Sternstunde eines Moderators Die perfekte Panne für Sebastian Pufpaff

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Als Kabarettist ist Sebastian Pufpaff (hier bei einem Auftritt in Osnabrück) eher gehobenes Mittelmaß, als TV-Moderator aber stößt er in die Spitzengruppe vor. Foto: Michael GründelAls Kabarettist ist Sebastian Pufpaff (hier bei einem Auftritt in Osnabrück) eher gehobenes Mittelmaß, als TV-Moderator aber stößt er in die Spitzengruppe vor. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, muss man diesen Mann bald nicht mehr vorstellen: Der 38-jährige Sebastian Pufpaff kommt aus Bonn, ist ein ordentlicher Kabarettist – aber vor allem ein begnadeter Moderator.

Endgültig bewiesen hat er das bei der WDR-Gala „Prix Pantheon“, als er aus einer Technikpanne die schönste Improvisation seit dem Torfall von Madrid machte. Sollte ihm nach diesem Parforceritt niemand eine große Show angeboten haben, ist dem deutschen Fernsehen nicht mehr zu helfen. Kann man von einem Moderator noch mehr erwarten, als während einer elend langen technischen Panne plötzlich ins Publikum zu laufen und zu sagen: „So Freunde, jetzt bin ich hier Moses, teilt euch... Teilt euch: Vatti kommt!“?

18 Minuten lang fummelten mehrere Techniker bei der diesjährigen Gala des Kabarettpreises „Prix Pantheon“ an einem kaputten Kabel herum. 18 Minuten, in denen die Oldenburger Preisträger „Simon und Jan“ genervt darauf warteten, endlich ihr zweites Lied spielen zu können. Als dann unvermittelt eine Stimme aus der Regie sagte, es sei alles wieder in Ordnung, rief der immer noch zwischen den Zuschauern stehende Moderator entrüstet: „Ich bin noch nicht fertig! Das hat auch etwas mit Respekt mir gegenüber zu tun!“

Danach herrschte im Publikum endgültig Hysterie, auch unter der Prominenz. Elke Heidenreich krümmte sich vor Lachen, Bastian Pastewka ebenso, seine Frau war zuvor schon mehrfach fast vom Stuhl gefallen.

Der Mann, der das zu verantworten hatte, heißt Sebastian Pufpaff. Im Jahr 2010 gewann er noch selbst den Publikumspreis beim „Prix Pantheon“, im Anschluss nahm seine Kabarett-Karriere Fahrt auf. Vier Jahre später durfte er die vom WDR übertragene Veranstaltung moderieren. Eine bessere Wahl hätte der Sender nicht treffen können, Pufpaff erreichte bei seiner ersten großen Show ein Niveau, auf dem in Deutschland derzeit nur Hape Kerkeling moderiert.

Seine Grundausbildung hat Pufpaff ganz unten absolviert: im RTL-Shop. Schönreden will er diese Zeit nicht. „Ich war eine von diesen Teleshopping-Prostituierten“, sagte Pufpaff im vergangenen Jahr bei Markus Lanz . Um sich sein Studium zu finanzieren, vertickte er Haushaltselektronik, „vom Mixer bis zum Mini-Heißluftofen“. Nach knapp zwei Jahren flog er raus, laut Pufpaff kündigte ihm sein Chef mit den Worten: „Wir machen hier Teleshopping und keine Comedy. Das Produkt steht immer im Vordergrund.“

Der Freigestellte nahm sich die Abschiedsworte zu Herzen und versuchte sich nach Abschluss seines Studiums als Kabarettist. Mit ordentlichem Erfolg. Zum über die Szene hinaus gefeierten Star wird Pufpaff in diesem Job aber kaum aufsteigen. Dafür macht er zu viel Betroffenheitskabarett, jammert ein wenig zu vorhersehbar und zu pointenlos über die verrückten Politiker und die abgehobenen Reichen. Weil der empörte Pufpaff häufig in eine Kastraten-Stimmlage fällt und in seinem hektischen Sprechen Wörter verschluckt, hat er ein durchaus mit Matthias Richling vergleichbares Nervensägen-Potenzial. Aber – erstaunlicherweise – eben nur dann, wenn er Kabarett macht.

Als Moderator dagegen fällt Pufpaff sofort in den sanften Ton eines Conférenciers, der sein Publikum unterhalten, aber niemals stressen will. Selbst die Inszenierung gelingt ihm hier tadellos. Vor dem offiziellen Beginn einer Ausgabe seiner 3sat-Kabarettshow „Pufpaffs Happy Hour“ schüttete der Moderator zwei Künstlern aus dem Freistaat hinter der Bühne einen Haufen Schnittchen in eine Plastiktüte und sagte dann grinsend in die Kamera: „Bevor’s die Schweine kriegen, kriegen es die Leute aus Bayern.“

Pufpaffs Meisterstück aber war die achtzehnminütige Improvisation beim „Prix Pantheon“ (die der WDR übrigens unter dem Titel „Sebastian Pufpaff in Höchstform“ bei Youtube präsentiert). Statt durchzuquasseln, beobachtete er das hilflose Treiben der Techniker und nahm sich für jeden Gag Zeit. „Wenn hier gleich Guido Cantz steht, versohl ich dir den Arsch!“, sagte er zum Regisseur der Show, als nach 15 Minuten Fummelei immer noch nichts funktionierte. Seit Marcel Reif und Günther Jauch 76 Minuten lang den Torfall von Madrid komödiantisch vergoldeten, hat im deutschen Fernsehen niemand mehr so schön improvisiert wie der Mann, der stets mit schwarzem Anzug, weißem Hemd, Krawatte und Skateboard-Sneakers auftritt.

Was seine Kleiderwahl angeht, erreicht Pufpaff damit nur das Niveau von Cherno Jobatey. Als Moderator aber spielt Pufpaff in einer ganz anderen Liga – und das gilt auch im Vergleich mit praktisch allen anderen deutschen Moderatoren. Ob man beim ZDF eigentlich weiß, dass es da jemanden gibt, der das in den letzten Zügen liegende „Wetten dass..?“ noch einmal wiederbeleben könnte?


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