Schlimmer geht’s nimmer „Förderschulklassenfahrt 2“ von Böhmermann und Heufer-Umlauf

Von Hendrik Steinkuhl

Voll daneben ist auch vorbei: Klaas Heufer-Umlauf (links) und Jan Böhmermann überschreiten die Schmerzgrenze des guten Geschmacks. Foto: Roof Music/Tom Wagner.Voll daneben ist auch vorbei: Klaas Heufer-Umlauf (links) und Jan Böhmermann überschreiten die Schmerzgrenze des guten Geschmacks. Foto: Roof Music/Tom Wagner.

Osnabrück. Sex, Gewalt, Witze über Migranten und Behinderte: Mit der Fortsetzung ihrer „Förderschulklassenfahrt“ setzen Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf der Geschmacklosigkeit die Krone auf. Landet das „Eventhörspiel“ nun möglicherweise auf dem Index?

Kaum vorstellbar, dass es die Menschen in Vechta witzig finden, ihre Heimatstadt jetzt schon zum zweiten Mal als Hort schwerkrimineller Jugendlicher dargestellt zu sehen. Nachdem die 9c der fiktiven Vechtaer Claudia-Nolte-Förderschule in Teil eins des Hörspiels „Förderschulklassenfahrt“ Berlin terrorisiert hatte, verwüsten die beiden Ehemaligen Hassan Bahaji und Gerome Walz nun einen Freizeitpark mit dem Namen „Scheidepark Drecksau“.

„Förderschulklassenfahrt 2: Fünf Feinde und der Proletenhund“ lautet der vollständige Titel des zweiten „Eventhörspiels“ von Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf. Die beiden vor allem als TV-Moderatoren bekannten Nachwuchskünstler gewannen erst kürzlich den Grimmepreis , der als renommierteste deutsche Fernsehauszeichnung gilt. Für ihren Ausflug in das Genre Hörspiel dürfen Böhmermann und Heufer-Umlauf kaum mit Jury-Lob rechnen – zu stark scheinen Ressentiments gegenüber Migranten, engagierten Pädagogen und verhaltensoriginellen Jugendlichen durch. Nutzen die beiden Preisgekrönten etwa das wenig beachtete Medium Hörspiel, um ihr wahres Gesicht zu zeigen?

Eine echte Handlung lässt sich vor allem in der Fortsetzung der „Förderschulklassenfahrt“ nicht erkennen, hier folgt deshalb nur ein Versuch der Zusammenfassung: Die zwei früheren Förderschüler Hassan Bahaji und Gerome Walz versuchen mittlerweile, am Vechtaer Berufsinformationszentrum (BIZ) zu reüssieren. Seit der desaströsen Klassenfahrt nach Berlin, auf der sie ihren Mitschüler Marc Horstmanns beim „Eierloch“-Spielen getötet haben (Todesursache: Oberarm-Embolie), hat sich einiges im Leben der beiden getan: „Isch bin Vater geworden wohl leider“, sagt Hassan, „isch hab es auf jeden Fall erst einmal gesehen auf Handyfoto von Jenny.“ Erbost zeigt sich Hassan darüber, dass ihm trotz seines Anspruchs auf die Hälfte des Kindergeldes bislang noch kein Euro überwiesen wurde. Sein bester Freund Gerome Walz ist derweil stolzer Hundebesitzer. „Eigentlich heißt er Adorno, also hieß er vorher schon, aber ich nenne ihn ‚Der Wendler‘. Weil er nervt.“ Dreimal am Tag werde der Wendler gefüttert, morgens immer mit etwas Süßem. „Zum Beispiel mit einem Kitkat Chunky.“

Schon nach der Exposition ist klar: Die Helden von Böhmermanns und Heufer-Umlaufs Hörspiel sind durch und durch amoralisch. Ihr Interesse gilt nur ihnen selbst, der Nachwuchs und der Verdauungstrakt des eigenen Hundes spielen überhaupt keine Rolle.

Die beiden jugendlichen Intensivtäter Hassan und Gerome treten eine Fahrt in den „Scheidepark Drecksau“ an, wo sie auf ihre ehemalige Klassenlehrerin Sibylle Rettkowski treffen, die dort mittlerweile die VIPs betreut. Im Freizeitpark nimmt das Unheil seinen Lauf: Der von den Toten auferstandene Marc Horstmanns wird von Hassan und Gerome dieses Mal nicht mit Schlägen auf den Oberarm, sondern mit Feuerwerkskörpern „in allen Körperöffnungen“ traktiert. Und der an Trisomie 21 erkrankte frühere Vechtaer Förderschüler Klaus Sommerfeld, inzwischen im Freizeitpark als Maskottchen „Wimbo“ tätig, vergeht sich an dem Hund von Gerome.

Dass die beiden „Künstler“ am Ende ihres Hörspiels tatsächlich einen Menschen mit Handicap zum Sodomiten machen, lässt ganz tief blicken. Der gelernte Radio-Journalist Böhmermann und der Friseur Heufer-Umlauf erreichen mit „Förderschulklassenfahrt 2“ einen Tiefpunkt in der deutschen Hörspielgeschichte.

Nur eine Frage bleibt offen: Schreitet die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ein und indiziert das durch und durch diskriminierende Machwerk? Da die Behörde erst aktiv wird, sobald eine dazu berechtigte Institution – das sind vor allem die deutschen Jugendämter – einen Antrag stellt, kommt so ein Verfahren in Deutschland selten vor. Im Fall von „Förderschulklassenfahrt 2“ wäre es mehr als berechtigt.