Thalbach und Frier „Die Schlikkerfrauen“: Was taugt der Sat.1-Film?

Von Daniel Benedict

Aus Schlecker wird Schlikker:  Katharina Thalbach (zweite von links) ist früher vor allem wegen des Namens zur Drogeriekette gegangen. Nun ist sie der Star in „Die Schlikkerfrauen“ auf Sat1. Foto: Sat1, Richard HübnerAus Schlecker wird Schlikker: Katharina Thalbach (zweite von links) ist früher vor allem wegen des Namens zur Drogeriekette gegangen. Nun ist sie der Star in „Die Schlikkerfrauen“ auf Sat1. Foto: Sat1, Richard Hübner

Berlin. Katharina Thalbach und Annette Frier sind die Stars in der Sat1-Komödie „Die Schlikkerfrauen“. Den 36.000 realen Schleckerfrauen geben sie in dem Film ein Gesicht.

Als die Drogeriekette Schlecker vor zwei Jahren in die Insolvenz ging, verloren 36.000 Mitarbeiterinnen ihre berufliche Existenz. Die „Schlikkerfrauen“ von Sat1 nehmen stellvertretend Rache, besetzen ihre Filiale in Berlin-Moabit und kidnappen auch noch den Firmenchef. Um die komplexe Logik von Schleckers Imperium oder die Abwicklung der Insolvenz geht es bei diesem Plot erkennbar nicht. Stattdessen prangert Regisseur Uwe Janson Alltagsschweinereien im Drogeriegeschäft an und konzentriert sich auf seine Porträts der Malocherinnen. Im Zentrum: Greta, ein Moabiter Urgestein, das die Filiale seit Jahrzehnten leitet und trotzdem bettelarm im Kleingarten haust.

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Wo kauft Thalbach ein?

Gespielt wird Greta von einer Expertin für proletarische Helden: Katharina Thalbach. War sie früher Schlecker-Kundin? „Bei mir um die Ecke ist noch so eine richtig alte Drogerie. In die gehe ich am liebsten“, erzählt sie. „Und dann gab’s früher in der Nachbarschaft auch einen Schlecker. In den bin ich vor allem reingegangen, weil er so einen schön unanständigen Namen hatte.“ Ansonsten setzt Thalbach auf Einkauf mit Gewissen: „Ich gehöre zu der Minderheit, die eigentlich fast nur in den Bio-Markt geht.“ Selbst bei Kleidern achtet sie auf heimische Produktion und meidet Glamour: „Weil die teuren Designer auch nur noch Kinderarbeit machen, wie ich jetzt erfahren habe. Das sind ja alles Verbrecher!“

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Den Regisseur Janson kennt Thalbach von der Sat1-Satire „Der Minister“. Produzent Nico Hofmann hatte damals mit einem Serienableger für ihre Paraderolle als Kanzlerin Murkel geliebäugelt. Katharina Thalbach glaubt aber nicht mehr an eine Weiterbeschäftigung als Kanzlerin: „Jeder hat seine Legislaturperiode, und meine ist abgelaufen.“ Grundsätzlich ist sie Serien gegenüber nicht abgeneigt: „Ich würde nie im Voraus Nein sagen – schon weil ich selbst so gerne Serien gucke. Ich bin ein absoluter ,Poirot‘- und ,Barnaby‘-Fan.“ Aber ob es klappt, hängt bei ihr „von vielen Faktoren ab“. Einer davon ist, ob in Berlin gedreht wird.

„Bitte, bitte, berlinern!“

Dass Greta in den „Schlikkerfrauen“ zum Berliner Original wurde, verdankt sich auch Thalbachs Einfluss: „Das Drehbuch war nicht so geschrieben, aber ich habe Uwe Janson noch in der ersten Besprechung gefragt: Bitte, bitte, darf ich berlinern? Uwe hat gleich Ja gesagt, und ich war selig. Ich habe mir die Dialoge dann alle selbst übersetzt.“

Es liegt aber nicht nur an der Mundart, dass Thalbachs Figur das Herz des Films ist. Die Nebenfiguren – eine alleinerziehende Analphabetin, ein Castingsternchen, eine Türkin, der die arrangierte Ehe droht – tragen Problemthemen im Vorratspack in den Film. Auch Greta ist als suizidale Diabetikerin hemmungslos überzeichnet. Im Spiel von Thalbach wird sie aber trotzdem zu einer märchenhaften Figur, die dem Film über manche Schwäche hilft – vor allem in ihrer ambivalenten Liebe zum entführten Boss Schlikker. Den spielt bei Sat1 der eleganteste aller Vorabendstars: Sky du Mont. Im ZDF übernimmt dann Robert Atzorn den Part. Hätte Thalbach mit ihm auch so einen charmanten Flirt hingelegt? „Hmhmhm – das ist jetzt aber eine Gretchen-Frage“, schmunzelt sie. „Wenn er sich Mühe gegeben hätte – warum nicht?“

„Die Schlikkerfrauen“. Sat1, 20.15 Uhr. Im Anschluss folgt der Porträtfilm: „Schleckerland ist abgebrannt: Mein Leben nach der Pleite“.