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Final-Flop Rising Star: The Latonius unterliegt Unknown Passenger

Von Daniel Benedict


Berlin. „Rising Star“ endet mit einem Sieg von Unknown Passenger über den Favoriten The Latonius. Die Show wurde auch im Finale nicht besser. Lag es an Rainer Maria Jilg? Lag es an der App?

„Leonie, wir müssen noch kurz ein Sieger-Selfie machen“, ruft Rainer Maria Jilg. Na, klar! Die App-Show „Rising Star“ wurde schließlich von einem Handy-Hersteller präsentiert. Das vorgezogene Finale des Show-Flops endete mit einem Sieg von Leonies Band Unknown Passenger über den Favoriten The Latonius. „Gar nicht mehr unknown“ sei die Band jetzt, meint Jilg. Schön wär‘s! Immerhin geht „Rising Star“ als Show zum App-Schalten in die TV-Geschichte ein. Woran hat es gelegen?

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Ist der Rainer Maria Jilg schuld?

„Wir konnten es sowieso nicht mehr abwarten“, sagt Rainer Maria Jilg, als er das „Rising Star“-Finale anmoderiert – das eigentlich erst im Oktober stattfinden sollte. „Rising Star“ ist die einzige Show, bei der das Publikum entscheidet; und es hat entschieden – gegen die Show. Diesen Witz nimmt Jilg den verbliebenen Zuschauern noch aus dem Mund. Dann weicht die Selbstironie den alten „Rising Star“-Wortspielen vom „Euro-Wischen-Songcontest“. Jilgs geflügelte Turnschuhe sehen zum Anzug verboten aus, aber er ist kein unsympathischer Mensch. Dass seine Moderationsgags auffällig vorproduziert sind, macht er durch spontanen Charme wett. Wenn’s einen ausgeschiedenen Kandidaten vor Kummer auf den Bühnenboden wirft, legt er sich für das Abschlussinterview einfach dazu und spricht von unten in die Spidercam. An ihm kann’s eigentlich nicht gelegen haben.

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Was hat „Rising Star“ scheitern lassen?

Wieso scheitert „Rising Star“ in der ersten Staffel, während DSDS es nun schon in die zwölfte Ausgabe schafft? Lag es vielleicht gerade am Alleinstellungsmerkmal, der Zuschauerbeteiligung per App? Man sollte doch meinen: All die Castingfans, die sich an Dieter Bohlens Gehässigkeit hochziehen, möchten auch gern mal selbst Herr über Sieg und Niederlage sein. Vielleicht stimmt das gar nicht.

Abstimmen per App

Die „Rising Star“-App soll die abgelenkten Zuschauer vom Smartphone wieder zum Fernseher zurückführen. Und sie soll dem Publikum das Gefühl geben, auch ohne kostenpflichtige Anrufe beteiligt zu sein. Womöglich ist gerade das ein Zuviel an Verantwortung. Wenn Dieter Bohlen Kandidaten demütigt, kann man wohlig schmunzeln – man selbst ist an der peinlichen Situation ja nicht schuld. Bei „Rising Star“ wird man permanent Zeuge eines Scheiterns, das man selbst herbeiführt. Unangenehm.

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„Rising Star“: Zu viel Verantwortung für den Zuschauer

Fernsehen ist normalerweise vom Grundgefühl des Virtuellen begleitet: Was auch immer auf dem Bildschirm passiert; am Ende ist es eben doch nur Fernsehen. Es hat nichts mit einem selbst zu tun. „Rising Star“ beweist das Gegenteil: Hier liegt es nur am Zuschauer, ob die Kandidaten das Studio glücklich oder unter Tränen verlassen. Es liegt sogar am Zuschauer, dass die Show jetzt eingestellt wird, dass einem ganzen Produktionsteam damit die Arbeit verdorben ist und alle Beteiligten um ihre Karriere bangen. Das ist ein entscheidendes Plus an Mitbestimmung – eins, auf das man womöglich lieber verzichtet.

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