Vielfalt ohne Fleisch Kochzeitschriften für Vegetarier und Veganer boomen

Attila Hildmann ist der Superstar unter den veganen Köchen. Neben seinen Kochbüchern gibt es mittlerweile zahlreiche Zeitschriften, die sich mit veganer Ernährung beschäftigen und Rezepttipps geben. Foto: dpaAttila Hildmann ist der Superstar unter den veganen Köchen. Neben seinen Kochbüchern gibt es mittlerweile zahlreiche Zeitschriften, die sich mit veganer Ernährung beschäftigen und Rezepttipps geben. Foto: dpa

Osnabrück. Es hört sich an wie eine Welt des Verzichts: Vegetarier essen weder Fisch noch Fleisch, Veganer nehmen nichts zu sich, was von Tieren stammt, also auch keinen Käse, keine Eier. Dennoch finden Kochbücher mit entsprechenden Rezepten reißenden Absatz. Und auch auf dem Zeitschriftenmarkt sind inzwischen einige Magazine zum Thema zu finden.

Verzicht? Es sieht einfach köstlich aus! Diese Farbenvielfalt auf den Fotos. Die dazugehörenden Rezepte versprechen eine Geschmacksexplosion: Fruchtig und deftig zugleich klingt „Quitten und Fenchel aus dem Ofen mit Tomatensalsa“. Wenige Seiten weiter empfiehlt die Redaktion von „Slowly Veggie! Vegetarisch und vegan genießen“ die Zubereitung einer Kürbis-Pilz-Pfanne süß-sauer. Dazu gibt es Tipps für Veganer, die manche Zutat ersetzen müssen. Denn etwa bei der Herstellung bestimmter Essigsorten wird Gelatine eingesetzt, die aus Knochen gekocht wird.

Rund eine Million Deutsche leben aktuell vegan. Ihr Ziel ist nicht allein die gesunde Ernährung. Sie wollen die Ausbeutung von Tieren vermeiden – und zwar nicht nur, indem sie nichts in ihren Speiseplan aufnehmen, was von Tieren produziert wurde. Das gilt auch für Kleidung und Kosmetik. In ihren Kleiderschränken findet sich also kein Leder, sie pflegen sich mit Cremes und Seifen, die ohne Tierversuche und tierische Zusätze auskommen.

Gesund und glücklich machen die vegane und die vegetarische Küche, geht man nach den Titeln der Magazine. Sie heißen „Gesunder Genuss. Vegetarisch kochen“, „Vegetarisch. Das gesunde Magazin“ oder „Happy veggie“. Andere Verlage versuchen es mit Humor: „Kochen ohne Knochen“ heißt das Heft für Veganer aus dem Ox-Verlag in Solingen. Es bietet neben Rezepten auf rund 60 Seiten einige Hintergrundinformationen zur veganen Ernährung, beispielsweise wie Seitan produziert wird. Das ist ein Produkt aus Weizen, das als Fleischersatz eingesetzt wird.

Wer sich mit den Heften befasst, entdeckt auch überraschendes – nämlich wo überall tierische Produkte enthalten sind oder wo sie in der Produktion verwendet wurden. So wird Fleisch – oder was daraus produziert wurde – in bestimmten Chips-Sorten wegen des Geschmacks zugesetzt.

Jüngste Neuerung auf dem Markt der Koch-Zeitschriften ist das Heft „Kochlust“, ein Ableger des Landlust-ähnlichen „Landspiegels“. Es soll alle drei Monate mit rund 100 Seiten erscheinen und für 4,50 Euro verkauft werden. „Nachhaltig. Natürlich. Gesund. So will ich leben“ heißt das Heft im Titelzusatz, das sich an Menschen wendet, die ganz oder teilweise auf Fleisch verzichten möchten.

Durch Letztere erklärt sich das große Interesse an veganen und vegetarischen Rezepten. Sie wollen nicht immer, aber häufiger auf Fleisch verzichten, ihre Ernährung aber nicht komplett umstellen.

„Allen Vorurteilen zum Trotz treten wir mit jeder Ausgabe den kulinarischen Beweis an, dass die moderne vegetarische Küche nichts mit Lustverlust zu tun hat. Ganz im Gegenteil“, betont Manfred Ott, der Geschäftsführer des Go-Direct-Verlags. Er hat 2010 das Heft „köstlich vegetarisch“ auf den Markt gebracht. Es erscheint alle zwei Monate und wird überwiegend über Bio-Läden, Reformhäuser und Supermärkte mit Bio-Angebot, aber auch im Abo vertrieben. Die Hefte stehen unter einem bestimmten Titel, der sich meist um die Saison dreht – ganz im Sinne des Umweltschutzes. Sollen die Produkte doch aus der Region kommen.

Allen Vorurteilen zum Trotz sind die meisten veganen und vegetarischen Rezepte nicht aufwendiger. Und nicht überall kommt Soja hinein. Zu finden sind in einigen Heften bekannte Rezepte, zum Beispiel eines für Pfannkuchen mit Blaubeeren. Man muss nicht immer auf exotische Zutaten zugreifen, um sich lecker und fleischlos zu ernähren.