Schon gesehen „Der Kapitän und sein Pirat“: Bemerkenswerte Gratwanderung

Von Frank Jürgens

Fast vier Monate lang war die Hansa Stavanger in der Gewalt somalischer Piraten. Foto: dpaFast vier Monate lang war die Hansa Stavanger in der Gewalt somalischer Piraten. Foto: dpa

Osnabrück. Der Dokumentarfilm „Der Kapitän und sein Pirat“ über die Entführung der Hansa Stavangar (WDR, Do., 23.15 Uhr) beleuchtet auch die katastrophale Lage in Somalia.

Am 4. April 2009 brachten Piraten das Containerschiff Hansa Stavangar mit seinen 24 Besatzungsmitgliedern in ihre Gewalt. Geschlagene vier Monate sollte es bis zur Freilassung dauern . Eine lange Zeit der Ungewissheit mit nachhaltigen Folgen für die Besatzung, die der Willkür und Brutalität ihrer Peiniger ausgeliefert war . Scheinhinrichtungen inklusive.

In seinem vielfach preisgekrönten Dokumentarfilm „Der Kapitän und sein Pirat“ entfaltet Filmautor Andy Wolff das Psychogramm der ungleichen Beziehung, die sich zwischen dem Kapitän und einem der Piraten aufgebaut hat. Darüber entspinnt sich die dramatische Geschichte der Entführung, an deren Folgen der Kapitän während der Dreharbeiten in der Psychosomatischen Klinik Windach behandelt wird. Sein Peiniger hingegen schildert die von ihm verursachten Ereignisse mit einer zunächst unfassbar wirkenden Lockerheit. Allmählich entwickelt sich über die Erinnerungen beider Protagonisten aber auch ein Bild der katastrophalen Lage Somalias , wo die Menschen in Krieg und Anarchie hineingeboren werden. Wolff gelingt eine bemerkenswerte Gratwanderung, die ganz nebenbei auf die fatale Situation einer Region ohne Aussicht auf Hoffnung aufmerksam macht.

„Der Kapitän und sein Pirat“ (WDR, Donnerstag, 11. September, 23.15 Uhr

Wertung: 6 von 6 Sternen