ARD und Arte Neue Dokumentation zu Udo Jürgens 80. Geburtstag

Von Tobias Sunderdiek


Osnabrück. Udo Jürgens als „Legende“ zu bezeichnen, ist sicher angemessen. Am 30. September wird der Vollblut-Showstar 80 und seit gut 60 Jahren tritt er auf den Bühnen der Welt auf. Grund genug also für Arte und die ARD, ihm schon mal vorab mit einem Porträt zu gratulieren.

„Ich kann ohne Applaus leben. Aber nicht, wenn ich auf der Bühne stehe.“ Der Mann, der das sagt, braucht letzteres wahrlich nicht zu fürchten. Udo Jürgens, füllt auf seinen Tourneen noch immer ganze Hallen , hat schließlich seit den 1960er Jahren den Soundtrack von Generationen bestimmt. Ob „Griechischer Wein“ , „Ich war noch niemals in New York“ , „Aber bitte mit Sahne“, „Immer wieder geht die Sonne auf“, oder die Rentnerhymne „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ , fast jeder kann sie mitsingen. Spätestens als er 1966 mit „Merci, Chérie“ den Grand Prix für Österreich gewann, war er ein Superstar.

Doch wer ist der Mensch Udo Jürgens ? Wer der Mann unter dem weißen Bademantel, in dem er Konzerte beendet und der zu seinem Markenzeichen wurde? Eine TV-Dokumentation, die auf zwei Sendern an zwei Terminen läuft, versucht Antworten zu geben.(„Ein Leben für die Lieder“, Arte am 21. 9. um 21.40 Uhr, sowie am 29. 9. um 20.15 Uhr in der ARD als „Der Mann, der Udo Jürgens ist“). Dabei werden – natürlich - die wichtigsten biografischen Fakten erwähnt.

Geborenen als Sohn eines russischen Emigranten und einer aus Norddeutschland stammenden Mutter, wuchs der spätere Showstar als mittlerer von drei Brüdern als Jürgen Böckelmann auf einem Schloss in Kärnten auf. Die Familienverhältnisse: Großbürgerlich. Entsprechend waren die Erwartungen an die Söhne. Doch Udo Jürgens, sollte ausbrechen, wollte Musik machen. Und hatte mit 17 nicht nur Träume, sondern bewies auch Talent bei einem Komponistenwettbewerb in Wien. Woraufhin er sogar ohne Abitur ein Musikstudium in Klagenfurt beginnen konnte. Jedoch: Talent war noch lange kein Garant für Erfolg. Seine erste Plattenfirma verheizte ihn als „Sänger für alles“. Profil konnte er dadurch nicht gewinnen. Das wandelte sich erst, als Jürgens die Plattenfirma wechselte, und 1965 schließlich mit „Siebzehn Jahr, blondes Haar“ einen Riesenhit landete.

Seitdem hat er seinen Stil gefunden: Mit Liedern, die Chansons und Schlager miteinander vereinen, feierte er Erfolge. Und das nicht nur in deutschsprachigen Ländern, sondern auch in Frankreich, wo etwa das Lied „Warum nur“ , obwohl auf deutsch gesungen, zum Nummer Eins-Hit wurde. Weltstars wie Shirley Bassey oder Sammy Davis Jr. verdanken ihm Hits, und das vom kürzlich verstorbenen Joachim Fuchsberger getextete Lied „Was ich dir sagen will“ hielt sich stolze fünf Jahre lang in den japanischen Top Ten. 1976 sang er gar den offiziellen Song zur Fußball-WM: „Buenos dias, Argentina“.

So viel Erfolg lockt natürlich die Klatschpresse an. So waren Udo Jürgens‘ Steuerschulden und seine Übersiedlung in die Schweiz Mitte der 70er Jahre ein weidlich ausgeschlachtetes Thema. Auch seine zahlreichen Liebesaffären boten genügend Stoff. Obwohl zwischen 1964 und 1989 mit der aus Osnabrück stammenden Erika „Panja“ Meier verheiratet und Vater zweier Kinder, zeugte Udo Jürgens noch zwei uneheliche Töchter. Schlagzeilen machte vor einigen Jahren auch ein Vaterschaftsstreit , den Jürgens allerdings gewann, als ihn eine damals Anfang 40-Jährige verklagte und einen DNA-Test verlangte. Boulevard-Themen wie diese, ebenso wie Jürgens zweite, inzwischen ebenfalls gescheiterte Ehe, bleiben im von der ARD und Arte produzierten Dokumentarfilm jedoch weitgehend ausgespart.

Dafür bieten Interviews mit seinen Managern, seinem Bruder, dem Maler Manfred Böckelmann, sowie seinen Kindern John und Jenny Jürgens, aber auch Udo Jürgens selbst Innenansichten in den Charakter des Sängers. Und präsentieren ihn dabei vor allem als Vollblutentertainer, der seine Leidenschaft für den Beruf stets dem Privatleben unterordnete. Unterstützt werden die Aussagen durch allerlei Schätzchen aus den Archiven der Sendeanstalten.

Ein Porträt, das wie ein, verfrühter, freundlicher Glückwunsch, wirkt. Udo Jürgens könnte wohl am besten mit einem seiner größten Hits darauf antworten: „Vielen Dank für die Blumen“ .

Der Mann, der Udo Jürgens ist, Arte, 21. 9. um 21.40 Uhr. ARD, 29. 9. um 20.15 Uhr.