Fernab des Mainstreams Filmfest Oldenburg verzichtet auf Jurypreis

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Jubel:
              Torsten Neumann zeichnet Regisseur Michal Samir und Produzent Matej Chlupácek aus. Foto: Sven FranzekJubel: Torsten Neumann zeichnet Regisseur Michal Samir und Produzent Matej Chlupácek aus. Foto: Sven Franzek

Oldenburg. Dass man sich auf einem internationalen Filmfestival befindet, bemerkt man daran, dass deutschsprachige Filme plötzlich mit englischen Untertiteln gezeigt werden. Fünf Tage lang präsentierte sich das unabhängige Kino auf dem 21. Internationalen Filmfest Oldenburg und zog etwa 15000 Zuschauer an.

Von Sven Franzek

Eine besondere Qualität bleibt, dass man mit den Filmemachern auch als einfacher Festivalbesucher leicht ins Gespräch kommt. Statt sich abzuschotten, zeigen sie sich nahbar. Zudem lässt sich beobachten, dass auch viele Nicht-Cineasten das Festival nutzen, um sich auf Filme abseits ihrer Sehgewohnheiten einzulassen. Eine durchaus spannende Erfahrung fernab des Mainstreams.

Eine einschneidende Veränderung gab es: Festivalleiter Torsten Neumann setzte den Jurypreis für den besten internationalen Film aufgrund weiterer Budgetkürzungen und „einer anhaltenden Restriktion der kommunalen Förderung“ aus. 2012 war der Zuschuss der Stadt von 100000 auf 50000 Euro gekürzt worden. Und auch ein Sponsor habe sein Engagement zurückgefahren. Somit lag das Budget 2014 bei 300000 Euro – 50000 Euro weniger als im Vorjahr.

Auf die sonst internationale Jury wurde auch verzichtet. Einen bekannten Namen gab es dann doch: Sean Young (54), Hauptdarstellerin im 1980er-Kultfilm „Blade Runner“, erhielt als Ehrengast einen Stern auf dem Oldenburger Walk of Fame.

Zwar ohne Hauptpreis, gab es dennoch Auszeichnungen am Abschlussabend. Insgesamt 39 Langspielfilme und 13 Kurzfilme wurden präsentiert. Bewertet wurden elf Filme in der Independent Sektion. Den Publikumspreis gewann der Film „Hany“ des tschechischen Filmemachers Michal Samir. Der Seymour Cassel Award für herausragende schauspielerische Leistungen wurde an Victoria Schulz für ihre Leistung in Christian Froschs „Von jetzt an kein Zurück“ vergeben. Zudem wurde als bester Kurzfilm „Cadet“ von Kevin Meul ausgezeichnet. Eine „lobende Erwähnung“ erhielt Hauptdarsteller Aaron Roggeman.

Ebenfalls eine lobende Erwähnung erhielt der französische Film „Fever“ von Raphaël Neal. Das beeindruckende Erstlingswerk des eigentlichen Fotografen ist ein Paradebeispiel fürs Independent-Kino. Finanziert wurde er zum Teil über Crowdfunding. Laut Neal lehnten Fernsehstationen eine Produktion wegen des vermeintlich amoralischen Filmendes ab. Der mit wenig Geld gemeinschaftlich erstellte Film überzeugt durch großartige Bildkomposition und verspielte, dennoch ernsthafte Handlung. Zwei Schüler begehen den perfekten Mord ohne Motiv. Der Film wirft philosophische Fragen auf. „Wir wollten nicht einfach in gute und böse Menschen unterteilen“, sagt Neal.

Auch fesselnde Dokumentationen gab es zu entdecken. „Life Itself“ etwa. Die Doku über den berühmten Filmkritiker Roger Ebert zeichnet – wenn auch mit Überlänge – ein erhellendes Porträt des Pulitzerpreisträgers und spart Schilddrüsenkrebs und Sterben nicht aus.

„Lost Soul – The Doomed Journey Of Richard Stanley’s Island of Dr. Moreau“ geht der wahnwitzigen Entstehungsgeschichte eines der größten Film-Desaster aller Zeiten nach. Aus wenigen Drehtagen wird ein halbes Jahr. „Der am besten bezahlteste Albtraum“, erzählt der ebenfalls anwesende Schauspieler Marco Hofschneider.

Eine Entdeckung ist der mit einer Retrospektive vertretene australische Regisseur Philippe Mora. In den 1980ern schenkte er uns die durchgeknallte Superheldenparodie „The Return Of Captain Invincible“ mit einem singenden Christopher Lee.

Beeindruckend auch der Abschlussfilm „Jack“ von Edward Berger: fesselnd und mit großartigen Darstellern. Allen voran Ivo Pietzcker als zehnjähriger Jack. Eine Wucht, die ab dem 9. Oktober im Kino zu sehen ist.


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