Schon gesehen Zwölf Monate, drei Multijobber, ein Problem

Von Marcel Kawentel

Honke R. (45) hat studiert, ist sich aber für keine Arbeit zu schade. Foto: WDRHonke R. (45) hat studiert, ist sich aber für keine Arbeit zu schade. Foto: WDR

Osnabrück. Die Doku „Ein Job allein reicht nicht zum Leben“ aus der Reihe „Menschen hautnah“ begleitet drei Multijobber über ein Jahr.

Abwarten, „was die Zukunft bringt und ob es eine gibt“ – so beschreibt Claudia F. ihre Situation. Die 50-Jährige schlägt sich mit mehreren Jobs mehr schlecht als recht durch – genau wie die beiden anderen Protagonisten in der Doku von Bärbel Maiwurm. Auffällig ist, dass alle drei in den Berufsfeldern Pflege, Soziales und Kulturarbeit tätig sind, in denen seit Jahren die Tendenz zur Unterbezahlung bekannt ist.

Trotz des sozialen Sicherungssystems in Deutschland sind im unteren Segment des Mittelstands viele Menschen auf dem Weg zu amerikanischen Verhältnissen – also mehrere Jobs zu brauchen, um über die Runden zu kommen. Nur eine der drei Porträtierten befindet sich aus freien Stücken in der Situation, nicht fest angestellt und somit nicht abgesichert zu sein, die anderen beiden sind durch Kündigung und private Schicksalsschläge in eine Lage gekommen, in der es für sie keine Freizeit, keinen Urlaub, keine finanziellen Rücklagen gibt.

Einfühlsam zeichnet die Autorin ein Bild dreier Menschen, die sich mangels Alternativen sehenden Auges in die Altersarmut begeben. „Hartz IV nur im Notfall“ lautet trotz allem ihre Devise – ein Fingerzeig für Politiker, die mit dem Klischee vom Sozialschmarotzer Stimmung machen.

„Menschen hautnah: Ein Job allein reicht nicht zum Leben“, 18. September, 22.30 Uhr, WDR

Wertung: 4 von 6 Sternen