Große Filme für die Kleinen Kinderfilmpreise: Lucas, Prix Jeunesse und Goldener Spatz

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Fast wie bei den Großen: Wenn in Erfurt der Kinderfilmpreis „Goldener Spatz“ verliehen wird, ist ordentlich was los. Foto: Goldener Spatz/Carlo BansiniFast wie bei den Großen: Wenn in Erfurt der Kinderfilmpreis „Goldener Spatz“ verliehen wird, ist ordentlich was los. Foto: Goldener Spatz/Carlo Bansini

Osnabrück. Oscar, Lola, Goldener Bär – diese Filmpreise kennen die meisten Menschen. Aber wer kennt den Lucas, den Prix Jeunesse oder den Goldenen Spatz? Auch Kinderfilmpreise haben eine Tradition in Deutschland – ein Überblick.

Als ältestes deutsches Filmfest rühmt sich das Internationale Kinderfilmfestival „Lucas“, benannt nach dem gleichnamigen Guckkastenmännchen der Hoechster Porzellanmanufaktur, das als Preis verliehen wird. Träger des „Lucas“ ist das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt. Im September findet das Festival zum 37. Mal statt. Filme mit Anspruch will man hier präsentieren und die Medienkompetenz fördern – Schlagworte, denen man in der Kinderfilmlandschaft ständig begegnet. Einfach nur Unterhaltung, das ist nicht genug für die heranwachsenden Zuschauer.

Noch älter als der „Lucas“ ist tatsächlich aber der Münchner „Prix Jeunesse“ , der bereits 1969 gegründet wurde und sich die Internationalität besonders groß auf die Fahne schreibt. Der Prix Jeunesse wirbt mit dem Slogan „Promoting Excellence in Children’s TV“, versteht sich also explizit als Fernsehpreis für Kinder. Neben dem Festival, das im zweijährigen Turnus in München stattfindet, gibt es rund um den Globus Workshops zum Thema Kinderfernsehen. In diesem Jahr stand der „Prix Jeunesse“ unter dem Motto „Feelings in Focus“. Gewinner waren unter anderem der Dauerbrenner „Sesamstraße“, die Bilderbuchadaption „Der Grüffelo“ oder die pakistanische Animationsserie „Burka Avenger“. Beteiligt sind hier, neben der Unesco, der Bayrische Rundfunk, ZDF und Super RTL. Größtenteils sind es also die Macher von Kinderfernsehen selbst, die die Qualität ihres eigenen Programms – und das der internationalen Kollegen – prämieren.

Ebenfalls fest in Senderhand ist „Der goldene Spatz“ . Er wird seit 1979 verliehen. Der volle Titel des damals noch in Gera stattfindenden Festivals lautete Nationales Festival „Goldener Spatz“ für Kinderfilme der DDR in Kino und Fernsehen. Betreut wird das Festival heute von der Stiftung Goldener Spatz, die ARD, ZDF und RTL 1993 gründeten. Zehn Jahre später kam als zweiter Austragungsort der Sitz des Kika, Erfurt, hinzu – unter Protest („Mein Nest ist Gera“). Das Festival wird nun in Gera eröffnet und schließt mit der Preisverleihung in Erfurt.

Seit der Wiedervereinigung befindet nicht nur eine Fachjury über die Preisvergabe, sondern auch eine Kinderjury mit Mitgliedern von 9 bis 13 Jahren aus Deutschland und Nachbarländern. Auch liegt der Fokus seit einigen Jahren nicht mehr nur auf Film und Fernsehen – Der goldene Spatz hat nunmehr den offiziellen Untertitel „Deutsches Kinder-Medien-Festival“. So wurde etwa neben dem besten Drehbuch für „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ und TV-Produktionen in diesem Jahr auch die beste kreative Website und ein Online-Game prämiert.

Für die Vorauswahl der Beiträge sorgt eine Jury aus erwachsenen Fachleuten. Die Münchner Filmproduzentin Sabine Lamby war bereits zweimal in dieser Jury. „Ich habe den Eindruck“, so Lamby, „dass die Anzahl der Kinderfilme zunimmt, auch der Filme, die als Familienfilm gut funktionieren. Allerdings handelt es sich fast ausschließlich um Verfilmungen von Romanvorlagen.“

Um diesem Übergewicht an Kinderfilmen, die sich auf eine etablierte „Marke“ verlassen, mehr Originalstoffe gegenüberzustellen, riefen die öffentlich-rechtlichen Sender, Verbände der Filmwirtschaft und die Politik im letzten Jahr die Initiative „Der besondere Kinderfilm“ ins Leben. Margret Albers, Leiterin des Festivals Goldener Spatz, konstatierte denn auch in diesem Jahr: „Das Niveau wird graduell immer besser.“ Produzentin Sabine Lamby sieht noch Luft nach oben: „Grundsätzlich ist die Auswahlmöglichkeit für mein Empfinden aber noch zu gering.“


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