Waldmenschen in Not „Quarks & Co.“ widmet sich den bedrohten Orang Utans

Von Reinhard Lüke

Es gibt zwar gute Umweltgesetze in Indonesien, berichtet Ranga Yogeshwar, doch sie werden zu wenig durchgesetzt. Foto: WDR/R. YogeshwarEs gibt zwar gute Umweltgesetze in Indonesien, berichtet Ranga Yogeshwar, doch sie werden zu wenig durchgesetzt. Foto: WDR/R. Yogeshwar

Köln. Hannes Jaenicke war auch schon da. Der Schauspieler, der sich seit Jahren für den Tierschutz auf allen Kontinenten starkmacht, berichtete aus Borneo über den schändlichen Umgang mit Affen in Indonesien. Nun war Ranga Yogeshwar im April auf der Nachbarinsel Sumatra unterwegs und erlebte, wie die massive Abholzung des Regenwaldes vor allem Orang-Utans ihren Lebensraum nimmt.

In seiner zusammen mit Frank Elstner moderierten Sendung „Die große Show der Naturwunder“ berichtete er bereits Ende Juli über das Problem, und morgen strahlt das WDR-Fernsehehen die dazugehörige Reportage aus. Wie kommt man als Physiker auf den Affen? „Ich bin zwar von Haus aus Physiker“, so Ranga Yogeshwar im Gespräch mit dieser Zeitung, „aber ,Quarks & Co.‘ ist ja eine Wissenschaftssendung, und in dem Zusammenhang ist Artenschutz schon seit Jahren für uns ein Thema. Auf Sumatara gibt es in Flora und Fauna noch eine schier unglaubliche Artenvielfalt, doch viele Tiere und Pflanzen sind in ihrer Existenz akut bedroht. Dazu zählen auch die Orang-Utans.“

Hannes Jaenicke erzählt im Interview über seine Liebe zu Tieren.

Dass die „Waldmenschen“, so viel meint der Name in der Sprache der Ureinwohner, vom Aussterben bedroht sind, hat auch mit uns in der westlichen Zivilisation und am Ende sogar mit unserem gewachsenen Öko-Bewusstsein und der Abkehr von fossilen Energieträgern zu tun. Noch immer werden auf Sumatra pro Stunde Regenwaldgebiete in der Größe von 300 Fußballfeldern gerodet, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen, die der Wirtschaft der Insel in der jüngeren Vergangenheit einen gigantischen Boom beschert haben. Ranga Yogeshwar: „Im Prinzip ist Palmöl ein wunderbarer, schnell nachwachsender, ökologischer Energiespender. Doch weil das Öl inzwischen in allen erdenklichen Fertigprodukten der Lebensmittelindustrie sowie in Shampoos, Cremes und Waschmitteln eingesetzt wird, ist der Verbrauch in den letzten Jahren weltweit explosionsartig gestiegen. Weshalb ein immer größerer Bedarf an Anbauflächen entsteht, der auf Sumatra zur Bedrohung vieler Arten führt, an der wir durch unseren Konsum mitwirken. Gut möglich, dass manche Zuschauer Tiefkühlpizzas verzehren, in der Palmöl aus Sumatra steckt.“

Für seine Reportage besuchte der Physiker und Moderator eine Station im Norden der Insel, deren Mitarbeiter sich seit Jahren bemühen, die Konsequenzen dieser Entwicklung zumindest ein Stück weit zu mildern, indem sie akut bedrohte oder verwaiste Orang-Utans aufnehmen, sie pflegen und anschließend in noch unberührten Regionen des Regenwaldes wieder auszuwildern. Die unter anderem von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt betriebene Einrichtung hat inzwischen mehr als 150 gerettet. Und der zoologische Laie Ranga Yogeshwar hat sich nicht lumpen lassen und sich für seine Reportage aktiv als Helfer verdingt. So sieht man ihn dabei, wie er einem jungen Affen beibringt, wie man an die schmackhaften Kleintiere eines Termitenbaus kommt. Was auf den ersten Blick verwundert, da man doch meinen sollte, dass Tiere des Urwaldes solche Techniken quasi instinktiv im Blut haben. Doch dem ist, wie Yogeshwar im Gespräch erklärt, durchaus nicht so: „Junge Orangs sind völlig hilflos und brauchen sehr viel Zuwendung. Auch das haben sie mit uns Menschen gemein. Es dauert acht bis neun Jahre, bis sich ein Tier im Urwald allein zurechtfindet und sich selbstständig ernähren kann. Deshalb ist das Trainingsprogramm, das in der Station und später in freier Wildbahn mit verwaisten Jungtieren absolviert wird, extrem aufwendig.“

Zwar gebe es in Indonesien, so der Moderator weiter, durchaus gute Umweltschutzgesetze, aber das Problem sei ihre Durchsetzung in ländlichen Gebieten, wo man sich auf die örtliche Polizei nicht verlassen könne. Und natürlich weiß er auch um den Kuschelfaktor von Affen für die Fernsehzuschauer. Mit einer Reportage über eine bedrohte Rattenart in Fernost ließe sich wohl kaum jemand vor den Bildschirm locken. Yogeshwar: „Menschenaffen sind die Lebewesen, die uns genetisch und in ihrem Verhalten am nächsten sind. Und wenn sie so einem nahen Verwandten in die Augen blicken, ist das etwas anderes, als wenn ihr Hund sie anschaut. Als Hundehalter kann ich das beurteilen.“

Quarks & Co.: Die letzte Geschichte des Orang-Utans, Dienstag, 21.00 Uhr, WDR