Von Anfang an dabei Gerd Pape - der ewige Komparse bei „Notruf Hafenkante“

Von David Sarkar

„So wie andere ins Fitnessstudio gehen, gehe ich zur Hafenkante“, sagt Gerd Pape. Der Komparse ist von Anfang an dabei und will noch lange nicht aufhören. Foto: David Sarkar„So wie andere ins Fitnessstudio gehen, gehe ich zur Hafenkante“, sagt Gerd Pape. Der Komparse ist von Anfang an dabei und will noch lange nicht aufhören. Foto: David Sarkar

Hamburg. Im ZDF läuft mittlerweile die 9. Staffel der Erfolgsserie „Notruf Hafenkante“. Mit dabei ist Gerd Pape als Polizeioberkommissar Petzak. Der 68-Jährige ist Komparse der ersten Stunde. Seine Arbeit findet im Hintergrund statt, doch er nimmt sie sehr ernst.

Er hat keine Autogrammkarten, steht nie im Abspann, und wenn er von Zuschauern auf der Straße angesprochen wird, geht es nicht um seine Rolle. Doch wenn der Regisseur „Und bitte!“ ruft, dann ist Gerd Pape ganz da. Dann schlüpft er in seine dunkelblaue Uniform und rotiert als Polizeioberkommissar Petzak durch das Polizeikommissariat 21 der ZDF-Serie „Notruf Hafenkante“ . Seit Folge 1 ist der 68-Jährige als Komparse dabei. Seit 7 Jahren, 190 Episoden und 8 Staffeln. „So wie andere ins Fitnessstudio gehen, gehe ich zur Hafenkante“, sagt er.

Hauptrolle für Hamburg

Unspektakulär sieht es aus, das Gewerbegebiet im Hamburger Stadtteil Hummelsbüttel. Autohäuser, ein Elektromarkt und einige Büsche. Hier in einem großen Backsteingebäude im Lademannbogen befindet sich das Studio der Polizeiserie, die mit spannenden Geschichten aus dem PK 21 und dem Elbkrankenhaus jeden Donnerstag um 19.25 Uhr rund 4 Millionen Zuschauer vor den Bildschirm lockt. Mit einem durchschnittlichen Marktanteil von 15 Prozent gehört „Notruf Hafenkante“ zu den Serienzugpferden des Mainzer Senders. Seit Mai dieses Jahres produziert Studio Hamburg Produktion in der Hansestadt 27 neue Folgen, kürzlich startete die neue Staffel.

Wenn Pape über die Serie spricht, gerät er ins Schwärmen: „Die Hafenkante ist Hamburg. Die Stadt ist in der Serie die Nummer eins. Diese ganzen Bilder, die tollen Geschichten und unsere super Schauspieler. Das passt alles zusammen“, sagt er. Schauspielen überhaupt sei eine große Leistung, das betont er oft: „Das sieht alles so leicht aus, aber ist doch harte Arbeit“. Als Teammitglied sieht er sich jedoch nicht: „Wir Komparsen sind außen vor. Ich gehöre zur Hafenkante, aber nicht zum Team. Das muss man ganz klar trennen“, sagt er. Würde er es anders sehen, hätte er Erwartungen, die enttäuscht werden könnten. Eine hat er dann aber doch: „Ich erwarte, dass man meine Arbeit respektiert.“ Und das wird sie.

Sanna Englund, als Polizeioberkommissarin Melanie „Melli“ Hansen, ebenfalls seit Folge 1 dabei, schätzt die Arbeit mit dem gebürtigen Pinneberger: „Gerd ist einfach ein Profi. Es macht Spaß, sehr viel Spaß mit ihm zu arbeiten“, sagt sie. Und fügt einen Satz hinzu, bei dem Pape verlegen lächeln muss: „Er gehört mittlerweile schon zum festen Haupt-Cast.“ Oft werde diese Arbeit so unterschätzt, dabei sei es ganz wichtig, dass das Spiel im Hintergrund genauso authentisch ist wie das Spiel direkt vor der Kamera. „Das schafft Gerd mit einer Bestnote“, lobt Englund.

Mit Harald Maack, seit der zweiten Folge als Polizeioberkommissar Jörn „Wolle“ Wollenberger auf Sendung, hat Pape besonders viel zu tun. Beide stehen am Funktresen und oft gemeinsam vor der Kamera. „Es ist schön, wenn man weiß, dass man sich auf seine Komparsen verlassen kann“, sagt Maack. Das Pensum sei zu groß, um neuen Leuten am Set immer wieder alles neu erklären zu müssen. „Das müssen wir bei unseren Komparsen nicht, und das ist sehr angenehm“, so der gelernte Theaterschauspieler.

Fürs Theater begeistert sich auch Pape, schon seit der Schulzeit und bis heute. „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist war sein erstes Stück, mit seiner Schulklasse sah er es im Hamburger Schauspielhaus. Dort ist er bis heute Stammgast. „Ich bin mit dem Schauspielhaus durch alle Höhen und Tiefen gegangen. Dieses Theater bedeutet mir viel“, sagt er. Und wäre sein Leben anders verlaufen, dann wäre er heute vielleicht auch Schauspieler. Doch als „Nachkriegskind, Jahrgang 1946“ sei das kein Thema gewesen.

Statt am Theater ließ sich Pape beim Finanzamt ausbilden, arbeitete als Betriebsprüfer und in der Steuerfahndung. Der Beruf habe ihm Spaß gemacht, aber manchmal denke er schon daran, wie es gewesen wäre, als Schauspieler zu arbeiten. Doch die Umstände ließen es nicht zu: „Ich musste damals Geld für meine Familie verdienen und brauchte einen sicheren Job“, sagt er. Sein Sohn (41) arbeitet heute als Lehrer, die Tochter (36) als Juristin. Beide verfolgen die Arbeit ihres Vaters mit Stolz: „Das sind halt meine Fans, so wie ich auch Fan meiner Kinder bin“, sagt er.

Die Lust am Spielen ließ Pape jedoch nie ganz los. Als Erwachsener, die Kinder waren aus dem Haus, besuchte er Schauspielkurse an der Volkshochschule und spielte kleine Rollen im „Lichthof“ in Hamburg-Altona, „als das noch ganz unbekannt war“. Dann habe man mit professionellen Schauspielern arbeiten wollen, und die Laien seien nicht mehr gefragt gewesen. „So ist das eben im Leben“, sagt Pape.

Doch der Pinneberger gab nicht auf und sprach als Kleindarsteller beim „Hamburger Jedermann“ in der Speicherstadt vor. Er wurde genommen und fuhr als Chauffeur sieben Jahre lang den damaligen Hauptdarsteller Rolf Becker vor. „,Herr Jedermann, Telefon‘, das war mein Satz. Das hat großen Spaß gebracht, und Rolf Becker und ich haben uns durch diese Arbeit sehr gut kennengelernt“, erzählt Pape. Doch dann kam ein neuer Hauptdarsteller, der keinen Chauffeur mehr wollte. Und Pape war weg. Doch nicht lange.

Durch eine Zeitungsannonce erfuhr er 2007 vom Drehstart für „Notruf Hafenkante“. Heute ist er der dienstälteste Komparse auf dem Fernsehrevier. „Ich hoffe, dass ich noch lange dabei sein kann“, sagt er. Eine Garantie dafür hat er nicht, denn er wird von Folge zu Folge gebucht. „Ich kann nur immer wieder 1000 Prozent geben. Und das mache ich“, fügt er hinzu, rückt seine Uniform zurecht und geht zurück ans Set.


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