Dokumentation auf 3sat Wenn das Gehirn schreien will: Tödliche Langeweile

Von Marie-Luise Braun

Fünf Tage nichts zu tun: Journalist Stefan Witte während des Langeweile-Selbstversuchs. Foto: ZDF/ Robert EngelkeFünf Tage nichts zu tun: Journalist Stefan Witte während des Langeweile-Selbstversuchs. Foto: ZDF/ Robert Engelke

Osnabrück. Dass Langeweile die Hölle sein kann, belegt Anja Gerloff in ihrer Dokumentation „Tödliche Langeweile“ zum Thema Bore-out am 25. September, 20.15 Uhr auf 3sat.

Für Gestresste klingt es wie das große Glück: Nichts zu tun zu haben. Wie herrlich muss das sein! Für Menschen, die chronisch unterfordert sind oder den ganzen Tag keine Aufgabe haben, ist es die Hölle. So zeigt es anschaulich die Dokumentation „Tödliche Langeweile“.

Der erste Tag war ganz in Ordnung. Der Journalist Stefan Witte hat es sich in seinem Büro gemütlich gemacht. Ein paar Ideen skizziert, im Internet gesurft. Die Mittagspause mit den Kollegen war eine willkommene Abwechslung. Am Ende des „Arbeits“-Tages skizziert er ein Smiley auf dem Rückmeldebogen der Psychologin.

So bleibt es die kommenden Tage aber nicht. Täglich nimmt seine Laune ab, empfindet er das Nichtstun als größere Belastung, obwohl er genau weiß, dass das Experiment nach fünf Tagen vorbei sein wird. Wie erst muss es Menschen gehen, die monatelang im Krankenhaus liegen, die in Wohnheimen keine Abwechslung erfahren, die arbeitslos sind? Für sie ist nämlich kein Ende in Sicht – oder sie wissen, dass es in sehr weiter Ferne liegt.

Langeweile ist mehr als ätzend auf die Dauer, das zeigt der Beitrag von Anja Gerloff anschaulich und nachvollziehbar. Langeweile verändert Menschen – „Bore-out“ nennen Wissenschaftler die Folgen, die sich in Aggression, Lethargie oder sogar Depression zeigen können.

Gerloff zeigt in ihrem Beitrag nicht nur die menschlichen Auswirkungen des Nichtstuns. Am Beispiel eines zwangsversetzten Mitarbeiters einer Firma macht sie deutlich, dass das auch wirtschaftliche Folgen haben kann – nämlich dann, wenn Menschen Aufgaben zugeteilt bekommen, die sie ständig unterfordern oder so stupide sind, dass das Gehirn förmlich nach Information und Abwechslung schreit.

Dazu lässt sie diverse Wissenschaftler zu Wort kommen, wie eine Motivationsforscherin oder einen kanadischen Psychologen. Sie belegen nur vordergründig Absurdes. Denn Mitarbeiter, die an Bore-out leiden, sind dauergestresst: Weil sie sich ständig aufs Äußerste selbst motivieren müssen, aber auch, weil sie ihre Untätigkeit im schlimmsten Fall vertuschen müssen, um nicht Gefahr zu laufen, ihren Job zu verlieren.

Zwischendurch aber, und das passt ja auch wieder zum Thema, ist der Beitrag streckenweise langweilig.

Im Anschluss diskutiert Gert Scobel mit Gästen zum Thema „Was ist Zeit?“

Tödliche Langweile, 3sat, 25. September, 20.15 Uhr.