Ist die DVD am Ende? „Video on Demand“ wird in Deutschland immer beliebter

Konkurrenz ja, Bedrohung nein: Video-on-Demand-Anbieter können DVDs bisher noch nicht verdrängen. Foto: dpaKonkurrenz ja, Bedrohung nein: Video-on-Demand-Anbieter können DVDs bisher noch nicht verdrängen. Foto: dpa

Osnabrück. Weltweit verdrängen Video-on-Demand-Dienste die klassischen Medienträger DVD und Blu-ray. Nur Deutschland hinkt mangels zukunftsfähiger Infrastruktur im Breitbandbereich diesem Trend noch hinterher. Auch wenn die Angebote sich mehren.

Fans der HBO-Serie „Game of Thrones“ können sich freuen: Ab sofort ist die komplette vierte Staffel legal, in bester Qualität und wahlweise in deutscher oder englischer Sprache erhältlich. Nicht nur für Abonnenten von Sky, denen dieses Privileg bislang exklusiv vorbehalten war. Sondern wirklich für jeden.

Und das, obwohl es noch Monate dauert, bis die vierte Staffel auf DVD und Blu-ray greifbar wird. Der koreanische Kultfilm „Oldboy“ hingegen erscheint zum zehnjährigen Jubiläum in einer von Regisseur Park Chan-wook digital aufgehübschten Fassung auch nach seiner Neuveröffentlichung am 1. September gar nicht mehr auf DVD oder Blu-ray.

Der Zauberbegriff lautet Video on Demand (VoD). Einzige Voraussetzung: ein schneller Internetzugang und die Bereitschaft, für audiovisuelle Inhalte aus dem Netz auch mal Geld zu bezahlen. Sei es in Form einer Leihgebühr für eine befristete Nutzung der Inhalte. Oder aber als Kauf, wodurch man in der Regel die Inhalte unbefristet auf verschiedene Geräte herunterladen und auch unterwegs nutzen kann.

Zu den in Deutschland bekanntesten VoD-Anbietern zählen Maxdome, der Apple iTunes-Store, Amazon Instant Video, Videoload und Watchever . Netflix steht in den Startlöchern.

Bei diesen und weiteren Anbietern kann man nicht nur Einzeltitel gegen Gebühr abrufen. Über Abo-Modelle erhalten Kunden auch die Möglichkeit, ohne Zusatzgebühren jederzeit aus vielen Tausend Filmen und Serien auszuwählen. Zwar findet sich nur verhältnismäßig wenig Neuware. Dafür bieten solche Online-Videotheken in aller Regel einen umfangreichen Grundstock mit zahlreichen Film- und Serienklassikern.

Sind die physischen Datenträger also am Ende? Droht DVDs und Blu-rays das gleiche Schicksal wie der Musik- und der Videokassette? „Noch lange nicht“, ist sich Oliver Trettin, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbandes Audiovisueller Medien (bvv) , im Gespräch mit unserer Zeitung sicher. Zumindest nicht in Deutschland. Hier unterscheide sich der Markt „von allen anderen Märkten der Welt“, betont der Fachmann. Während in skandinavischen Ländern nicht zuletzt dank ihrer hervorragend ausgebauten Breitbandnetze VoD-Dienste tatsächlich die Existenz von DVDs und Blu-rays bedrohten, laufe das Geschäft hierzulande nach wie vor blendend.

Das belegen auch aktuelle Videomarktdaten für das erste Halbjahr 2014, die der bvv jüngst veröffentlicht hat. Im Home-Entertainment-Segment wurden von Januar bis Juni 2014 immer noch 90 Prozent aller Umsätze durch physische Medienträger erwirtschaftet. Zwar sind die Umsätze bei DVDs und Blu-rays leicht gesunken. Aber dieser Rückgang lässt sich kaum auf die nach wie vor noch geringe Online-Konkurrenz zurückführen. Die konnte sich immerhin um zwölf Prozent verbessern, allerdings nur auf einem sehr niedrigen Niveau.

Alles in allem musste die Video-Branche einen Umsatzrückgang von sieben Prozent für das erste Halbjahr hinnehmen. Trotzdem gibt es bei Einnahmen von 727 Millionen Euro im Zeitraum von Januar bis Juni keinen Grund zum Jammern. Dies sei laut der aktuellen Studie das viertbeste Ergebnis seit 2000, heißt es. Und Weihnachten kommt ja auch erst noch.

Wobei sich insbesondere der Einzelhandel über die unterm Strich stabilen Verkaufszahlen physischer Medienträger freuen darf. Bei genauerer Betrachtung offenbart sich allerdings auch ein Blick in den digitalen Abgrund deutscher Infrastruktur. Während in anderen Ländern wie beispielsweise Norwegen VoD-Dienste nicht zuletzt dank hervorragend ausgebauter Breitband-Netze die physischen Datenträger an den Rand drängen, holpert das Internet in Deutschland vielerorts noch hinterher. Somit geben die Zahlen verkaufter DVDs und Blu-rays (90 Prozent) im Verhältnis zur Nutzung von VoD-Diensten (zehn Prozent) auch Auskunft über den Zustand der digitalen Wettbewerbsfähigkeit im Lande. Und da – Stichwort: Netzausbau – rumpelt es gewaltig in Deutschland.


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