Schlecker-Film „Die Schlikkerfrauen“: Mochten Sie Schlecker, Frau Thalbach?

Von Daniel Benedict

Die Schlikkerfrauen auf Sat.1: Katharina Thalbach. Foto: Sat.1, Richard HübnerDie Schlikkerfrauen auf Sat.1: Katharina Thalbach. Foto: Sat.1, Richard Hübner

Berlin. Katharina Thalbach ist der Star im Sat.1-Film „Die Schlikkerfrauen“. Im Interview verrät sie, wo sie selbst einkauft, ob es eine zweite Amtszeit für Kanzlerin Murkel gibt und ob sie auch mit dem ZDF-Schlecker Robert Atzorn so charmant geflirtet hätte.

Am Dienstag, 30. September, um 20.15 Uhr, verleiht Katharina Thalbach den „Schlikkerfrauen“ bei Sat.1 ein Gesicht. Im Interview erzählt sie, wo sie selbst einkauft.

Frau Thalbach, waren Sie früher Schlecker-Kundin?

Na ja, wir wollen mal nicht übertreiben. Ich bin halt in den nächsten Drogerie-Markt gegangen, der gerade in der Nähe war. Bei mir um die Ecke ist noch so eine richtig alte Drogerie. In die gehe ich am liebsten. Und dann gab’s früher in der Nachbarschaft auch einen Schlecker. In den bin ich vor allem reingegangen, weil er so einen schön unanständigen Namen hatte. Das hat mir natürlich gefallen. Nun hat er dichtgemacht.

So ein unschuldiges Vergnügen bietet der Einkauf heute kaum noch – weil mal die deutschen Mitarbeiter draufzahlen, mal die Fabrikarbeiter in Fernost, weil das Fischstäbchen nicht ohne Überfischung und das Kinderspielzeug nicht ohne Schadstoffe zu haben ist.

Ich gehöre zu der Minderheit, die eigentlich fast nur in den Bio-Markt geht.

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Da kriegen Sie aber nichts zum Anziehen.

Kleider kaufe ich beim Waschbär im Internet. Das sind heimische Produkte. Weil die teuren Designer auch nur noch Kinderarbeit machen, wie ich jetzt erfahren habe. Das sind ja alles Verbrecher! Ich achte da sehr genau drauf – bei fast allem jedenfalls. Klopapier und Waschmittel kaufe ich noch im Drogerie-Markt.

Gab’s eine Testvorführung mit Schlecker-Frauen?

Ja, die gab es. Die waren einhellig alle ziemlich begeistert und hatten das Gefühl, man hat ihnen ein Denkmal gesetzt. Darüber war ich dann natürlich sehr froh.

„Die Schlikkerfrauen“ ist eine Malocher-Komödie. In welchen Situationen empfinden Sie ihren eigenen Beruf als Arbeit?

Na, bei den blöden Tanzszenen am Anfang und am Ende. Das fand ich gar nicht schön; wir hatten auch viel zu wenig Zeit zum Üben. Es war eine fürchterliche Trickserei. Ich hoffe inständig, dass man mir die Mühen nicht ansieht.

Sie haben mit dem Schlikker-Regisseur Uwe Janson schon die Rolle der Kanzlerin Murkel entwickelt – hatten Sie damals schon Lust, jetzt mal von der Regierungselite zu den Regierten zu wechseln?

Auf dem Theater habe ich ja oft Gelegenheit, proletarische Figuren zu spielen. Da brauche ich keinen zweiten Film zur Erholung. Aber ich habe mich gefreut, wieder mit Uwe zu arbeiten.

Uwe Janson könnte Ihnen in der Breite seiner Interessen ohnehin liegen: Wie Sie macht er gern Unterhaltung für das große Publikum, erlaubt sich aber auch sperrige Theaterfilme wie „Baal“ und „Peer Gynt“.

Und das gefällt mir natürlich gut. Wobei ich es auch im Theater gern habe, wenn viele Leute reingehen. Und das ist Gott sei Dank auch der Fall.

Nico Hofmann hatte nach der Satire „Der Minister“ angedeutet, Sie könnten als Kanzlerin Murkel in Serie gehen. Wann wird das denn nun endlich umgesetzt?

Jeder hat seine Legislaturperiode, und meine ist abgelaufen.

Hätten Sie denn generell Lust auf serielles Arbeiten?

Ach, das hängt von so vielen Faktoren ab. Ob in meiner Stadt gedreht wird, wer mitmacht, was der Stoff ist. Ich würde nie im Voraus nein sagen – schon weil ich selbst so gerne Serien gucke. Ich bin ein absoluter „Poirot“- und „Barnaby“-Fan. Ich liebe Serien.

Sie betonen den Drehort Berlin. War das auch ein Grund, bei den „Schlikkerfrauen“ zuzusagen?

Das war für mich ein sehr, sehr starkes Argument. Das Drehbuch war nicht so geschrieben, aber ich habe Uwe Janson noch in der ersten Besprechung gefragt: Bitte, bitte, darf ich berlinern? Uwe hat gleich ja gesagt, und ich war selig. Ich habe mir die Dialoge dann alle selbst übersetzt. So eine zentrale Figur, und dann in dem Alter – die muss die Sprache ihrer Stadt sprechen. Ob Ost oder West, war mir egal, aber es musste Berlinerisch sein.

Am 13. Oktober zeigt auch das ZDF einen eigenen Zweiteiler zur Schlecker-Pleite, zwei Wochen nach ihrem Film. Wann haben Sie von der Konkurrenz erfahren?

Früh, aber ich habe keinen Gedanken daran verschwendet. Warum soll es keine zwei Filme geben, wenn ein Thema in der Luft liegt? Für mich ist das keine Konkurrenz. Die Filme nehmen sich nichts weg. Wenn ich an dem Abend nicht Theater spiele, gucke ich bestimmt mal rein. Aber meistens arbeite ich abends; da ist Fernsehen so eine Sache.

Beim ZDF spielt Robert Atzorn den Firmenchef. Hätte Greta sich in den auch vergucken können oder brauchte es so einen eleganten Mann wie Sky du Mont?

Hmhmhm – das ist jetzt aber eine Gretchen-Frage. Ich kann das gar nicht beantworten. Das hängt von Herrn Atzorn ab und von seiner Fähigkeit, mit mir zu flirten. Es muss ja eine Chemie aufkommen. Wenn er sich Mühe gegeben hätte – warum nicht?

Als Dr. Specht war er ja sehr umworben!

Eben! Man weiß es also nicht. Als Schauspieler mag ich ihn sehr; die Voraussetzung hätte er auf jeden Fall gehabt.