Abschied von Christian Tasche „Tatort“ heute aus Köln: „Wahre Liebe“ mit Trauerflor

Von Joachim Schmitz


Osnabrück. Die Kölner „Tatort“-Folge „Wahre Liebe“ heute ist eine ganz besondere. Nicht etwa weil sie außergewöhnlich gut wäre, sondern weil sie den Abschied von Christian Tasche als Staatsanwalt Wolfgang von Prinz markiert. Der Schauspieler starb während der Dreharbeiten – nachdem er seinen Part abgedreht hatte. Derweil dreht sich das Personal-Karussell beim Kölner „Tatort“.

Dass durch den „Tatort“ der Hauch des Todes weht, ist eigentlich nichts Ungewöhnliches – doch diesmal sorgt nicht der Krimi als solcher für die Beklemmung beim Zuschauer, sondern eine Randfigur: Christian Tasche , der dem Kölner „Tatort“ von Anfang an („Willkommen in Köln“, 1997) als Staatsanwalt von Prinz seinen unaufdringlichen, aber einprägsamen Stempel aufgedrückt hatte, starb kurz nach seinem einzigen Drehtag zu dieser Folge in Holzwickede an Herzversagen. In „Wahre Liebe“ hat er einen letzten, kurzen und sicher nicht seinen besten Auftritt. Tasche, ein Junge des Ruhrgebiets, wurde gerade mal 56 Jahre alt.

Hätten Drehbuchautor Maxim Leo und Regisseur André Erkau gewusst, dass es so kommen würde – sie hätten dem bei Publikum wie Kollegen gleichermaßen beliebten Schauspieler wohl eine dankbarere Aufgabe zugewiesen als diese letzte Rolle. Nach etwas mehr als elf Minuten platzt der Staatsanwalt ungewohnt jovial ins Kommissariat der Herren Ballauf (Klaus J. Behrends) und Schenk (Dietmar Bär) und prustet: „Unser Fall hat’s auf die Titelseite geschafft.“ Zwei Minuten später verlässt er den Raum außergewöhnlich albern: Er amüsiert sich kichernd darüber, dass er der neuen Assistentin (Kathie Angerer) den Auftrag erteilt hat, als Lockvogel eine Internet-Partneragentur auszuforschen, deren Chefin erschlagen in ihrem Büro aufgefunden wurde. Der letzte Eindruck von Tasche alias von Prinz ist der einer Witzfigur – das hat er nicht verdient. Doch es passt zu diesem Krimi: Der Fall ist vergleichsweise simpel gestrickt und schnell erzählt: Natascha Klein hat sich als „Liebes-Päpstin“ vor allem ums eigene Portemonnaie verdient gemacht und ihrer Agentur „Lovecast“ 20 Millionen Kunden zugeführt. Als sie in ihrem Büro mit dem dafür verliehenen Preis, einer Amorspfeil-Trophäe, erschlagen wird, lässt der Täter neben dem Opfer einen Briefumschlag mit 50000 Euro zurück. Raubmord scheidet also aus. Fortan geraten enttäuschte Liebessuchende, Opfer eines Beziehungsschwindlers und ein gehörnter Ehemann ins Visier der Fahnder.

Hier gibt‘s die Fakten zum aktuellen Fall:

Ins Visier der Zuschauer hingegen gerät mal wieder eine neue Assistentin. Sie verschüttet Kaffee auf Schenks Schreibtisch, stellt sich vor als „die Gabi“, hat bislang vor allem im Archiv gearbeitet, kann aber dennoch viel besser schießen als die Kommissare. Schon wieder so eine Witzfigur, die den „Tatort“ wie sich in Hochgeschwindigkeit reproduzierende Mäuse stürmen. Doch dann bekommt die Gabi fast noch so etwas wie die Episoden-Hauptrolle.

Und das wiederum ist bemerkenswert am Kölner „Tatort“. Kaum hat sich Tessa Mittelstaedt mit der spektakulären Folge „Franziska“ aus der Rolle verabschiedet, die ihr bis aufs Kaffeekochen kaum nennenswerte Auftritte verschaffte, bekommen die seitdem wechselnden Assistenten deutlich mehr Gewicht. Zudem etabliert sich mit Juliane Köhler als Kriminalpsychologin und Ballauf-Liebelei Lydia Rosenberg ein neues Gesicht im Krimi am Rhein. Sie wird laut WDR künftig „on and off“ zu sehen sein– also immer wieder mal, aber nicht immer im „Tatort“ auftauchen.

Doch was seit „Franziska“ in ausnahmslos gute und zuweilen sehr düstere „Tatort“-Folgen mündete, erhebt sich diesmal nicht aus dem Mittelmaß. „Wahre Liebe“ ist eine Persiflage auf die vielen Dating-Portale, angereichert mit einigen gefühligen Passagen zum Thema Einsamkeit und einem Spritzer Spannung.

Wenn dieser „Tatort“ also im Gedächtnis haften bleibt, dann wegen des letzten Auftritts von Christian Tasche. So auch für Ballauf-Darsteller Klaus J. Behrendt: „Für mich wird bei diesem ,Tatort‘ immer überwiegen, dass es die letzte gemeinsame Arbeit mit unserem Freund und Kollegen war. Wenn ich den Titel ,Wahre Liebe‘ höre, muss ich an ihn denken.“

Ob es überhaupt einen neuen Staatsanwalt im Kölner „Tatort“ geben wird, steht nach Auskunft des WDR noch nicht fest. Wie eine Sprecherin am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, wurde die nächste Folge „Dicker als Wasser“ (Ausstrahlung im nächsten Jahr) ohne Chef-Ermittler gedreht. Und auch beim für Oktober angesetzten Dreh der übernächsten Episode ist eine solche Figur nicht vorgesehen.

Fest steht hingegen, dass der Auftritt von Kathie Angerer als Assistentin Gabi einmalig bleiben wird. Denn der WDR hat sich entschieden, die Rolle des Assistenten und damit die Nachfolge von Tessa Mittelstaedt künftig dauerhaft an Patrick Abozen zu vergeben, der bereits im März als Tobias Reisser in „Der Fall Reinhardt“ zu sehen war und damals den Eindruck hinterließ, dass er in dieses Team passt.

Tatort: Wahre Liebe, ARD, Sonntag, 28. September, 20.15 Uhr.