Krimi oder Satire? „Tatort“ heute aus München: „Wüstensohn“

Von Joachim Schmitz


Osnabrück. Der „Tatort“ kommt heute aus München und trägt den Titel „Der Wüstensohn“. So schlecht war ein Krimi mit Leitmayr und Batic selten.

Dritter und letzter Teil des spätsommerlichen „Tatort“-Alpengipfels: Nach den Kollegen aus Österreichund der Schweizund der Schweiz sind nun die bayerischen Kommissare dran – und legen nach dem Gipfelsturm des Luzerner Teams auf der Qualitäts-Achterbahn eine rasante Talfahrt hin.

Ist Kommissar Leitmayr nicht gestorben? Alle Fakten zum „Tatort: Wüstensohn“. ››

Rasant beginnt auch ihr Fall: Mit Mühe und Not stoppt die Münchner Polizei einen mit Tempo 200 durch die Stadt rasenden Sportwagen. Auf dem Fahrersitz: ein junger Schnösel, Sohn des Emirs von „Kumar“, durch Diplomatenstatus gegen polizeiliche Neugier geschützt – auf dem Beifahrersitz: eine Leiche.

Was im letzten Fall der Münchner Kommissare passiert ist, lesen Sie hier. ››

Was folgt, ist allerdings eine Mischung aus Münchner Puppenkiste und Märchen aus 1001 und einer Nacht, die sämtliche Klischees von windigen Teppichhändlern über Koks-geschwängerte Schickimicki-Discos bis hin zu versnobt prassenden Ölmilliarden allzu freudig bedient. Kein Wunder, dass sich der Film nicht traut, einen echten Wüstenstaat zu benennen – der Ärger wäre programmiert.

Als sich „Der Wüstensohn“ Themen wie Korruption und Waffenhandel zuwendet, hat er längst verloren: Der Zuschauer sitzt vorm Fernseher und fragt sich, ob das ein Krimi oder eine Satire sein soll – so oder so geht der Schuss gründlich daneben.

Wertung: 2 von 6 Sternen

„Tatort: Wüstensohn“, 14. September, 20.15 Uhr, ARD