema Sterbehilfe. Ein sensibles Thema, bei dem manche Frage Mut kostet. Plasberg hat ihn. Im Einzelgespräch befragt er den holländischen Journalisten Gerbert van Loenen, der seinen Lebensgefährten bis in den Krebstod begleitet hat. „Wollte Niek sterben?“, fragt Plasberg nach dem Mann, den die OP des Hirntumors einen Teil seiner Geisteskräfte kostete. Plasberg geht aber noch weiter und fragt den Hinterbliebenen, ob er sich den Tod des Freundes manchmal gewünscht hat. Hut ab!

„hart aber fair“ wagt Fragen, die wehtun

Mit Respekt stellt Frank Plasberg in „hart aber fair“ die schmerzlichen Fragen, um die es beim Thema Sterbehilfe eben geht. Eine gute Voraussetzung, dass die Sendung gelingt, deren Hauptgesprächspartner diese sind: der Sterbehelfer Uwe-Christian Arnold, die Ehrenpräsidentin der Deutschen Schmerzliga Marianne Koch, der Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages und Theologe Peter Hintze, der Hartmannbund-Vorsitzende Klaus Reinhardt und die Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert.

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„hart aber fair“: der Kern der Debatte

Mit seinen Experten gelingt es Plasberg bei „hart aber fair“ zuallererst, Standardargumente auszuräumen. Im oft aufgewühlten Tonfall stellt die Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert klar: „Palliativmedizin ist von uns allen gewünscht und gewollt. Es sind falsche Alternativen, die hier angeboten werden.“ Schöne-Seifert beruft sich auf eine Umfrage zum Wunsch nach Sterbehilfe: „Nicht Schmerzen sind das am häufigsten genannte Argument, sondern Angst vor Kontrollverlust, Angst vor Verlust der Würde und des Lebenssinns.“ Immer wieder übernimmt Schöne-Seifert es, die Debatte auf den Kern zurückzuführen: Es geht nicht um Depressive, sondern um Menschen mit einer unheilbaren, für sie unerträglichen organischen Krankheit.

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Plasberg als Korrektiv

Hier ist Schöne-Seifert sich mit dem CDU-Mann Peter Hintze einig, der sich mit einem eigenen, liberaleren Konzept gegen seinen Gesundheitsminister wendet. Obwohl Hintze nicht nur als Politiker, sondern ausdrücklich auch als Theologe in der Runde sitzt, spielen die religiösen Motive bei der Ablehnung von Sterbehilfe bei „hart aber fair“ nie eine Rolle. Ein Manko. Wo christliche Moralvorstellungen die Debatte unterschwellig prägen, da gehören sie auch ausgesprochen. Dafür ist Plasberg immer dann sehr wach, wenn Marianne Koch, die Ehrenpräsidentin der Deutschen Schmerzliga, mit Scheinargumenten kommt. Als Koch vor leichtfertigen Entscheidungen warnt, widerspricht Plasberg dem verletzenden Vorwurf an alle Betroffenen, die sich – gerade in der aktuellen Rechtslage – gewiss alles andere als leichtfertig mit dem eigenen Tod oder mit dem geliebter Menschen auseinandersetzen.

Gerbert van Loenen bei „hart aber fair“

Dass Plasbergs „hart aber fair“ nicht einseitig wird, verdankt sich nicht zuletzt dem Gespräch mit Gerbert van Loenen. Hier geht es um eine Frage, die für Sterbehilfe-Befürworter schwierig ist: Wie verändert sich die gesellschaftliche Stimmung bei einer liberaleren Sterbehilfe-Gesetzgebung wie in den Niederlanden. Van Loenen antwortet mit dem Zitat einer Freundin. Die hat dem nach der Tumor-OP behinderten Niek den Suizid mit den Worten nahegelegt: „Es ist deine Entscheidung weiterzuleben, also darfst du auch nicht jammern.“ Eine zynische Kosten-Nutzen-Rechnung von medizinischen Behandlungen hat er nie erlebt; den gut gemeinten Ratschlag an Patienten empfindet er aber zum Teil als bevormundend. Ein nachdenkliches Stimmungsbild aus dem Nachbarland.

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