zuletzt aktualisiert vor

Locker, lustig – Luke Comedian Luke Mockridge macht genau, was er will

Von Eva Voß

a:2:{s:7:

Osnabrück. Er ist der neue Stern am Comedy-Himmel – Luke Mockridge. Seit zwei Jahren tourt der 25-Jährige mit seinem Programm „I’m lucky, I’m Luke“ durch Deutschland.

Er ist der neue Stern am Comedy-Himmel – Luke Mockridge. Seit zwei Jahren tourt der Sohn des Schauspielerpaars Bill Mockridge und Margie Kinsky mit seinem Programm „I’m lucky, I’m Luke“ durch Deutschland. Im Mai übernahm der 25-Jährige die Moderation der Comedy-Sendung „Nightwash“ von Klaus Jürgen „Knacki“ Deuser. Im Interview erzählt er über das sein chaotisches Familienleben mit fünf Brüdern, seinen Patenonkel Dirk Bach und seine Zukunftspläne.

Luke, in den Medien werden Sie überall als der Sonnyboy der Comedy-Szene bezeichnet. Nervt das?

Bisher finde ich das nicht nervig. Ich bin ja auch so, ich verstelle mich nicht. Ich bin wirklich, wie ich im Fernsehen bin. Ich habe tierisch Spaß dabei und die Leute offenbar auch mit mir. Es gibt natürlich Momente, in denen ich nicht so gut drauf bin, aber sobald ich auf die Bühne trete und im Dialog mit dem Publikum stehe, macht es wieder Spaß und ich bin happy.

In einem Programmteil geht es um Kinderserien aus den 90er-Jahren. Das hat mich direkt an meine Kindheit erinnert. Ist das das Geheimnis Ihres Erfolgs, dass sich das Publikum mit dem, was Sie erzählen, identifizieren kann?

Das ist genau das, was ich will. Es gibt so viele Figuren in der Comedylandschaft, die augenscheinlich lustig sind, das Paket aber nicht stimmt. Es macht tierischen Spaß zu sehen, wie die Leute lachen und auch eine emotionale Verbindung bekommen zu dem, was ich sage. Wenn ich über die „Gummibärenbande“ rede, dann fühlen sich alle gleich 20 Jahre zurückversetzt.

Die Geschichten, die Sie auf der Bühne erzählen, sind also wirklich passiert?

Das beruht alles auf wahren Begebenheiten, und es ist wenig dabei, was nicht stimmt. Für die Bühne muss man die Sachen natürlich teilweise ein bisschen zuspitzen, aber so ist es bei Popsongs ja auch. Ich glaube nicht, dass Bruno Mars wirkliche eine Granate für jemanden fangen würde, wie er das in seinem Song „Grenade“ singt.

Sie kommen besonders bei den Mädels gut an. Werden Sie auch häufiger nach den Shows angebaggert?

Ja, es gibt schon Mädels, die mir mal Telefonnummern zustecken, mich auf Facebook anschreiben oder im Hotel rumlaufen, wenn ich an der Bar sitze.

Gibt es auch eine andere Seite der Medaille? Sind bei einem Auftritt auch schon mal Tomaten geflogen?

Mein erster Auftritt war sehr schlimm. Da wurde sehr viel gelacht, aber leider wurde ich ausgelacht, weil es so schlecht war. Ich kam auf die Bühne und habe eine Nummer gespielt, die leider nicht lustig war. Man muss einfach mit der Zeit für sich entdecken, wann man lustig ist. Der Prozess ist ein sehr langer und ein sehr harter. Ich musste sehr oft ins kalte Wasser springen, um das zu begreifen.

Aber Sie haben ja offenbar die Kurve gekriegt und sind seit einiger Zeit Moderator von „Nightwash“ im WDR Fernsehen. Gucken Sie sich Ihre Sendungen auch manchmal an?

Eher weniger.

Warum nicht?

Ich war ja dabei. Es gibt viele, die das machen und Freunde zum Public Viewing einladen. Das finde ich irgendwie blöd. Ich moderiere total gerne „Nightwash“ und liebe Fernseharbeit allgemein, aber selber fernsehen ist nicht so meins. Wenn ich mir eine Nummer noch mal angucken will, dann spule ich vor und gucke es an. Aber sich selbst abzufeiern und es sich mit Freunden angucken, das mache ich nicht.

Anfang des Jahres sind Sie auch unter die Autoren gegangen: „Mathe ist ein Arschloch“ heißt das Buch, in dem Sie mit Ihrer Schulzeit abrechnen. Hätten Sie nicht einfach die Lehrer mit Autogrammkarten Ihres Vaters bestechen können?

(lacht) Ja, viele fanden zu dem Zeitpunkt „Lindenstraße“ ganz toll, und das war auch oft Thema, aber in Bonn kennt man uns. Wir sind die Familie mit den sechs Jungs. Und mein Vater war ja auch häufiger beim Elternabend, dann war das Autogramm auch nicht mehr so spannend. Da ging es eher darum, dass ich mal wieder Blödsinn gemacht habe.Meine Eltern haben diese Promi-Karte nie ausgespielt, weil sie sich selbst nie so gesehen haben.

Was war Ihr schlimmster Streich?

Wir haben Wasserbomben aus dem dritten Stock auf Lehrerautos geworfen. Ich habe eine Wasserbombe nach der anderen geworfen. Dann wollte eine Mitschülerin, das bravste Mädchen überhaupt, auch cool sein und hat eine geworfen. Leider ist da die Scheibe zerplatzt. Als die Lehrer gefragt haben, wer das war, sagten wir alle: Die Julia war es. Das arme Mädchen, das nur eine Wasserbombe geworfen hatte. Das war ein Riesenstress. Später habe ich dann aber noch aufgezeigt und gesagt, dass ich auch dabei war – obwohl es eigentlich meine Idee war und ich alle angestachelt hatte. Aber das ist einfach das Glück – deshalb heißt mein Programm ja auch „I’m lucky, I’m Luke“. So bin ich einfach, irgendwie durch das Leben gefallen und immer auf den Füßen gelandet.

Sind Sie also Comedian geworden, weil Sie schlecht in der Schule waren?

Ich war wirklich kein besonders guter Schüler. Ich habe aber immer die Kurve gekriegt. Ich habe zwar auch ziemlich viel Mist gebaut und die Lehrer geärgert, aber auf der Zielgeraden habe ich mich dann immer noch gerettet. Mir waren Lehrer nie böse und haben mir eher die Vier als die Fünf gegönnt. Und das ist auch der Tipp, den ich den Schülern im Buch gebe: Du kannst gegen Lehrer nicht gewinnen. Das sind auch nur Menschen, und wenn die dich nicht mögen und einen schlechten Tag haben, dann hauen die dir eine Fünf rein.

Sie haben zwei ältere und drei jüngere Brüder – da ist wahrscheinlich immer viel los, und man verliert leicht den Überblick. Ist schon einmal jemand vergessen worden?

Ja, tatsächlich. Mein Bruder Jeremy an der Tanke auf einem Rastplatz in Bruchsaal. Wir waren gerade auf dem Weg nach Italien. Meine Eltern sind nach vorne ins Auto, haben durchgezählt und dachten, alle sind da. Leider stand Jeremy noch an der Tanke mit einem Sanifair-Bon in der Hand und wusste gar nicht, was los ist. Zwei Ausfahrten später kam die Frage auf, wo eigentlich Jeremy ist. Als wir zurück waren, hatte ihn das Tankstellenpersonal aber schon gefunden. Jetzt muss ich dazu sagen, dass Jeremy der Schauspieler bei uns ist. Er hat damals schon als Achtjähriger an der Raststätte im Mitleid des Tankstellenpersonals gebadet. Als wir zurückkamen, wurde er getröstet und hat ganz viele Süßigkeiten bekommen.

Hat er denn eine Entschädigung von Ihren Eltern bekommen?

Ja, er hat dann über den restlichen Urlaub besonders viel Aufmerksamkeit bekommen und durfte auch länger aufbleiben. Das Lustige ist aber, dass sich das Tankstellenpersonal fragte, welche furchtbaren Eltern ihren Sohn an der Raststätte vergessen. Sie waren dann sehr amüsiert, als der „Erich“ aus der Lindenstraße in die Tankstelle kam.

Wie sieht denn ein typisches Abendessen in so einer Großfamilie aus?

Es ist sehr laut. Aber auch wenn wir ein sehr chaotischer, freier Künstlerhaushalt sind, steckt trotzdem die Basis der Kirche und der Familie darunter. Meine Eltern sind sehr religiös. Wenn wir alle zusammenkommen, wird gegessen, geredet und der Dialog gesucht. Am Tisch wird alles rumgereicht, große Töpfe mit Spaghetti und Soßen. Es ist sehr lustig und lebhaft. Wenn Freunde zu Besuch sind und mit uns essen, fühlen sie sich sehr wohl bei uns, weil es gemütlich und unkompliziert ist. Wenn wir nicht zu Hause sind, telefonieren unsere Eltern uns auch alle ab, um zu fragen, wie es uns geht und wie es läuft. Sie wissen schon sehr gut Bescheid, was im Leben ihrer Kinder passiert.

Der Komiker Dirk Bach war Ihr Patenonkel. Wie kam denn das?

Meine Eltern haben 1983 „Die Springmaus“ gegründet. Das ist ein Improvisationstheater in Bonn und das erste in Deutschland. Mein Vater hat in Kanada Schauspiel studiert und dort Improvisationsspiele gemacht, die man heute häufig im Fernsehen sieht, wie „Schillerstraße“ oder „Jetzt wird’s schräg“. Damals gab es das in Deutschland nicht. Mein Vater hat dann einen Impro-Workshop gemacht. Zu dem ersten 1983 kam meine Mutter. So haben sich meine Eltern auch kennengelernt. Seit 31 Jahren gibt es die Springmaus jetzt, und es sind wirklich viele Schauspieler und Comedians dort groß geworden, wie Bernard Hoecker, Tetje Mierendorf oder Ralf Schmitz. Und einer davon war 1988 auch Dirk Bach. Meine Mutter damals war schwanger mit mir, und eine Woche oder zehn Tage nach meiner Geburt stand sie wieder auf der Bühne – zusammen mit Dirk Bach. Ich war schon fast ein Ensemble-Mitglied, weil ich immer dabei war. Und Dirk mochte mich so gerne, dass er mein Patenonkel sein wollte, zusammen übrigens mit Hella von Sinnen. Die waren damals schon befreundet. Als Dirk dann vor drei Jahren starb, war ich sehr traurig.

Besuchen Sie hin und wieder sein Grab?

Ich habe es leider noch nicht geschafft, sein Grab zu sehen. In den letzten zehn Jahren vor seinem Tod haben wir uns leider gar nicht mehr so oft gesehen, weil er viel unterwegs war und gearbeitet hat und ich auch. Wir haben aber mal zusammen gespielt. Er hat das Musical „Kein Pardon“ in Düsseldorf gemacht, und ich hatte im gleichen Haus einen Auftritt beim „Quatsch Comedy Club“. Und nachher bin ich dann noch zu ihm in die Garderobe gekommen, und wir haben lange über alte Zeiten gequatscht. Er sah zwar immer sehr dick aus, aber diese ganz kindlichen, leuchtenden und gemütlichen Augen, die immer sehr warm waren, sind immer die gleichen geblieben. Das war wirklich ein schöner Moment. Und ein paar Monate später ist es dann passiert.

Wie haben Sie davon erfahren?

Ich war bei „TV Total“ und habe auf meinen Auftritt gewartet. Da hatte die Nachricht jemand auf dem Handy. Ich wollte gerade auf die Bühne gehen und musste dann mit dieser Nachricht im Hinterkopf spielen.

Das war sicher hart.

Ja, aber so ist es. The Show must go on. Meine Mutter hat auch mal einen Bruder verloren und musste am Tag seiner Beerdigung auf die Bühne und spielen. In dem Moment packt man das weg und unterhält die Leute. Das ist einfach der Job.

Du hast ja bei der Impro-Show „Jetzt wird’s schräg“ mitgemacht. Hast du dir dafür Tipps von deinem Vater geholt?

Nein, das war nicht nötig. Ich war der Einzige von meinen Brüdern, der immer gerne in der Springmaus zugeguckt hat und oft hingegangen ist. Das Theater ist fünf Minuten zu Fuß von meinen Eltern entfernt und ich habe mir die Shows vier oder fünf Mal in der Woche angeguckt. Ich habe das aufgesogen wie ein Schwamm und fand das total spannend – gerade die Reproduzierbarkeit von Improvisation. Zu sehen, wie spielen sie das gleich Programm morgen oder übermorgen. Ich habe gesehen, dass es verschiedene Tipps und Tricks gibt und man verschiedene Schubladen ziehen kann. Es ist eigentlich ein Handwerk, denn Spontanität kann man lernen und so einsetzen, dass es effektiv ist. Das hat mir bei „Jetzt wird’s schräg“ weitergeholfen. Ich bin also selbst ein wenig durch die Schule der Springmaus gegangen, obwohl ich selbst nie mitgespielt habe. Das würde ich aber gerne mal.

Gibt es da schon Pläne?

Nix Konkretes. Leider hatte ich bisher nie Zeit dafür.

Insgesamt läuft es ziemlich gut bei Ihnen. Was kann jetzt noch kommen?

Ich bin zufrieden, wenn es einfach so weiterläuft, wenn ich weiter so Spaß habe. Ich möchte mich nie verbiegen lassen und Dinge machen müssen, die mir keinen Spaß machen. Solange das gegeben ist, die Leute Spaß haben und ich davon leben kann, läuft es eigentlich.

Könntest du dir in einem Kinofilm auch eine ernstere Rolle vorstellen?

Auf jeden Fall. Gerade so Leute wie Robin Williams oder Jim Carry, die als Comedians anfangen, dann Comedyfilme machen und den Sprung in ernstere Rollen schaffen, davor verneige ich mich. Andersherum gibt es das nicht. Es gibt kaum ernste Schauspieler, die plötzlich lustige Filme machen, weil es das Schwerste ist. Ich halte das für einen sehr spannenden Weg. Das hätte dann aber auch Zeit. In 15 oder 20 Jahren, wenn man dann auch ein gewisses Alter erreicht hat und die Leute einem das auch abkaufen, dann wäre das schon cool.

Und was ist mit einer Gastrolle in der „Lindenstraße“?

Lindenstraße habe ich nie so verfolgt. Ich weiß, dass es in den 90er-Jahren ein Riesending war. Ich habe das als Kind gar nicht so auf dem Schirm gehabt. Mittlerweile hat sich das ja alles beruhigt, und es ist immer noch da und immer noch nett.

Biografie:

Luke Mockridge wurde am 21. März 1989 in Bonn als dritter von insgesamt sechs Söhnen des Schauspielerpaars Margie Kinsky und Bill Mockridge geboren. Seine Eltern sind die Gründer des Bonner Improvisationstheaters „Springmaus“. Sein Vater spielt außerdem seit 1991 den „Erich Schiller“ in der ARD-Serie „Lindenstraße“.

Nach dem Abitur 2007 studierte Luke Mockridge in Kanada, England und Deutschland Medien- und Kommunikationswissenschaften und schloss sein Studium 2012 mit dem Bachelor ab.

Gestartet hat Luke Mockridge seine Comedy-Karriere als klassischer Praktikant bei „Nightwash“. Später wurde er dann Autor, unter anderem für „Nightwash“ und „Switch reloaded“. Seit 2012 tourt er mit seinem Programm „I’m lucky, I’m Luke“ durch Deutschland. Im Frühjahr dieses Jahres ist sein Buch „Mathe ist ein Arschloch“ erschienen, im Mai hat er zudem die Nachfolge des legendären „Nightwash“-Moderators Klaus Jürgen „Knacki“ Deuser übernommen. Luke Mockridge lebt in Köln.