RTL vs. Web Rising Star auf RTL: Sind 2,7 Millionen Votes gut?


Berlin. „Rising Star“ auf RTL: Die Casting-Show mit Sasha, Anastacia, Joy Denalane und Gentleman will Fernsehen und Internet versöhnen. Sind 2,7 Millionen Votes ein Erfolg?

Vom Leitmedium zum Begleitmedium: Die Deutschen gucken zwar immer noch 221 Minuten Fernsehen am Tag. Aber richtig hingucken – das tun sie nicht. Weil sie nebenbei simsen, twittern und bei Facebook rumdaddeln. Die Casting-Show „Rising Star“, von RTL aus Israel importiert, integriert deshalb das Handy ins Konzept, lässt die Zuschauer per App über das Weiterkommen der Casting-Sänger abstimmen und drückt sogar den Studio-Juroren statt des Buzzers ein Smartphone in die Hand.

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Sieg des iPhones?

Unterwirft das Fernsehen sich dem iPhone? Im Gegenteil! Der wahre Held von „Rising Star“ ist ein 150-Quadratmeter-Bildschirm, der mit 10 Tonnen Gewicht klarmacht: Das Fernsehen hat immer noch den größten Screen. Der Bildschirm wird als Riesenfetisch inszeniert, auf dem jeder zu sehen sein will: Wer zuhause abstimmt, erscheint mit seinem Profilfoto auf der Wand – und hat damit die Chance auf zwei Sekunden Ruhm bei RTL. 2,7 Millionen Stimmen, sagt Moderator Rainer Maria Jilg, hat „Rising Star“ bei der Premiere mit diesem Lockmittel eingesammelt. Um bei neun Auftritten auf diese Zahl zu kommen, reichen RTL zur Not schon 300.000 fleißige User mit der Rising-Star-App auf dem Telefon. Zum Vergleich: In Israel hatten dem Sender zufolge 1,5 Millionen Zuschauer die App – bei 8 Millionen Einwohnern.

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Das Internet als Künstlerknast

Die Stars der Show sind die User aber trotzdem nicht. Eher eine Hürde, die es für die Musiker zu überwinden gilt – damit sie von den Followern endlich zum richtigen Publikum vordringen. Zu dem im Studio nämlich. Bis zu einer Mindestanzahl von Stimmen bleiben die Casting-Künstler hinter der Wand aus Profilfotos eingesperrt. Die Metapher versteht jeder: Das soziale Netzwerk ist eine Art Knast; echten Erfolg hat man erst, wenn man Facebook und YouTube hinter sich lässt und bei RTL das Saalpublikum applaudiert.

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Wer sind die Promis von „Rising Star“?

Die Studio-Juroren sind Joy Denalane, Anastacia, Sasha und Gentleman. Als Moderator stellt sich Rainer Maria Jilg mit einem pfiffigen Witz vor: „Ich bin der Neue, muss mir aber die Brille mit Daniel Hartwich teilen.“ Hehe. Der Mann hat Humor. Auch, was die Präsentation der Spielregeln angeht: „Nacktbilder bitte weiterhin nur an die Freundin schicken; Profilbilder an uns. Unser Systemtechniker will ohne Albträume schlafen.“

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Nächster Gegner von RTL? Youporn

Interessant, dass mit Rainer Maria Jilg wenigsten ein RTL-Mann gegenüber Nacktbildern skeptisch ist. Wenn alle es so sehen würden, wäre der FKK-Kuppel-Schrott „Adam sucht Eva“, den RTL gleich im Anschluss zeigt, nicht möglich gewesen. Noch so ein Format, dass es mit mächtigen Konkurrenten im Netz aufnehmen will: „Adam sucht Eva“ – RTLs Kampfansage an Youporn.


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